– rechte Parteien sind nicht auf eurer Seite
Das Datingportal für schwule und bisexuelle Männer Romeo veröffentlichte vor der österreichischen Nationalratswahl 2024 eine nicht repräsentative Umfrage, bei der die FPÖ mit 29 Prozent an erster Stelle lag. Demnach würde also fast ein Drittel der Romeo-Nutzer eine rechtsextreme Partei unterstützen, die sich ausdrücklich gegen queere Rechte ausspricht. Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine Umfrage vor den Europawahlen in Deutschland.
Aber warum? Ist es das Wahlkampfthema Nummer eins: Migration, internalisierte Homophobie, oder das Festhalten an eigenen Privilegien?
Hassverbrechen nehmen zu
Die Zahl der Hassverbrechen gegen LGBTQIA+-Personen ist in Österreich von 2022 auf 2023 um 20 Prozent gestiegen. Es gab bei hassbedingten Übergriffen aufgrund sexueller Orientierung deutlichere Zuwächse als bei anderen Gruppen, die sich im Netz und im Alltag Angriffen ausgesetzt sehen. Ein Bericht der EU-Grundrechteagentur aus 2024 zeigt: In Österreich haben 60 Prozent der LGBTQIA+-Community bereits Belästigung erfahren. Zwischen 2019 und 2023 waren 15 Prozent roher Gewalt aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Geschlechtsidentität ausgesetzt.
Besonders erschreckend sind die Zahlen zu Schulen. 73 Prozent geben an, dass sie in der Schule Mobbing, Verspottung, Hänseleien, Beschimpfungen oder Drohungen ausgesetzt waren. 2019 waren es in Österreich noch 43 Prozent. Mobbing in der Schule hat für junge LGBTQIA+-Menschen somit innerhalb fünf Jahre um 70 Prozent zugenommen.
Die Dunkelziffer bei Hassverbrechen ist hoch. Viele queere Menschen zeigen Angriffe aus Scham nicht an. Doch es ist wichtig, dass jedes Verbrechen zur Anzeige gebracht wird, damit die Problemfelder und Hintergründe auch benannt und analysiert werden.
Wer ist für homofeindliche Gewalt verantwortlich?
Während Klubobmann der NEOS Yannik Shetty Menschen mit Migrationshintergrund Schwulenfeindlichkeit vorwirft, zeigen die Zahlen ganz klar: Nicht Menschen mit Migrationshintergrund, sondern queerfeindliche männliche Österreicher sind für den Großteil der homofeindlichen Angriffe verantwortlich. 2023 wurden bei der Polizei 446 Hassverbrechen in der Kategorie „sexuelle Orientierung“ angezeigt. Viele der tatverdächtigen Personen konnten ausfindig gemacht werden. Eine Auswertung ergab, dass die Tatverdächtigen bei homofeindlichen Hassverbrechen zu 90 Prozent Männer und zu 72 Prozent Österreicher waren.
Rechtsextremismus ist eine reale Gefahr für queeres Leben
Zudem sind es immer wieder rechtsextreme Gruppen, die sich an queeren Lebensweisen stören.
Dies zeigt auch der Rechtsextremismusbericht 2023, den das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) erstellt hat. Seien es Störaktionen bei der Vienna Pride 2021, Proteste gegen Draglesungen 2022 und 2023, oder das kriminelle Netzwerk, das erst letztes Jahr schwule Männer organisiert und systematisch missbraucht, gedemütigt, ausgeraubt und terrorisiert hat.
Die FPÖ und Homophobie
Auch die FPÖ selbst fällt ständig mit homophoben Bemerkungen auf. Für den Parteichef Kickl sei Aufklärung zu Safer Sex für schwule Männer irrsinnig, die Adoption durch gleichgeschlechtlichen Paaren gefährlich und die rechtliche Gleichstellung von queeren Menschen ein Dammbruch zu einer „moralischen und intellektuellen Verwahrlosung“. Andere Parteimitglieder, wie der oberösterreichische Landesvize Manfred Haimbuchner, wettern regelmäßig gegen die Ehe für alle.
In Linz wollte der Verkehrsstadtrat der FPÖ als seine erste Amtshandlung die Ampelpärchen entfernen, denn Verkehrszeichen dürften nicht dazu missbraucht werden, Gesinnungsbotschaften zu übermitteln. Erst im letzten Wahlkampf 2024 hat ein oberösterreichischer Landesabgeordnete in einem Video die Regenbogenflagge in den Müll geworfen.
Diese langjährige Rhetorik hat Folgen. Laut mehreren Wertestudien lehnen Österreicher*innen homosexuelle Menschen stärker ab als Bevölkerung anderer westeuropäische Länder.
Zusätzlich zur homophoben Stimmungsmache blockiert die FPÖ gemeinsam mit der ÖVP die Gleichstellung von queeren Personen. Darunter auch das Levelling-up, das einen Schutz vor Diskriminierung aufgrund von Sexualität auch abseits der Arbeit garantieren würde.
Rechte Regierungen bauen unsere Rechte ab
In anderen Ländern sieht man deutlich, wie queere Menschen unter rechten Regierungen ihre Rechte verlieren. In Ungarn werden Regenbogenparaden und Informationen zur LGBTQIA+ Community weitgehend verboten. In den USA werden trans Personen angegriffen und Republikaner bereiten eine Aufhebung der bundesweiten Ehe für alle vor.
Gays For Trump
Aber auch in den USA gibt es mit Gays For Trump Zustimmung der rechtsextremen Regierung. Mehrere Berichte zeigen sogar eine erhöhte Aktivität auf der schwulen und bisexuellen Sexplattform Grindr bei den Parteitagen der Republikaner. Das unterstreicht den Widerspruch zwischen der öffentlichen Anti-LGBTQIA+-Haltung der Partei und dem privaten Verhalten der Mitglieder.
Dasselbe Verhalten sieht man auch bei schwulen Milliardären, wie PayPal Gründer Peter Thiel und Apples CEO Tim Cook, die beide Millionen an die Trump-Regierung spendeten.
In beiden Fällen ist wohl das Festhalten an Privilegien wichtiger als die Rechte von allen queeren Personen inklusive die von schwulen Männern.
Liebe schwule cis Männer
Rechte Parteien werden euch nicht schützen. Nicht vor Hass, nicht vor Gewalt und auch nicht vor dem schleichenden Abbau eurer Rechte. Vielleicht seid ihr weiß, cis und materiell abgesichert. Vielleicht glaubt ihr deshalb, nicht gemeint zu sein. Doch Geschichte und Gegenwart zeigen: Wenn Rechte an die Macht kommen, trifft es früher oder später immer auch euch.
Solidarität hört nicht dort auf, wo die eigenen Privilegien beginnen. Wer Parteien unterstützt, die queere Rechte angreifen, stärkt Strukturen, die am Ende auch die eigenen Freiheiten einschränken.
Vor allem online sieht man viel schwule cis Männer, die sich von der queeren Community distanzieren und ihre trans Geschwister unter den Bus werfen. Doch genau jetzt, wo Queerfeindlichkeit immer salontauglicher wird, ist es zentral, dass wir uns nicht spalten lassen. Gemeinsam sind wir stärker, für euch und für uns.
