Mit dem Buch „Beyond Binary“ hat die Foto-Künstlerin Jeannette Petri einen tollen Bildband geschaffen. „Beyond Binary“ (jenseits des Binären) bezeichnet Geschlechtsidentitäten, die außerhalb der traditionellen Einteilung in ausschließlich „Mann“ oder „Frau“ liegen. Es ist ein Sammelbegriff für nicht-binäre Identitäten, die Geschlecht als Spektrum verstehen. Menschen, die sich als „beyond binary“ identifizieren, bewegen sich zwischen, über oder außerhalb der Kategorien männlich/weiblich. Das Buch ist ein starkes Manifest der Sichtbarkeit. Darin werden mehr als 60 trans* nicht-binäre Menschen im Alter von 15 bis 72 Jahren porträtiert. Ihre Lebensrealitäten sind ganz unterschiedlich. Unter den Porträtierten befinden sich Menschen mit Behinderungen, mit Neurodiversität, People of Color, Aktivist*innen, Paare, polyamore Menschen und Eltern mit Kindern. Die Künstlerin verzichtet bei den Fotos auf voyeuristische Klischees. Sie setzt auf Empowerment. Die Menschen zeigen sich so, wie sie gesehen werden wollen. Sie blicken meist direkt in die Kamera. Sie tun das voller Selbstbewusstsein und Stärke. Die Fotos werden mit handschriftlichen Briefen der gezeigten Personen kombiniert. Damit erfahren wir mehr über die individuellen Lebensgeschichten. Die berührenden Begleittexte und Zitate verleihen den Bildern eine tiefere Ebene. Sie erzählen von Kämpfen, von der Befreiung aus gesellschaftlichen Erwartungen und von der Freude, endlich bei sich selbst angekommen zu sein. Das Buch verfolgt einen intersektionellen Ansatz. In den Briefen schreiben die Menschen nicht nur über Geschlechtsidentitäten, sondern auch über Traumata, Rassismus, polyamoren Beziehungen, Neurodiversität und Ableismus. Das Buch ist großartig.
Jeannette Petri (Hrsg): Beyond Binary. Verlag Kettler, 2026.
