Die Angriffe auf unsere Community sind mittlerweile bekannt. Bereits in meinem Leitartikel für diese Ausgebe, weise ich darauf hin, dass Gewalt gegen uns auf individueller, struktureller und gruppenspezifischer Ebene stattfinden können. Meist vermischen sich die Formen dabei. Das ist klar: Wenn eine Person von uns angegriffen wird, WEIL diese Person queer ist, dann ist damit die ganze Gruppe gemeint. Wenn Fremde uns auf der Straße oder online angreifen, kann es oft sein, dass sie gar nicht wirklich etwas gegen uns als Einzelperson haben, sondern eigentlich unsere Gruppenzugehörigkeit ablehnen.
In ihrer Wahrnehmung sind sie laut eigener Einschätzung oft nicht die Aggressoren, sie sehen sich als Verteidigende einer Gesellschaftsordnung, die in der Realität bereits nicht mehr besteht, oder erst nie bestanden hat. Nicht umsonst wünschen sich Trad-Wife- und Manosphere-Influencer in den Sozialen Medien immer nur den Teil der Vergangenheit zurück, der in ihr Narrativ passt. Trad(itional)-Wives, also vermeintlich traditionsbewusste Frauen, predigen zwar online eine heteronormative Ordnung, bei der sie als Hausfrau und Mutter die Care-Arbeit übernehmen, aber dafür andere Entscheidungen und die finanzielle Absicherung allein dem Mann zukommen. Gleichzeitig verdienen sie als Markenbotschafterinnen ihr eigenes Gehalt, planen ihren Tag rund um den bezahlten Beruf, den sie als Influencerin haben, und stellen dafür teils sogar Haushälterinnen und Kindermädchen an.
Was sagt uns das jetzt über die zahlreichen Anti-LGBT-Initiativen, welche behaupten, sich ein traditionelles Familienbild zurückzuwünschen, und dafür zu Mitteln wie das hier abgebildete Banner-Werfen bei der heurigen Prag Pride greifen? Ähnliches ist übrigens auch schon bei der Vienna Pride, besonders perfide, während der Schweigeminute des jährlichen Gedenkens der Gewaltopfer unserer Community, passiert.
Es sagt uns, dass wir uns eigentlich daran erinnern sollten, und vor allem auch unsere Gegner*innen, dass wir schon immer da waren. Was ihre Forderung der Rückkehr zu einer „traditionellen Kernfamilie“ noch absurder macht. Es wirkt fast so, als ob manche glauben würden, wir wären in den letzten Jahrzenten erfunden worden, und sie wünschen sich einfach nur ihre alte Realität zurück. Wichtig ist aber anzumerken, die gab es nie wirklich.
Auch schon gelesen habe ich die absurde Vorstellung, angefeuert von Trumps Reden zu dem Thema, „trans Personen gibt es erst seit 2015“. Uns dann im nächsten Atemzug beim Thema trans eine Art Realitätsverweigerung zu unterstellen, hat schon eine ganz eigene Komik.
Ich muss sagen, für mich auch dieses Bild hier oben.
Es wurde uns mit freundlicher Genehmigung von meinem Kollegen Gerhard Lidl zur Verfügung gestellt, der es ursprünglich nur in einen gemeinsamen Gruppenchat stellte. Ich finde dieses Bild aber wirklich großartig. Es illustriert „Liebe ist stärker als Hass“ ohne dafür eine zusätzliche Erklärung zu brauchen.
Ich will die Gewalt gegen uns nicht kleinreden. Auch solche Banner sind eine gewisse Form von psychischer Gewalt. Als das „No Pride Month“-Banner bei unserer Schweigeminute 2021 vom Rathaus aus abgerollt wurde, habe ich vor lauter Wut erstmal geweint. Mich hat die Respektlosigkeit gegenüber Todesopfern aus unserer Community, nachdem ich den Moment des Gedenkens sogar mitorganisiert habe und teils ihre Geschichten kennenlernen durfte, einfach so tief getroffen, da konnte ich dann nicht anders.
Trotzdem hat es mir auch gezeigt, dass die Täter gefasst wurden, es für sie berufliche und teils auch strafrechtliche Konsequenzen gab, und wie bemitleidenswert diese Wichte eigentlich sind. Ich hingegen wurde dort von einer liebenden Community in den Arm genommen und getröstet; einer Community, der das Geben dieser Unterstützung und Liebe viel wichtiger war als diese Aktion groß zu beachten.
Wir sehen immer wieder, die anderen sind so durch unsere Liebe zu uns selbst und zueinander herausgefordert, dass sie lieber ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen, als andere glücklich ihr Leben genießen zu lassen. Und wir sind immer in der überwältigenden Überzahl. Mehr Liebe, mehr Leute, deshalb wird Liebe immer stärker als Hass sein.
Also Kopf hoch, meine Mäuse!
