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Kultur

Kampf um Gleichberechtigung

Mark Gevisser: Die pinke Linie. Übersetzt von Helmut Dierlamm und Heike Schlatterer. Suhrkamp Verlag, Berlin 2021

Dieses Sachbuch thematisiert die weltweiten Kämpfe für LGBTIQ*-Rechte. Der aus Südafrika stammende Autor spricht in diesem Zusammenhang von einer „pinken Linie“. In einigen Ländern werden gleichgeschlechtliche Ehen und Geschlechtsangleichungen als Zeichen des Fortschritts gefeiert, während anderswo die Gesetze verschärft werden. Die pinke Linie verläuft oft quer durch Städte und Fernsehstationen. Wer etwa in afrikanischen Städten Satellitenfernsehen hat, kann sich problemlos queere US-Serien ansehen. Gleichzeitig wird dort auf anderen TV-Kanälen gegen LGBTIQ*-Personen gehetzt. Der Kampf entlang der pinken Linie wird immer heftiger. Je mehr die Gleichberechtigung akzeptiert wird, umso stärker fallen die Gegenreaktionen von konservativen, patriarchalen und kirchlichen Kräften aus. Lesenswert sind in diesem Buch die Reportagen über queere Menschen, die der Autor in unterschiedlichen Teilen der Welt besucht hat. Die Lebensgeschichten zeigen, wie LGBTIQ*-Menschen Opfer auf dem Schlachtfeld der pinken Linie werden. Aunty beispielsweise wurde nach einer Verlobungszeremonie in Malawi zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Sie erhielt Asyl in Südafrika, doch ihr Leben in dem neuen Land war alles andere als einfach. Katastrophal ist auch die Lebenssituation von ­Michael, der in Uganda von der Familie verstoßen wurde. Er wurde mit 16 Jahren obdachlos, ausgebeutet, geschlagen, vergewaltigt und sollte seinen Körper verkaufen. In Russland verlor Pascha ihren Sohn, weil sie eine Frau wurde. Dieses Buch zeigt, wie wichtig es ist, für LGBTIQ*-Rechte zu kämpfen, damit es zu keinem Backlash kommt.

Von Christian Höller

Christian Höller ist Psychotherapeut und hat eine Praxis in Wien.