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Pink Pony Patriarchy

Die queere Community verändert sich – und das ist auch gut so. Während vor 50 Jahren noch deutlich expliziter von homosexuellen Bewegungen oder von schwulen und lesbischen Personen gesprochen wurde, hat sich in den letzten Jahren zunehmend der Begriff der Queerness, beziehungsweise der LGBTIQ+-Community etabliert.

Queer ist dabei ein Überbegriff, der häufig synonym zu LGBTIQ+ verwendet wird. Der Begriff hat jedoch noch eine weitere Dimension: Queerness impliziert Intersektionalität – Feminismus und Antirassismus gehören als grundlegende Haltungen dazu.

Wie steht es nun um spezifisch schwule Identitäten in diesem Wandel der Community?

Vor einigen Monaten machte die geplante Eröffnung eines Nachtclubs in Sydney Schlagzeilen. Der Besitzer hatte vor, einen Club zu eröffnen, dessen Zielgruppe explizit schwule Männer sein sollte. Scharf kritisiert wurde dabei vor allem der Name des Etablissements: Der Club sollte „Pink Pony“ heißen, benannt nach dem Song Pink Pony Club der lesbischen Sängerin Chappell Roan.

Wichtig hier zu betonen: Dass es explizit schwule Spaces gibt, ist nicht das Problem und soll hier auch nicht kritisiert werden. Das Problem liegt vielmehr darin, als Namen das Werk einer lesbischen Künstlerin zu verwenden, was von vielen als tone deaf empfunden wurde. Es handelt sich um ein altbekanntes Muster: Männer appropriieren Kunst von Frauen* und nutzen sie für eigene Zwecke, ohne zu reflektieren, ob dieses Werk ihnen überhaupt zusteht oder für sie gedacht ist.

Auch die queere Community existiert innerhalb einer patriarchalen Gesellschaft, in der Männer von strukturellen Privilegien profitieren.

Queere Bewegungen kritisieren hegemoniale Männlichkeit und patriarchale Geschlechterrollen. Die Community wird zunehmend pluralistischer, und es findet ein aktives Loslösen von binären Kategorien statt. Damit werden auch schwule Männer stärker in die Verantwortung genommen. Queerfeminismus darf sich nicht davor scheuen, Fehlverhalten auch in den eigenen Reihen klar zu benennen und zu verurteilen.

Dazu gehört die Anerkennung, dass FLINTA*-Personen deutlich mehr gesellschaftliche Ungleichheit und Diskriminierung erfahren als cis Männer – auch dann, wenn diese selbst queer sind. Was die Community braucht, sind schwule Männer, die aktiv gegen Diskriminierung in ihrem Umfeld vorgehen, sexistisches, misogynes, queerfeindliches und rassistisches Verhalten klar verurteilen und sich ihrer Privilegien als cis Männer bewusst sind.

Alerta, Alerta, Queerfeminista!

Louise Breidenstein
QYVIE – Queer Youth Vienna
HOSI Wien

Von HOSI Wien

Artikel von HOSI Wien Arbeitsgruppen und Projekten.