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Die Gründungsgeschichte der Ringstraße

Die Ringstraße ist eine der bekanntesten Straßen Wiens und zählt zu den Hauptverkehrsadern. Sie beherbergt nicht nur Geschäfte, sondern auch Wohnungen der Oberschicht.

Die Bauzeit der 5,3 Kilometer langen Ringstraße betrug mehr als 50 Jahre. Die Straße säumen Bauwerke, die ein Abbild des kaiserlichen Prestiges von Kaiser Franz Joseph I. darstellen: prestigeträchtige Gebäude wie das Kunst- und Naturhistorische Museum, die Staatsoper und das Burgtheater. Aber auch andere wichtige Gebäude, wie das Parlament, das Rathaus und das Hauptgebäude der Universität fanden an der Ringstraße ihren Platz.

Anfänge

Abb. 1: Stadtplan Wien, 1805 (Foto: J. Cappi, von commons.wikimedia.org)

Die Form und der Name der Ringstraße sind alte Überbleibsel aus der Anfangszeit von Wien, denn es stand an dieser Stelle bis ca. 1857 die Stadtmauer, die zur Verteidigung der Stadt und zum Schutz diente.

Diese Mauer beherbergte im Inneren die wohlhabende, adelige Bevölkerung, während die anderen Bewohner*innen in der Vorstadt vor der Mauer lebten, die später die anderen Bezirke werden sollten.

Weil man keinen Nutzen für den Mauerring mehr finden konnte, entschloss sich Kaiser Franz Joseph I., die Mauer und alte Basteien einzureißen. Der Stadtgraben wurde aufgeschüttet und es ergab sich eine Freifläche, die man auf dem abgebildeten Stadtplan von 1858 sehen kann – das Glacis.

Um dieser freien Fläche einen Nutzen zu geben, rief Kaiser Franz Joseph I. einen Architekturwettbewerb aus. Die besten Ideen wurden verwendet, um einen Grundplan zu entwerfen. 1865 wurde dann die Straße eröffnet, obwohl zu dieser Zeit lediglich ein kleiner Teil wahrlich fertig war.

Stil

Abb. 2: Österreichisches Parlament (Foto: Edda Eggs)

Die Ringstraße ist im Stil des Historismus entworfen, der vergangene Stilrichtungen, wie den Barock, die Romantik und die Renaissance aufgreift und diese neu interpretiert. Diese Strömung erfuhr die größte Verbreitung in den 1850er-Jahren und endete mit der Jahrhundertwende. Theophil von Hansen, Heinrich von Ferstel, Gottfried Semper und Carl von Hasenauer waren Architekten, die dieses Herkulesprojekt erschaffen und betreut haben.

Einige Gebäude entlang der Ringstraße wurden anhand verschiedener Stiltypen des Historismus gebaut.

Anhand der Abbildung 2 kann man den Historismus anhand des Parlamentes sehen: An den vielen Säulen und der Bauweise des Daches lässt sich dieses Gebäude als eine Nacheiferung oder Inspiration an der griechischen Antike sehen.

Die Universität Wien sollte aber anders als das Parlament Lehrsamkeit und Wissen vermitteln, demnach baute man sie im Stil der Renaissance neu. Die Renaissance war die Verkörperung der Blütezeit der Wissenschaft in Europa.

Abb. 3: Volksgarten (Foto: Edda Eggs)

Der Ring zählt auch als „grünes Band“, das das Zentrum Wiens umfasst. Während des Baus hat man darauf geachtet, Platz für Alleen und Grünflächen, wie Parks, freizuhalten. Die Parkanlagen, wie zum Beispiel der Volksgarten, waren Orte, an denen Menschen ihre Zeit zur Erholung nutzen konnten. Bereits in früheren Zeiten fand man es wichtig, auch in der Freizeit etwas dazuzulernen. Aus diesem Grund findet man auch zur heutigen Zeit Bezeichnungsschilder an den Bäumen.

Nutzung

Die Ringstraße findet heutzutage eine breite Varietät an Benutzung. Sie ist eine Hauptverkehrsader Wiens, aber auch eine beliebte Einkaufsstraße und Flaniermeile: Ein Ort, an dem Leute zusammenkommen und sich in einem der vielzähligen Geschäfte treffen. Veranstaltungen wie der Vienna City Marathon werden gern an dieser Straße abgehalten. Ebenso die Regenbogenparade, die um die ganze Ringstraße zieht.

Regenbogenparade

Die Regenbogenparade ist dicht mit der Ringstraße verwoben, denn bereits seit dem 29. Juni 1996, also seit 30 Jahren, marschiert jährlich (bis auf den Corona-Aussetzer 2020) eine Vielzahl an Menschen im Zuge der Demonstration diese entlang. Die Parade hat ihre Herkunft von den Stonewall-Riots, die 1969 in New York stattgefunden haben. Zentrum dieses Ereignisses war die queere Bar „Stonewall Inn“, die Ziel einer gewalttätigen Razzia der Polizei wurde.

Die Regenbogenparade fand seitdem als Wiederbelebung der Erinnerung an diese Tragödie und als Demonstration für die Sichtbarkeit queerer Personen statt. Der erste Festzug ging über den Ring von der Staatsoper zum Schottentor. Es war eine unübersehbare und wichtige Zurschaustellung queerer Leute, die bereits im ersten Jahr an die 25.000 Teilnehmende und Schaulustige anzog. Heuer werden über 300.000 Menschen erwartet.

Text von Edda Eggs

Eine dem Regen lauschende Germanistik-Studentin aus Wien. Sie liebt es, sich fantasievolle aber auch realistische Geschichten auszudenken und sie mit interessanten Charakteren zu bereichern, die sie ab und an auch selber zeichnet:)

Von Gastautor*in

Unter diesem Tag versammeln sich verschiedene Gastautor*innen der Lambda.