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Editorial

Vienna Pride 2024!

Das Pride Village ist zurĂŒck! Die liebgewonnene Zeltstadt mit InfostĂ€nden, Gastronomie und Unterhaltung wird dank des unermĂŒdlichen Einsatzes von Aktivist*innen der HOSI Wien wieder ermöglicht. In Kombination mit dem vielfĂ€ltigen Programm der Vienna Pride im Vorfeld und der wieder zu prĂ€-pandemischem Glanz gewachsenen Regenbogenparade, könnte man nun sagen: Good ol’ times are back!

Auf den ersten Blick stimmt das. Aber die Vorzeichen der heurigen Pride sind andere als noch 2019 beim letzten Pride Village zur EuroPride. In der Zwischenzeit ist der Anteil von queeren Menschen die homophobe Gewalt erfahren haben um fast die HĂ€lfte gestiegen (auf 54%). Von Jahr zu Jahr werden mehr Regenbogenfahnen und andere Symbole unserer Bewegung vandalisiert. Ebenso hĂ€ufen sich bei uns in der HOSI Berichte ĂŒber Gewalt und Diskriminierung. Der gesellschaftliche Ton ist wieder rauer geworden, da können auch queere Netflix-Serien nur ein Trostpflaster sein.

Ein unĂŒbersehbares, buntes und vielbesuchtes Pride-Festival bringt der LGBTIQ-Bewegung die wichtigste politische WĂ€hrung: Aufmerksamkeit. Der Pride Monat erlaubt es uns Themen und Forderungen zu platzieren. Das ist heuer so wichtig wie selten, denn es stehen die Wahlen zum Nationalrat und zum EuropĂ€ischen Parlament an.

Die Europawahl am 9. Juni wird darĂŒber entscheiden welchen Weg das EuropĂ€ische Parlament und damit die EuropĂ€ische Union geht. Die Sanktionen gegen die LGBT-freien Zonen in vielen Gegenden Polens haben gezeigt, dass es nicht egal ist welche Richtung die Union einschlĂ€gt.

Die Nationalratswahl im Herbst wird darĂŒber entscheiden ob unsere Anliegen im Nationalrat in den nĂ€chsten Jahren Gehör finden werden. Wichtige Forderungen wie das Konversionsverbot, Diskriminierungsschutz, freie Personenstandswahl oder inklusive Schulen werden mit einer Regierungsbeteiligung der FPÖ nicht möglich sein und auch mit einer starken ÖVP sehr schwer.

FĂŒr beide Wahlen gilt: Die FPÖ ist brandgefĂ€hrlich fĂŒr die LGBTIQ-Community in Österreich und Europa. FunktionĂ€r*innen dieser Partei hetzen bei jeder Gelegenheit gegen uns. Einer der Höhepunkte war die Farce um Dragqueen-Kinderbuchlesungen 2023 in der die FPÖ und eine trittbrettfahrende ÖVP einen eigenen Sonderlandtag einberufen haben, um vor allem gegen transgeschlechtliche Menschen zu hetzen. Erst Anfang Mai hat der Manfred Haimbuchner, seines Zeichens stellvertretender Landeshauptmann und stellvertretender Bundesparteiobmann der FPÖ, in einem oberösterreichischen Bierzelt gemeint die LGBTIQ-Gemeinschaft wĂŒrde „nichts leisten“. Solches Gedankengut darf sich nicht in unseren Parlamenten verbreiten. Zwei Dinge wĂŒrden helfen: Wir mĂŒssen einerseits wieder mehr zusammenrĂŒcken und mit klarem Blick gegen jene vorgehen die uns bedrohen. Wenn wir uns spalten lassen, können wir keine Kraft entfalten. Andererseits ist eine hohe LGBTIQ-Wahlbeteiligung genauso entscheidend wie, dass LGBTIQ-Themen auch als wahlentscheidend empfunden werden. Lasst euch also von der Regenbogenparade inspirieren, denn direkt am nĂ€chsten Tag findet die Europawahl statt. Zeigen wir den rechten Parteien, dass wir sehr wohl etwas leisten können: Ihnen eine krachende Wahlniederlage beibringen zum Beispiel. In diesem Sinne wĂŒnsche ich eine wunderschöne, inspirierende und vor allem politische Vienna Pride 2024.

Von Peter Funk

Arbeitsgruppe Internationales
HOSI Wien
(Foto: © Marie Dvorzak)