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Schwules Ghosting

Ein unerklärlicher Kontaktabbruch – auch „Ghosting“ genannt – kann stark belastend sein, wie dieser Roman zeigt. Das Buch handelt von Rafa und Hannes, die nach einer Fernbeziehung in eine gemeinsame Wohnung ziehen wollten. Für Rafa war Hannes die Liebe des Lebens. Doch plötzlich schrieb sein Freund eine SMS mit den Worten: „Es tut mir leid.“ Danach wurde Rafa blockiert. Voller Verzweiflung begab sich der Geghostete auf die Suche nach Hannes. Er wachte „jeden Tag mit der Hoffnung auf, eine Erklärung zu erhalten, vielleicht sogar eine Entschuldigung.“ Rafa spürte nach dem Kontaktabbruch eine große Leere: „Ich fragte mich, ob diese Leere einem schwarzen Loch glich, das wuchs und wuchs und alle Materie um sich herum verschlingt.“ Rafa wollte wissen, ob Hannes einen anderen hat, was ihn noch depressiver machte. Rafa sinnierte darüber, ob Schwule „nie richtig erwachsen werden. Entweder hatten sie noch mit sechzig ein Grindr-Profil und vögelten sich durch die Gegend oder sie legten sich einen Hund zu.“ Rafa und Hannes versprachen sich ursprünglich eine monogame Partnerschaft. Trotzdem hatte Rafa einmal Sex mit einem anderen. „Aber ich glaube nicht, dass mein Seitensprung der Grund für sein Verschwinden war“, grübelte Rafa. Nach dem Ghosting kamen alte Erinnerungen hoch. Rafa wurde in seiner Jugend als „Schwuchtel“ beschimpft und gemobbt. „Das Gefühl, falsch zu sein, verschwand einfach nicht, ganz gleich, wie aufgeklärt mein heutiges Umfeld war.“ Als sei schon in seiner Jugend etwas „zerbrochen, das sich nicht reparieren ließ – nur behandeln, nie heilen“, heißt es in dem Buch. Gleichzeitig zeigt der Roman, dass es sich lohnt, auch in aussichtslosen Situationen nicht die Hoffnung zu verlieren.

Armin Wühle: Mala Vision. Albino Verlag, Berlin 2026.

Von Christian Höller

Christian Höller ist Psychotherapeut und hat eine Praxis in Wien.