Einsamkeit kann ein sehr schmerzhafter und „nagender“ Zustand sein, der an der Psyche und am Körper zehren kann. Einsamkeit ist ein chronischer Hunger nach Verbindung, der tief im Inneren bohren kann. In dem neuen Buch über queere Einsamkeit beschreibt eine Person das Gefühl mit folgenden Worten: „Zäh. Und lähmend. Und dunkel. Und auch mächtig. Man kommt da so schwer raus. Es ergreift Besitz von einem.“ Eine andere Person sagt: „Ich habe mal ein Gemälde gesehen von einem Menschen, der allein auf einem Felsen steht, um ihn herum nur Dunkelheit. So fühlt Einsamkeit sich für mich an.“ Queere Menschen leiden statistisch gesehen häufiger unter Einsamkeit als der Durchschnitt.
Die Gründe dafür sind Minderheitenstress, Erfahrungen der Diskriminierung oder fehlende queere Strukturen. In dem Buch nutzt der schwule Journalist Lennart Herberhold seine eigene Biografie als Startpunkt. Er schreibt von einer Einsamkeit, die nicht durch einen Mangel an Kontakten entsteht, sondern durch die Flüchtigkeit moderner queerer Begegnungen (Stichwort: Dating-App-Burnout). Der Autor ist Anfang fünfzig, single und immer noch, beziehungsweise wieder, auf der Suche nach Liebe. Auf der Suche nach Antworten zum Thema Einsamkeit hat er verschiedene Orte besucht und mit queeren Menschen gesprochen. Die Stärke des Buches ist, dass viele unterschiedliche Stimmen zu Wort kommen wie Aktivist*innen in der Provinz und ältere Pionier*innen der queeren Bewegung. Dem Autor ist es ein Anliegen, Wege aus der Einsamkeit aufzuzeigen. Er stellt queere Wohnprojekte und Wohngemeinschaften vor. Eine andere Gemeinschaftsform sind queere Wahlfamilien, die auf freiwilligen, tiefen Bindungen beruhen. Der Autor reflektiert auch kritisch, wie Dating-Apps die Jagd nach Sex erleichtern, aber die Suche nach einer tiefen Verbundenheit erschweren.
Lennart Herberhold: Queere Einsamkeit – queere Gemeinschaft. Querverlag, 2026.
