Kategorien
Kultur

Schwules Vermächtnis

„Das Vermächtnis“ des US-Autors Matthew López gehört zu den wichtigsten schwulen Theaterstücken und hat weltweit zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Es wurde im Vorjahr auch im Wiener Theater in der Josefstadt aufgeführt und sorgte dort für Standing Ovations. Auf vielfachen Wunsch hat der S. Fischer Verlag den Text als Buch veröffentlicht. Das über 300 Seiten lange Werk enthält auch ein Vorwort des Queer-Theoretikers und Kulturwissenschaftlers Peter Rehberg sowie ein Nachwort des Dramaturgen und Dramatikers Ewald Palmetshofer, der an der Uni Wien studiert hat. In dem Theaterstück wird die Geschichte schwuler Männer verschiedener Generationen erzählt. Dabei geht es um die Frage, wie Schwulsein gelebt werden kann: Verfolgen schwule Männer egoistisch den eigenen Weg und benutzen sie andere rücksichtslos beim Sex? Oder arbeiten sie ihre Traumata auf, zeigen Mitgefühl und sind solidarisch mit trans* Geschwistern, Obdachlosen und People of Colour? Der Autor greift wichtige queere Themen auf wie Scham, Identitätssuche, Einsamkeit, Drogenmissbrauch, gefühllosen Sex und Gewalt. Einmal wird in dem Stück ein junger Mann von mehreren Schwulen als Sexobjekt missbraucht. In einer anderen Szene heiraten zwei Schwule, wobei von Liebe nichts zu spüren ist. Die beiden Männer wollen mit der Hochzeit der Einsamkeit entfliehen. Ein anderer Schwuler bezeichnet Liebe als schlimmes Gefühl, weil er es nicht betäuben kann. Auch Klassenunterschiede werden thematisiert. Henry Wilcox etwa repräsentiert den konservativen, wohlhabenden Teil der schwulen Community. Dann gibt es den Schönling Leo, der liebesbedürftig ist, wenig Geld hat und seinen Körper zur Ware macht. Der Text regt viel zum Nachdenken über die schwule Welt an.

Matthew López: Das Vermächtnis. Übersetzt von Hannes Becker. S. Fischer Verlag, 2024 Frankfurt. 

Von Christian Höller

Christian Höller ist Psychotherapeut und hat eine Praxis in Wien.