Hoch soll sie leben: die Regenbogenparade zum 30-jährigen Jubiläum!
Was für so manch einen Jugendliebenden eine Hiobsbotschaft sein könnte, ist für eine politische Demonstration ein Qualitätsmerkmal. Die Regenbogenparade wird mit diesem Jahr 30. Es war genau 1996, als Wien noch eine etwas andere Stadt war, als der allererste österreichische Ableger der aus den USA bekannten Christopher Street Day Paraden über den Ring zog.
Diese Ausgabe unserer HOSI Wien-Vereinszeitschrift widmed sich diesem besonderen Jubiläum, weshalb man einige Erfahrungsberichte, Hintergrundinformationen und aktuelle Betrachtungen rund um die Parade in diesem Heft finden kann.
Um ein wenig vorweg zu greifen… die Parade wurde von Beginn an so konzipiert, dass sie nicht nur eine klassisch politische Demonstration für Menschenrechte war und ist, sondern auch eine Möglichkeit bieten sollte, die eigene Identität als LGBTIQ-Person zu zelebrieren. Dieser radikale Akt ist zwar bereits in sich äußerst politisch, zog aber dadurch bewusst auch immer schon Schaulustige, Feierlaunige, Unterstützende und Vielfalt allgemein an.
Nachdem dreißig Jahre später nun viele der Forderungen erster Paraden erreicht wurden, kämpfen wir 2026 leider noch immer und wieder für Gleichberechtigung. Für Teile unserer Community ist es nach wie vor schwer oder unmöglich ihrem Umfeld zu erzählen, dass sie nicht heterosexuell, cis- oder endogeschlechtlich sind, für andere Teile geht es auch heute noch um grundlegende Menschenrechte, die ihnen verwehrt werden.
Einen spannenden Rückblick auf die Gründung der Demonstration, geben ab S.30 die ZeitzeugInnen Chris Svatos, Hannes Sulzenbacher und Veit Schmidt im Interview von unserer Redakteurin Amela. Interessanterweise war die Regenbogenparade nämlich, anders als zur selben Zeit bei ähnlichen Demos international, von Beginn an explizit ein Paradezug von und für die Rechte schwuler, lesbischer UND transgender Personen.
Nachdem die Geschichte von trans Personen oft unsichtbar gemacht wird, ist das in seiner Bedeutungsschwere nicht zu unterschätzen.
Weiter geht es im Interview mit Drag-Künstler Mario Soldo. Er war jener mit der Idee, unserer Parade einen klangvolleren und verständlicheren Namen als „CSD“ zu verleihen. Die „Regenbogenparade“ war geboren. Wie er als konservativer schwuler Mann und jugoslawisches Gastarbeiterkind gewissermaßen stellvertretend für den noch heute Massen anlockenden, aber durchaus auch kritisierten, „Partycharakter“ der Community steht, sich selbst nicht als politisch aktiv versteht und mit Teilen der Community nicht identifizieren kann, das erfahrt ihr ab S. 32. Es ist uns durchaus wichtig in der Lambda verschiedene Lebensrealitäten abzubilden, die möglicherweise zur inhaltlichen Auseinandersetzung anregen. Denn unsere Community ist vielfältig, das versuchen wir bis zu einem gewissen Grad abzubilden. Jedoch bemühen wir uns gleichzeitig, keine gegenseitige Abwertungen oder faktisch inkorrekte Aussagen stehen zu lassen und versehen deshalb manche Artikel mit Anmerkungen der Redaktion.
Wer stattdessen lieber eine Betrachtung der Parade von einer Person aus der Mitte unseren Vereins lesen möchte, oder sich fragt warum die Regenbogenparade heutzutage überhaupt noch wichtig ist, den macht sicher Michi Redlich ab S.12 glücklich.
Und wer sich „gar nicht mehr auskennt“, dem hilft vielleicht Flaggenkunde mit Tammy ab S.16 oder eine Paradenanleitung meiner Wenigkeit ab S.24.
Allen wünsche ich in jedem Fall eine spannende Lektüre und genauso viel Vorfreude auf unser Paradenjubiläum, wie ich sie selbst schon verspüre. HEUREKA!
