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Editorial

Pride und Politik

Es sind zwar noch nicht alle ├Âsterreichischen Prides ├╝ber die B├╝hne gegangen, so bildet der CSD Salzburg am zweiten September den traditionellen Abschluss der ├Âsterreichischen Prides. Trotzdem ist der offizielle Pride Monat Juni und unsere Vienna Pride leider schon vorbei. Die Regenbogenparade findet wieder zu alter Gr├Â├če und auch die Side-Events der Vienna Pride waren ein voller Erfolg. Es bleibt die Hoffnung, dass wir in den kommenden Jahren die notwendige Unterst├╝tzung von Seiten der Stadt erhalten, um ein vollwertiges Pride Village ausrichten zu k├Ânnen. Alles andere sind halt doch nur Kompromisse. Wir sind skeptisch, aber Hoffnung ist ja schon seit Harvey Milks Zeiten ein Grundpfeiler unserer Bewegung.  

Auch politisch haben wir den Pride Monat gut nutzen k├Ânnen. Das un├╝blich direkte Motto der Regenbogenparade war da passend: ÔÇ×Together we rise. Against Hate and FascismÔÇť. Gerade angesichts der Entwicklungen in vielen Nachbarl├Ąndern, zu den queer-politischen Sorgenkindern Slowakei und Ungarn gesellt sich nun auch das von der Neo-Faschistin Giorgia Meloni regierte Italien. Gleichzeitig erklimmt die immer offener queer-feindliche FP├ľ neue Umfrageh├Âhen. Umso passender ist eine immer politischer werdende Vienna Pride.  

Ein Meilenstein war der Start der #SchutzF├╝rAlle Petition, die von einer breiten Allianz an LGBTIQ* Organisationen aus ganz ├ľsterreich ins Leben gerufen wurde. In dieser fordern wir einen umfassenden Diskriminierungsschutz f├╝r alle LGBTIQ* Personen in allen relevanten Bereichen der Gesellschaft. Im Unterschied zu vorherigen Forderungen nach dem Levelling-up fu├čt die Petition auf einem ausf├╝hrlichen Positionspapier mit konkreten Vorschl├Ągen zu notwendigen Reformen. Stand Redaktionsschluss hat die Petition fast die 4000er Marke erreicht, also bitte liebe Leser*innen, online unterzeichnen.  

Ebenso konnte dank des Engagements der Aids-Hilfe das Thema der ├ťbernahme der PrEP durch die Krankenkassen prominent platziert werden. Als HOSI Wien unterst├╝tzen wir diese Forderung vehement. Mit der PrEP ist ein Traum unserer Community in Erf├╝llung gegangen. Gerade uns von der HOSI Wien, die wir mit unserem Names Projekt das Gedenken an die Aids-Toten aufrechterhalten, ist die historische Bedeutung der PrEP klar. Gleichzeitig darf der Schutz vor HIV/Aids, also die sexuelle Gesundheit, kein Thema des Geldb├Ârserls sein.  

Beim Thema Verbot von Konversionstherapien ist viel passiert, erreicht wurde aber mal wieder nichts. Die Vorlagen der Regierung, also die von der ├ľVP massiv verw├Ąsserte Version eines gr├╝nen Vorschlags, sahen ein Verbot nur f├╝r sexuelle Orientierung und nur f├╝r Jugendliche vor. Die Position der HOSI Wien und vieler andere Organisationen ist aber klar: Ganz oder gar nicht. Einerseits muss bei einem Konversionstherapieverbot auch die geschlechtliche Identit├Ąt mitgedacht werden, denn wir k├Ânnen nicht den vulnerabelsten Teil der Community einfach auf der Strecke lassen. Andererseits ist der reine Fokus auf Jugendliche eine Verkennung der Tatsachen. Konversionstherapien sind gef├Ąhrliche Quacksalberei, auch Erwachsene m├╝ssen vor diesen gesch├╝tzt werden.  Im Endeffekt ist die Situation dieselbe wie immer: Es liegen sinnvolle Vorschl├Ąge am Tisch, aber die ├ľVP mauert und die FP├ľ profitiert.  

Das Verhalten der ├ľVP ist auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass gerade die fundamentalistische Antifeministin und Abtreibungsgegnerin Gudrun Kugler Menschenrechtssprecherin der ├ľVP ist. Diese hat unter anderem 2015 die ├ľffnung der Ehe f├╝r gleichgeschlechtliche Paare mit Inzest gleichgesetzt. Solange solche Menschen in der Volkspartei etwas zu sagen haben sehe ich schwarz ÔÇô oder t├╝rkis?! Es ist jedenfalls an der Zeit, dass die nicht ganz depperten Teile der ├ľVP endlich in die G├Ąnge kommen und LGBTIQ*-Rechte ernsthaft angehen und umsetzen. Wir helfen gerne!

Von Peter Funk

Arbeitsgruppe Internationales
HOSI Wien
(Foto: ┬ę Marie Dvorzak)