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Sex, Krista, Lesben, Beinstein, Fetisch, Kunst!

Ein Porträt

„Rituale der Begierde“, „Kabinett Vagina Dentata“, „Im Rausch der Triebe“, „Obszöne Frauen“, „Ein Leben für die Lust“, das sind alles Titel der Bildbände von und über Krista Beinstein. Das heißt eher, der Welt von Krista Beinstein. Eine Welt, die sie auf der einen Seite selbst erschafft, auf der anderen Seite nur wiedergibt. Es ist eine Welt, über die niemand sprechen möchte: lesbische Sexualität al dente, bissfest und spürbar. Es ist kaum möglich sich des Erlebens ihrer lauten Bildwerke zu entziehen. Deshalb sind sie so schockierend. Ein Blick, der einen einsaugt, in die verbotenen Abgründe der Lust von einstigen Außenseiter*innen. Die Fotografin ist wohl die lesbische Antwort auf Tom of Finland, nur krasser. Die Abbildungen, Performances und Filme sind real. Zumindest für einen Teil der queeren Community. Ich glaube, du giltst als Enfant terrible, wenn du es dir mit den Patriarchen, den Feministinnen, den Heteros und den Homos gleichzeitig verscheißt.

Ihre Ausstellungen der 1980er-Jahre fielen berüchtigterweise alle Vandalismus zum Opfer. Aber war das nicht möglicherweise genau ihr Punkt? Die Zerstörung umdrehen, die eine heteronormativ ausgerichtete Zwangsgesellschaft in einer lesbischen Fetischistin auslöst?

Macht scheint männlich, Macht scheint laut, Macht scheint ein Privileg zu sein, das nur wenige haben, und viele mehr niemals besitzen werden. Worauf also warten? Denn mächtig können auch die sein, die nichts mehr zu verlieren haben. Ohnmacht kann manchmal zu Macht werden. Dann nämlich, wenn sich die Ohnmächtigen auflehnen, sie die Antwortgeber in Frage stellen. Genau das hat die Wienerin gemacht, sich lautstark aufgelehnt.

Mit ihrem Fotobuch „Kabinett Vagina Dentata“ beißt sie im übertragenden Sinne die Männer, die ihr als feministische Frau eine Vulva mit Zähnen andichten, zurück. Sie sagt damit: „Willkommen in meinem Kabinett voller beißender Lesben. Wir lieben Fetisch, Sex, einander und sind stolz darauf, weil wir es können. Seht her, tretet ein, falls ihr euch traut! Aber hier bestimme ich die Regeln.“ Ein Dominanzspiel mit dem Diskurs über alles, was eine Frau sein darf, und was eben üblicherweise nicht. Sie ist dabei Domina, mit den Zügeln in ihrer Hand.

Mit ihren Werken, prägt Beinstein eine ganze Generation sexpositiver Aktivist*innen. Wir dürfen uns, trotz aller Kontroversen um ihre Person, glücklich schätzen, eine solche Künstlerin im deutschsprachigen Raum vertreten zu haben. Oder gerade wegen ihrer Kontroversen, denn diese stoßen Debatten an. Debatten darüber, wie eine Frau, einfacher gesagt ein Mensch, leben darf. Hedonismus ist nämlich eigentlich kein Schimpfwort.

Von Mo Blau

HOSI Wien Coming-Out-Team, transgender Referat (Foto: © Marie Dvorzak)