Kategorien
Kultur

Schwule Liebe im Iran

Der Wiener Verlag edition exil unterstützt Autor*innen, die aus einer anderen Kultur und Erstsprache kommen, beim Einstieg in den deutschsprachigen Literaturbetrieb. Jetzt ist in dem Verlag der schwule Liebesroman „Paradiesstraße“ erschienen. Geschrieben hat ihn Sina Kiyani, der 1966 in der iranischen Großstadt Shiraz geboren wurde. Er lebt seit 1993 in Wien und arbeitet als Architekt. Gleich am Anfang des Buches macht Kiyani auf ein schockierendes Ereignis aufmerksam. So wurden 2005 im Iran zwei junge Männer wegen homosexueller Handlungen öffentlich erhängt. Das blieb kein Einzelfall. Medienberichten zufolge sollen seit der Islamischen Revolution von 1979 zwischen 4000 und 6000 Homosexuelle ermordet worden sein. Der Debütroman von Kiyani spielt in seiner Geburtsstadt Shiraz kurz nach der Revolution. Der Protagonist ist ein junger Mann namens Ramin, der den gleichaltrigen Aschkan kennenlernt. Die Gefahr lauert überall. Die Leser*innen bangen mit den beiden Männern und hoffen, dass sie nicht entdeckt werden. Es war nicht leicht, „ein, zwei Stunden mit Aschkan allein zu sein, so viel Organisieren, Verheimlichen, Lügen und Zittern“, heißt es in dem Buch. Jeder Kuss, den sich die beiden Männer geben, bevor sie sich trennten, „hätte der letzte sein können“, schreibt der Autor. Einmal bekommt Ramin mit, wie Jugendliche einen Mann, den sie für homosexuell halten, verprügeln. Dabei beschimpfen sie Schwule als Parasiten, Plage und Läuse. Der Autor zeigt in dem Roman eindrucksvoll, wie massiv die Sittenpolizei in das Alltagsleben der Iraner*innen eingreift. Frauen werden beispielsweise verhaftet, weil ihre Blusen angeblich zu dünn sind. Bleibt zu hoffen, dass sich im Iran endlich etwas ändert.

Sina Kiyani: Paradiesstraße. edition exil, Wien 2023.

Von Christian Höller

Christian Höller ist Psychotherapeut und hat eine Praxis in Wien.