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Wie erkennt man psychische Gewalt in einer Beziehung?

  • Die Beziehung entwickelt sich unnatürlich schnell und mit viel Druck.
  • Vor allem der Anfang der Beziehung ist von übertriebener Zuneigung geprägt. Übertriebene Zuneigung gleich zu Beginn ist meistens ein Manipulationsversuch. Es wird nach wenigen Wochen des Kennenlernens von Seelenverwandtschaft gesprochen und du wirst mit Superlativen überschüttet: „Du bist perfekt.“ „Du bist der schönste Mensch, den ich je gesehen habe.“ „Ich habe noch nie für jemanden so empfunden, wie für dich.”.
  • Es werden früh sehr viele, teils teure Geschenke gemacht.
  • Dein Beziehungsmensch fordert ständig Kontakt und Informationen ein, getarnt als Zuneigung, Sehnsucht oder Sorge: „Wo bist du?“ „Was machst du?“ „Wen triffst du?”. Gleichzeitig wirst du unter Druck gesetzt, immer sofort zu antworten: „Warum bist du nicht ans Telefon gegangen?“ „Warum meldest du dich nicht?“ „Was hast du zu verbergen?”.
  • Dein Beziehungsmensch versucht Teile deines Lebens zu kontrollieren: wohin du gehst, was du tust, mit wem du dich triffst und mit wem du Kontakt hast. Freunde und Familie werden schlechtgeredet oder du wirst unter Druck gesetzt, sie weniger zu sehen. Im schlimmsten Fall wird sogar dein Handy kontrolliert, überwacht oder unter Druck eingefordert, dass du Pin-Codes und Passwörter offenlegst oder sogar einer Standortüberwachung zustimmst.
  • Du entschuldigst deinen Beziehungsmenschen und dessen Verhalten vor Freunden und Familie.
  • Es gibt immer wieder unterschwellige oder offene Sticheleien, Spott bis hin zu Abwertungen in Bezug auf dein Aussehen, deinen Charakter, deine Kleidung, deine Handlungen, deine Einstellungen, deine Art zu leben u.ä.
  • Deine Grenzen werden belächelt, ignoriert, übergangen oder kritisiert, bis du schließlich einlenkst. Dein Bedürfnis nach eigenen Freunden, Hobbys oder Freiräumen wird dabei als Problem dargestellt.
  • Dein Beziehungsmensch wechselt scheinbar willkürlich zwischen sehr liebevollem und sehr abweisendem Verhalten.
  • Dein Beziehungsmensch bestraft dich mit Ignorieren, Nichtbeachten, Schweigen oder Kontaktabbruch.
  • Dein Beziehungsmensch droht wiederholt mit Trennung, sobald es Konflikte gibt oder du dich nicht so verhältst, wie dieser es möchte.
  • Du hast Angst, etwas zu tun oder zu sagen, weil du die Reaktion deines Beziehungsmenschen fürchtest. Du überlegst vor jedem Satz, wie du ihn formulieren musst, damit er nicht falsch verstanden wird oder vermeidest bestimmte Themen.
  • Du beginnst, an deiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln. Du fragst dich immer häufiger, ob du überempfindlich bist, etwas falsch gemacht hast oder selbst schuld daran bist, dass dein Beziehungsmensch so reagiert.

Wie kann man sich schützen?

  • Hör auf dein Bauchgefühl: Wenn sich eine Beziehung nicht gut anfühlt oder dich stresst, du Angst vor deinem Beziehungsmenschen hast, ist das bereits ein klares Warnzeichen.
  • Lass es langsam angehen. Man lernt sich nicht innerhalb von 2 Wochen kennen. Vielleicht hast du trotzdem Glück und du hast tatsächlich einfach deinen seelenverwandten Menschen kennengelernt, der gleichzeitig das Budget hat dich mit Geschenken zu überhäufen? Diese Person wird immer noch voll verliebt sein, wenn du sie bittest, die Beziehung langsamer anzugehen.
  • Lass dir Zeit mit großen Verpflichtungen. Zieh nicht vorschnell zusammen oder gib finanzielle Unabhängigkeit auf, um dich im Zweifelsfall zumindest nicht auch räumlich oder finanziell abhängig zu machen, bevor du den anderen Menschen gut genug kennst.
  • Setz Grenzen und achte darauf, wie dein Beziehungsmensch damit umgeht. Wenn ein Mensch dich wirklich liebt, möchte dieser, dass es dir gut geht und respektiert deine Grenzen und Autonomie.
  • Rede früh mit anderen Menschen über die Beziehung und hol dir eine Außenperspektive.
  • Hol dir Unterstützung. Wenn du merkst, dass du nicht weiterkommst, können Beratungsstellen oder Psychotherapie helfen.
  • Und vor allem: Es ist nicht deine Schuld. Psychische Gewalt entsteht schleichend und kann jeden Menschen treffen. Du bist damit nicht allein.

Sarah
Psychologin, große Schwester, Träumerin, Lesbe

Von Gastautor*in

Unter diesem Tag versammeln sich verschiedene Gastautor*innen der Lambda.