Puh, das ist doch ein schwieriges Thema: Gewalt.
Aber wir geben uns ja gerne Herausforderungen. Es ist ein Thema, mit welchem wir leider alle mal konfrontiert werden. Deshalb kommen wir auch nicht drum herum es hier zum Heftthema zu machen.
Nicht nur, weil uns Gewalt sowohl auf individueller Ebene betroffen machen kann, sondern gleichsam auf struktureller Ebene, in vielen Facetten, es ist einfach ein Thema, um das man auch im Leben nicht herumkommt.
Anlässe gibt es leider genug. Jüngst wurden allein im deutschsprachigen Raum gleich drei Menschen gewaltsam in den Tod gerissen, die in Zusammenhang mit unserer Community standen. Zuerst die trans Frau Etchika Pollex, dann war der islamistische Angriff auf die Berlin Pride, bei dem eine Frau ums Leben gebracht wurde, die ihr queeres Kind unterstützen wollte, jetzt vor kurzem ein schwuler Mann, der Opfer eines Radikalen wurde, welcher laut eigener Aussage hinter jedem schwulen Mann einen Pädokriminellen vermutete. Ich nenne an dieser Stelle nur den Namen von Etchika direkt, weil sie sich selbst entschied zu Lebzeiten in der medialen Öffentlichkeit zu stehen, gerade um Bewusstsein für das Thema Transfeindlichkeit zu schaffen. Das alles geschah allein in diesem Jahr!
Was schrecklich für das individuelle Umfeld der Opfer ist, bedeutet in diesem Fall aber auch immer einen Angriff auf unsere Community. Deshalb bedeutet ein Angriff auf Einzelne auch Schmerz für uns als Gemeinschaft. Am offensichtlichsten wurde das nach dem Angriff auf den CSD Berlin. Ziel war es, die vielfältige Gesellschaft anzugreifen. Wir sind nämlich für viele religiöse Fanatiker der Inbegriff von Freiheit, was ihnen, so pointiert das jetzt vielleicht klingen mag, eine Heidenangst einjagt.
Selbst wenn wir bei Etchika noch nicht ganz genau sagen können, welchen Einfluss ihre Identität als trans Frau auf die Tat hatte, sah sie sich schon zu Lebzeiten oft gezwungen, ihre mediale Sichtbarkeit aus Sicherheitsgründen zurückzufahren. In einem ihrer Videos erklärte sie, dass sie als trans Frau nicht nur eine Verantwortung für sich selbst habe, sondern auch für die Menschen in ihrem Umfeld, die wegen ihrer Identität bedroht würden.
Wer als Mann zu einem Date geht, möchte sich nicht ausmalen, was dem Opfer eines selbsternannten „Pedo-Hunters“ passiert ist. Doch das ist leider mittlerweile unsere Realität. Das verstehen noch immer einige nicht, wenn sie wieder rufen „die Pride ist doch nur eine Party“.
Sichtbarkeit für die natürliche Vielfalt der Menschen ist nun mal in gewisser Weise immer ein Hinterfragen der gewaltsamen Strukturen, die Radikale jeder Couleur so verzweifelt aufrecht zu erhalten oder erst zu implementieren versuchen. Wir sehen nämlich nüchtern betrachtet weder alle gleich aus, noch haben wir die gleichen Interessen, Familienkonzepte, oder sonstige Merkmale. Das Opfer des Pedo-Jägers war natürlich nicht wirklich pädophil oder gar -kriminell, aber hier reichen sich Rechtsradikale und Islamisten ideologisch die Hand.
Wer sich erlaubt die eigene Identität offen auszuleben, statt die Queerfeindlichkeit der heteronormativen Gesellschaft zu verinnerlichen, wird zum Problem gemacht. Dabei sollten gerade Neo-Nazis und religiöse Fanatiker aus ihren eigenen Umpolungsversuchen wissen, dass man die sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nun mal nicht ändern kann, nicht mal durch Folter.
Es ist absurd, dass bei uns Umpolungs…„-therapien“ oder das gewaltsame medizinische Eingreifen bei intergeschlechtlichen Kindern ohne medizinische Notwendigkeit nicht gesetzlich verboten sind.
Doch wir haben schon viel geschafft. Das dürfen wir in Anbetracht der Entwicklungen nie vergessen! Wenn eine Mutter mit ihrem Kind zu einer Pride-Demo geht, dann kann das uns auch Hoffnung geben, dass die Samen, die wir säten, fruchten, wir eine Community haben, die uns unterstützt, Liebe stärker ist als Hass.
Denn wenn sie uns wieder versuchen den Mut zu nehmen, heißt Liebe Heilung. Und Hoffnung Widerstand.
