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Kultur

Queere Literatur

In den USA werden immer öfter queere Bücher aus Schulbüchereien und Bibliotheken verbannt. Dort und in vielen anderen Ländern ist schon die Existenz von queerer Literatur politisch und muss gegen Angriffe von rechts verteidigt werden. Daher ist es ein wichtiges Zeichen, dass nun im österreichischen Leykam Verlag ein Sachbuch über queere Literatur erschienen ist. Die Autor*innen machen deutlich, dass es queere Literatur schon immer gegeben hat – wie die Liebeslyrik der antiken Dichterin Sappho zeigt. Doch wegen Verfolgung, Stigmatisierung und Zensur musste queere Literatur oft mit Mehrdeutigkeiten, Codes und Referenzen arbeiten. So wurden beispielsweise gleichgeschlechtliche Beziehungen als enge Freundschaften beschrieben. Auch heute ist der Literaturbetrieb meist von traditionellen heteronormativen Strukturen geprägt.

Nicht viel besser sieht die Situation in den Schulen aus. „Es ist längst überfällig, queerer Literatur auch im Schulkontext einen Raum zu geben“, schreibt Bianca-Maria Braunshofer. Sie gibt im Kapitel „Queerness in der Kinder- und Jugendliteratur“ einen ausführlichen Überblick über Bücher, die als queere Literatur gelten und sich hervorragend für den Unterricht eignen. Die kuratierten Empfehlungslisten für verschiedene Altersgruppen bieten einen hohen praktischen Mehrwert. Einer der Gründe, warum sich Pädagog*innen bislang nicht an das Thema queere Schullektüre heranwagen, ist laut Braunshofer Unsicherheit. „Häufig entsteht dies dadurch, dass sie sich nicht ausreichend auskennen und über keine Vorkenntnisse verfügen.“ Doch das könnte leicht geändert werden. Im Anhang des Sachbuches befinden sich wertvolle Internet-Linktipps für Lehrer*innen. 

Marlon Brand, Bianca-Maria Braunshofer, Tobi Schiller, Jasmina El-Bouamraoui: Und jetzt queer! Lesen jenseits der Norm. Leykam Verlag, 2026. 

Von Christian Höller

Christian Höller ist Psychotherapeut und hat eine Praxis in Wien.