TEDDY-Jubiläum mit einer Retrospektive queerer Filme
Rosa von Praunheim, einer der ältesten und wichtigsten Vertreter des queeren deutschen Kinos, ist im Dezember verstorben. In seinem Gedenken fanden die TEDDY Awards in diesem Jahr statt. In der Retrospektive der Jubiläums-Sektion „TEDDY 40“ stand seine Westberliner Szene-Doku „Tunten lügen nicht“ (2002) ganz oben auf der Liste. Weitere queere Klassiker vervollständigten das Programm: D. Smith‘ „Kokomo City“ von 2023 über Schwarze trans* Sexarbeiterinnen in USA, Sebastián Lelios „Una Mujer Fantástica“ von 2017, in dem eine trans Frau um ihr Recht auf Trauer kämpft, Special TEDDY Award 2026-Preisträgerin Céline Sciammas „Tomboy“ von 2011, der von einem Mädchen handelt, das beschließt, ein Junge zu sein, oder auch, als ältester Streifen im Programm, „Verführung: Die grausame Frau“ von 1985. Elfi Mikesch und Monika Treut zeigen darin, was die Community der 1980er so an Lebens- und Sexlust draufhat.
Die diesjährigen TEDDY Awards – in der Jury mit dabei übrigens Daniela Vega, die die Hauptrolle in „Una Mujer Fantástica“ spielte – gingen an „Iván & Hadoum“ von Ian de la Rosa (bester Spielfilm), „Barbara Forever“ von Brydie O’Connor (bester Dokumentar- und Essayfilm) und „Taxi Moto“ von Gaël Kamilindi (bester Kurzfilm). Mit dem Jury Award wurde „Der Heimatlose“ von Kai Stänicke ausgezeichnet.
„Iván & Hadoum“ ist eine spanische Liebesgeschichte zwischen einem trans Mann und einer Marokkanerin, die ausbeuterische Macht- und Arbeitsverhältnisse in der Lebensmittelindustrie inmitten idyllischer andalusischer Landschaft mitthematisiert. Dass die romantisch-einfühlsame Story in einer Umgebung politischen Arbeitskampfes spielt, macht sie umso spannender.
„Barbara Forever“ ist ebenso bedeutsam, geht es dabei doch um die lesbisch-feministische US-Filmemacherin Barbara Hammer (1939 – 2019), die mit ihren experimentellen Beiträgen Filmgeschichte schrieb. Hammer ging es darum, sich selbst in ihrer Körperlichkeit und in ihren Beziehungen zu zeigen und damit der patriarchalisch-motivierten Objektivierung von Frauen entgegenzuwirken. In ihren späteren Lebensjahren dokumentierte Hammer auch den Verlauf ihrer Krebserkrankung und setzte sich mit ihrer Sterblichkeit auseinander. Daher standen für dieses Porträt Hammers eigene Aufnahmen, in denen die vielseitige Künstlerin ihre eigene Sexualität erforscht hat, im Vordergrund, während Regisseurin O‘Connor andere politische Aspekte nicht thematisiert hat, zum Beispiel die ausgedehnten Reisen, die Hammer unternommen hatte, um weibliche Erinnerungskulturen und Homosexualität auch international zu thematisieren.
„Taxi Moto“ dokumentiert den unvollendeten Verlauf eines Filmprojektes, das Regisseur Kamilindi ursprünglich in Ruanda geplant hatte. Inzwischen lebt der Filmemacher in Frankreich und will dort seinen schwulen Liebesfilm beenden. Er zeigt, wie Handlung und Setting den veränderten örtlichen und sozialen Bedingungen angepasst werden könnten.
„Der Heimatlose“ schließlich spielt mit der Ambivalenz von Realität und Identität, verpackt in einem schwulen Dama um einen Mann, der auf seine Herkunftsinsel zurückkehrt und dort nicht (an-)erkannt wird.
Weitere Filmhighlights auch jenseits der TEDDY-Preise werden in der Juni-Ausgabe der Lambda besprochen.
