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Das tanzende Liebespaar

Ende Juni wurde auf dem Gustav-Meyer-Platz in Brunsbüttel, direkt am Nord-Ostsee-Kanal, im Auftrag der Stadt eine Skulptur eingeweiht, die eine Erinnerung an das Liebespaar Marta Halusa und Margot Liu ist. Das Kunstwerk des Bildhauers Frank Speth aus Quickborn, das er zusammen mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Brunsbüttel erarbeitete, zeigt zwei Tanzende in inniger Umarmung.

Die dargestellten Frauen waren von den Nationalsozialisten verfolgt und zeitweise inhaftiert worden. Nach dem Krieg wanderte das Paar nach London aus und lebte dort bis in die 1990er Jahre zusammen.

Marta Halusa wurde 1910 in Brunsbüttel in eine Arbeiterfamilie geboren, Margot Holzmann, später Liu, kam aus einer jüdischen Familie in Polen und war zwei Jahre jünger als ihre spätere Geliebte. In den 1930ern hatten sich die Tänzerinnen kennengelernt, lebten zusammen in Berlin und kamen aufgrund ihrer Herkunft und ihrer Widerstandsaktivitäten ins Visier der Nazis, denen sie sich trotz zeitweiliger Inhaftierung letztlich entziehen konnten.

Nach dem Krieg lebten sie über vierzig Jahre lang zusammen. Margot Liu starb 1993 im Alter von 80 Jahren, Marta Halusa 1999 mit 89 Jahren. Auf dem Edgwarebury-Friedhof in London befindet sich ihr gemeinsames Grab.

Über ihre Lebensläufe weiß man, dass Marta Halusa sich bereits als 14-Jährige als Haushaltsgehilfin über Wasser hält, in den 1930ern zu ihren Schwestern nach Hamburg zieht und dort mit professionellem Tanz beginnt. Bei einem ihrer Auftritte lernt sie die Tänzerin Margot Holzmann kennen.

Margot Johanna Holzmanns Familie zieht von Schlesien nach Halle an der Saale um, als Margot noch ein Kind ist. Als die Mutter stirbt, kommt Margot als 13-Jährige zusammen mit ihren jüngeren Schwestern in ein Mädchenwohnheim nahe Frankfurt/Main. Als der Vater noch einmal heiratet, dürfen die Kinder nach Halle zurückkommen. Mit 16 Jahren schließt Margot die Mittelschule ab und besucht zwei Jahre lang eine Ballettschule. Sie nimmt an Tanztourneen in Deutschland und Europa teil.

Nach gemeinsamen Engagements gehen Margot und Marta zusammen nach Berlin, von wo aus sie mit Erstarken des Nationalsozialismus zunehmend im Ausland auftreten. Margot will auswandern, was ihr nicht gelingt. Durch die Heirat mit einem chinesischen Staatsbürger erhofft sie sich Sicherheit vor der Deportation. Doch der Ehemann fühlt sich betrogen und denunziert seine jüdische Ehefrau 1942 bei der Berliner Kriminalpolizei.

Sie wird der Prostitution und der „Unzucht mit einer Arierin“ bezichtigt, die Ehe wird jedoch erst nach dem Krieg geschieden. Nach weiteren Denunzierungen und Inhaftierungen flüchtet das Paar schließlich in den Untergrund. Margot arbeitet seit 1943 in einem zahntechnischen Labor, wo sie mit den Inhabern zusammen Widerstandsflugblätter druckt, die Marta in Berlin verteilt. Anfang 1945 werden Margot und Marta wegen „staatsfeindlicher Propaganda“ festgenommen. Nach Verlegung in ein anderes Gefängnis gelingt den beiden die Flucht.

Nach Kriegsende werden Margot Liu und Marta Halusa als Opfer des Faschismus anerkannt, wandern 1949 nach England aus und leben zusammen in einem Häuschen mit Garten. Um später in einem gemeinsamen Grab beerdigt werden zu können, konvertiert die evangelisch geborene Marta Halusa Ende der 1980er Jahre zum jüdischen Glauben. 2014 wird bei einer Gedenkveranstaltung am Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen an Margot Liu und Marta Halusa erinnert.

Von Anette Stührmann

Freie Journalistin und Autorin