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Aus lesbischer Sicht Schwerpunkt

30+ Jahre Lesbenbewegung

30 Jahre Regenbogenparade, das sind 30 Jahre, in denen unglaublich viele Menschen dabei mitgeholfen haben, diese zu verwirklichen. Insbesondere waren viele lesbische* Personen maßgeblich daran beteiligt. Gerade diesen Beitrag möchten wir als LesBiFem-Gruppe sichtbar machen. Queeren Frauen* kam (und kommt) weniger Sichtbarkeit zu, doch verdanken wir nicht zuletzt ihrem Einsatz jene Rechte, die wir heute haben. FLINT-Personen werden oft übersehen oder gar aus Schilderungen gestrichen. Deshalb liegt in diesem Artikel der Fokus auf der Lesben*bewegung als unverzichtbarer Bestandteil der Community.

Die LGBTIQ-Bewegung steht für Vielfalt, auch für lesbische* Vielfalt. Jede einzelne Person bringt eigene Erfahrungen mit und deswegen darf niemand und vor allem keine ganze Personengruppe gestrichen oder gar „übersehen“ werden.

Frauen* wurden schon immer in der Gesellschaft weniger gesehen, gehört und wahrgenommen; sie werden es auch heute noch. Die Ursache liegt in patriarchalen Strukturen, die alle Teile unserer Gesellschaft durchziehen, so auch die queere Community und ihre Geschichte. Aus diesem Grund müssen wir uns gerade auch in der Community damit auseinandersetzen.

Lesbische Frauen* werden häufiger sexualisiert und dadurch auch weniger ernst genommen. Dabei wird mit der Zuschreibung „sexy“ häufig zugleich ausgeschlossen, dass dieselbe Person auch intelligent sein kann. Abgesehen von dem Umstand, dass gutes Aussehen und hohes Denkvermögen sich selbstverständlich nicht gegenseitig ausschließen, verbirgt sich dahinter der Grundgedanke, dass Frauen* entweder „nicht klug genug“ oder „nicht attraktiv genug“ sind, um respektiert zu werden und politische Teilhabe zu erhalten. Mit dieser Logik werden systematisch (lesbische*) Frauen* aus Diskursen fernge­hal­ten und ihre Leistungen unsichtbar gemacht.

Hier wollen wir – mit Präsenz und Lautstärke – dagegenhalten. Wir gedenken unserer Vorkämpfer*innen und führen ihre Kämpfe fort. Ihre Arbeit soll nicht vergessen werden, ihre Errungenschaften fortgesetzt werden.

Patriarchale Denkweisen lernt man von klein auf, ob unmittelbar im Elternhaus oder im weiteren Umfeld. Wir alle werden in patriarchalen Strukturen sozialisiert. Das macht es schwierig, solche Denkweisen zu erkennen, sie zu verlernen und zu verändern. Doch genau das ist wichtig.

Ein Teil dieses Umdenkens muss sein, Sichtbarkeit für Leistungen und Lebensrealitäten von queeren Frauen* zu schaffen: Sie dürfen nicht länger einfach weggelassen werden. Wer es nicht wichtig findet, allen Personengruppen Raum zu gewähren, wiederholt und bestärkt patriarchale Denkweisen. Denn nur durch Wahrnehmung und Teilhabe kann sich auch etwas verändern. Um die Erfahrungen, Diskriminierungen, Kämpfe und Gefühle von Menschen außerhalb unserer eigenen Lebensrealität in Erfahrung zu bringen, ist zunächst wichtig, hinzusehen und zuzuhören. Nur so können wir uns unserer eigenen Privilegien (noch) bewusst(er) werden und zu Veränderungen in der Gesellschaft auch für andere beitragen.

In der Geschichte der Lesben*bewegung gab es viele bedeutende Namen. An dieser Stelle seien zwei genannt, die in enger Verbindung mit der Geschichte der HOSI Wien stehen und viel bewirkt haben.

Helga Pankratz war Mitgründerin der Lesbengruppe und der Jugendgruppe der HOSI Wien. Sie hat als Autorin für die Lambda Nachrichten geschrieben und auch diese Kolumne „Aus lesbischer Sicht“ mehr als 20 Jahre lang geführt. Weiters war sie auch Obfrau. Im Jahr 2022 wurde in Wien-Margareten ein Platz nach ihr benannt, auf dem wir mit unserem jährlichen Straßenfest für lesbische* Sichtbarkeit sorgen wollen.

Waltraud Riegler war die erste Obfrau der HOSI Wien. Diese Position hatte sie 10 Jahre lang inne. Sie übernahm auch die Leitungsposition von Helga Pankratz für die Lesbengruppe, in der sie unter anderem viel politische Arbeit gemacht hat.

Lesbische* Frauen* waren immer da, aber gesehen wurden sie nicht. Als aktuelle Generation queerer Personen tragen wir zwar nicht Schuld an der Unsichtbarmachung, aber wir haben die Verantwortung, diese nicht zu wiederholen. Wir müssen hinsehen, zuhören und niemanden „übersehen“. Echte Gleichberechtigung entsteht nur, wenn man niemanden vergisst oder gar ausschließt. Nur gemeinsam kann man Menschenrechte für alle erkämpfen. Der Blick in die Vergangenheit hilft dabei, unsere Zukunft zu gestalten. Wir sollten uns stets ins Bewusstsein rufen, wer gekämpft hat und was alles erkämpft wurde, um Errungenschaften zu verteidigen und weitere zu erkämpfen.

Chelsea

LesBiFem Team
HOSI Wien

Von HOSI Wien

Artikel von HOSI Wien Arbeitsgruppen und Projekten.