Kategorien
Schwerpunkt

1×1

Begriffe und Flaggen rund um die Pride

Der Pride Month ist wieder da, und dieses Jahr gibt es etwas Besonderes zu feiern: drei Jahrzehnte Regenbogenparade! In den letzten 30 Jahren ist man sicherlich auf einige queere Wörter und Flaggen gestoßen – manche davon haben sich aber im Wandel der Zeit in ihrer Bedeutung oder ihrem Design etwas verändert. Wir haben uns vier Begriffe und elf Flaggen für euch herausgesucht, die wir euch etwas näherbringen wollen.

„Happy Pride!“ – das hört man im Juni häufiger. Aber was bedeutet „pride“ im LGBTQ+-Kontext überhaupt und was ist der Unterschied zwischen Pride Parade, CSD und Pride Village? Das Cambridge Dictionary gibt uns folgende Erklärung: „pride“ bedeutet: „ein Gefühl von Freude und Zufriedenheit zu bekommen, weil man selbst oder andere Personen, die mit dir in Verbindung stehen, etwas Gutes getan oder erhalten haben“. Das passt doch ganz schön zum Pride Month! Das Gleiche hat sich vermutlich auch Brenda Howard gedacht, als sie, eine bisexuelle New Yorker Aktivistin, den ersten LGBTQ+-Umzug 1970 organisierte und ihn „Pride Parade“ nannte.

Die Pride Parade wird in Deutschland (und in Teilen von Österreich und der Schweiz) CSD genannt. CSD ist ein Akronym für „Christopher Street Day“ und wird für den Demonstrations- und Festtag im Pride Month verwendet. Dieser Tag heißt deswegen so, da es 1969 in der Christopher Street (Greenwich Village, NY) den ersten bekannten queeren Aufstand gegen Polizeiwillkür gegeben hat.

In Österreich findet man viele Events während des Pride Month und man kann tatsächlich einigen Pride Parades beiwohnen. Eine Besonderheit in Wien stellt aber das Pride Village dar. Seit 2010 (mit Corona-Unterbrechungen) kann man für ein paar Tage am Rathausplatz von Zelt zu Zelt und Stand zu Stand gehen, um LGBTQ+-Organisationen und Communities kennenzulernen. Es ist ein Ort, der Gemeinschaft, Information und Performances anbietet.

Kommen wir zu einem weiteren Begriff, nämlich „woke“. Der Ursprung dieses Wortes kommt wieder aus dem englischen Sprachgebrauch, genau genommen aus der afroamerikanischen Szene der 30er Jahre, um ein Bewusstsein für unterdrückte und diskriminierte Gruppen zu schaffen. Zuallererst galt „woke“ also dem antirassistischen Aktivismus, entwickelte sich aber dann zu einer Mainstream-Idee, die mit progressiver Politik und einem allgemeinen Bewusstsein für Ungleichheiten einherging. In letzter Zeit jedoch hat sich leider das Konzept abermals weiterentwickelt. Konservative und rechte Lager riefen nämlich eine „Anti-Wokeness“ ins Leben. Der Fortschritt gegen Rassismus, Sexismus und Queerphobie wird nun aktiv angegriffen und als moralisch gefährlich und verrückt abgestempelt („woker Wahnsinn“). In den USA, zum Beispiel, wird das „Woke-Sein“ sogar als Antiamerikanismus angesehen (Danke, Trump!).

Ein ähnliches Schicksal hat der Begriff „queer“ erlitten. War am Anfang der Begriff eher negativ besetzt (queer = seltsam, verdreht) und hat sich dann ins Positive entwickelt (wurde zu einem inklusiven Begriff für LGBTQ+-Menschen umgemünzt), gibt es jetzt wieder eine Tendenz das Wort negativ zu verstehen – auch innerhalb unserer Community („Ich bin Schwul, aber nicht queer!“ – siehe letzte Ausgabe der Lambda für mehr Details). Grundsätzlich kann man sagen, dass es darauf ankommt, wer es sagt, wie es und in welchem Kontext es gesagt wird.

Unser letzter Begriff ist „diversity“ bzw. „DEI“. Auf der Seite der Universität Wiens findet man eine gute Beschreibung: „Diversität beschreibt die Vielfalt von Menschen und Gruppen – ihre Unterschiede ebenso wie ihre Gemeinsamkeiten“. (Verteilungs-)Gerechtigkeit (= Equity) braucht man, um sicherzustellen, dass alle Individuen gleiche Möglichkeiten erhalten und gleiche Sichtbarkeit erfahren, während Inklusion sich auf das Will­kommen Heißen, Unterstützen und Zugehörig­keits­gefühl Kreieren konzentriert. DEI ist also ein wichtiges und sehr schönes Konzept für unsere Community! Aber ist es auch wirkungsvoll? DEI betrifft ja nicht nur unsere LGBTQ+-Community, sondern auch zum Beispiel beeinträchtigte Personen, POCs, Frauen, ältere Menschen usw. In Österreich wird das DEI-Konzept in Unternehmen, öffentlichen Institutionen und Bildungseinrichtungen etabliert (Gott sei Dank!). Um einige Beispiele zu nennen: Implementierung von Prozessen, die faire Chancen im Bewerbungsprozess sicherstellen; inklusive Sprache (z. B. Nutzung von Pronomen, Workshops und Leitfäden zur Nutzung diskriminierungsfreier Sprache etc.); interkulturelles Training; Entwicklung und Benutzung inklusiver PR; Darstellung der Diversität im Unternehmen und vieles mehr! Zwar gibt es noch viel zu tun, um DEI noch in viele andere Bereiche zu integrieren, aber wir sehen: Ganz am Anfang sind wir zum Glück auch nicht mehr! Go Austria, go!

Von Tammy McMinn

Ich (she/they) bin Lehrperson an einem Gymnasium, Künstler*in (Insta: mctammy_artist) und Musicaldarsteller*in.
(Foto: Michalea Linke)