{"id":9965,"date":"2026-03-06T00:14:00","date_gmt":"2026-03-05T23:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9965"},"modified":"2026-03-05T22:08:47","modified_gmt":"2026-03-05T21:08:47","slug":"stereotype-befreiung-positive-maennlichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9965","title":{"rendered":"Stereotype, Befreiung &#038; Positive M\u00e4nnlichkeit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was uns Schwulenkultur heute noch bringen kann.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Schwule Ikonen pr\u00e4gen seit jeher das popkulturelle Ged\u00e4chtnis. Sie sind immer auch Ausdruck des zu der jeweiligen Zeit herrschenden M\u00e4nnerbildes. Was die Schwulencommunity, und die der queeren M\u00e4nner allgemein, als attraktiv bewertet, findet nicht selten Einklang in die allgemeine Bewunderung eines bestimmten Typus Mann. Das h\u00e4ngt unter Anderem damit zusammen, dass viele K\u00fcnstler das Leben als solcher w\u00e4hlten, weil sie f\u00fcr klassische Berufe eine Gl\u00e4serne Decke sp\u00fcrten. Als Bildhauer, Maler oder sp\u00e4ter Fotograf, war es einfacher einen alternativen Lebensstil zu pflegen, der die Allgemeinbev\u00f6lkerung um einen herum nicht allzu misstrauisch machte. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"576\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hypnos.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9966\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hypnos.jpg 576w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hypnos-216x300.jpg 216w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Hypnos-108x150.jpg 108w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wilhelm Freiherr von Gloeden &#8211; <br>1856-1931 Hypnos<br>(Quelle: Wikicommons)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ikonen entstehen in der Kunstgeschichte durch Wiederholung derselben Attribute. Teils in einen historistischen Kontext gesetzt, teils in einen neuzeitlichen. Es ist nicht m\u00f6glich durch Bilder und Archetypen nicht zu kommunizieren, welche Menschen und damit Motive als abbildungsw\u00fcrdig eingestuft werden und welche nicht, selbst wenn es sich um eine dokumentarische Arbeit handelt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das bedeutet damit gleichzeitig auch, Ikonenbildung kann aktiv genutzt werden, um bestehende Rollen- und M\u00e4nnlichkeitsbilder proaktiv zu hinterfragen. Kunst, die sich nicht zumindest teilweise in Opposition zur gesellschaftlichen Norm stellt, geht schnell in Belanglosigkeit unter. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9968\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-2.jpg 533w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-2-200x300.jpg 200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-2-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Credit: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Ein prominentes Beispiel wo mit dem Spannungsfeld von scheinbarer Belanglosigkeit und kultureller Bedeutung gespielt wurde, ist der Katalog von Andy Warhol. Selbst seinerzeit keine unkontroversielle Figur, griff er die bestehenden Bilder von schwuler M\u00e4nnlichkeit auf und transformierte sie. <\/p>\n\n\n\n<p>Neben Abbildungen von als begehrenswert angesehenen Weltstars, wie den \u00f6sterreichischen Bodybuilder Arnold Schwarzenegger, bildete sich Warhol in einer bekannten Fotoserie selbst in Drag ab. Sich selbst mit der eigenen Androgynit\u00e4t auseinandersetzen, stellt den queeren K\u00fcnstler ins Zentrum seiner eigenen Arbeit. Diese Fotografien, auch wenn sie den K\u00fcnstler selbst in einer Rolle abbilden, machen die Aussagen, welche durch ihre Bildsprache getroffen werden, nicht weniger relevant. Wir entdecken in diesem Wechselspiel des Subjekt und Objekts die Empfindungen und Gel\u00fcste des K\u00fcnstlers, der Person hinter der Kamera, nun ebenso vor der Kamera. Eine sichtbarere Beziehung zueinander wird etabliert. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"527\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Village-People.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9969\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Village-People.jpg 800w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Village-People-300x198.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Village-People-150x99.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Village-People-768x506.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Village People in 1978.<br>(Quelle: Wikicommons)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wenn hier im Text von Ikonen der schwulen Kultur die Rede ist, sind Archetypen gemeint, deren \u00c4sthetik genauso in eine homoerotische Unterhaltungsindustrie reinbluten, wie umgekehrt. Am eindrucksvollsten lie\u00df sich das an der US-Amerikanischen Musikgruppe Village People beobachten. Sie trieben mit ihrem Marketing als \u201eder Holzf\u00e4ller, der Amerikanische Ureinwohner, der Marineoffizier, der Bikertyp, der Polizist und der Cowboy\u201c diese klischeebehafteten Archetypen auf die Spitze. Aus heutiger Sicht sicher mitunter kritisierbar, doch genau das ist der Punkt: sie waren ein Ausdruck der damaligen Zeit, als die schwule Pornoindustrie durch Verbote erst in den Untergrund gedr\u00e4ngt wurde und dadurch mit einem massiven Boumerangeffekt in Form von popkultureller Unterwanderung in den Mainstream dr\u00e4ngte. <\/p>\n\n\n\n<p>Dass diese schwulen Archetypen, wie wir sie bei den Village People beobachten konnten, eigentlich stark von K\u00fcnstlern wie Tom of Finland beeinflusst wurden, ist dabei dem Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung wohl verborgen geblieben. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"517\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Tom-of-Finland.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9970\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Tom-of-Finland.jpg 517w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Tom-of-Finland-194x300.jpg 194w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Tom-of-Finland-97x150.jpg 97w\" sizes=\"auto, (max-width: 517px) 100vw, 517px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Physique Pictorial Vol 17 No 1<br>Gezeichnet von Tom of Finland 1968<br>(Quelle: Wikicommons)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Trotzdem nahmen heterosexuelle M\u00e4nner dieses erotisch aufgeladene M\u00e4nnerbild, welches fast schon karikaturesque M\u00e4nnerk\u00f6rper als Lustobjekte \u00fcberzeichnete, in ihre eigenen Bestrebungen attraktiv zu wirken auf. Tom of Finland ist \u00fcbrigens ein Pseudonym, da er es seinerzeit nicht f\u00fcr m\u00f6glich erachtete unter seinem echten Namen derartige Ver\u00f6ffentlichungen zu verbreiten, die bestimmt wohl auch von einem zeitgen\u00f6ssischen Bikertyp inspiriert wurden. Nun ist James Dean sicher nicht das beste Beispiel f\u00fcr einen heterosexuellen Mann, er wurde von hetero M\u00e4nnern als solcher gesehen. W\u00e4hrend er von m\u00e4nnerbegehrenden Produzenten als Sexsymbol aufgebaut wurde, das eine f\u00fcr die Masse zug\u00e4nglichere Version der durch Tom of Finland sp\u00e4ter popul\u00e4r gemachten Rebellen\u00e4sthetik darstellte. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9971\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-3.jpg 533w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-3-200x300.jpg 200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-3-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Credit: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Heutige Darstellungen von homoerotischen Archetypen wie Lederdaddy, Catboy\/Femboy Twink, Bear, Hunk und weitere, ziehen sich sowohl durch die Malerei, die Fotografie, wie auch durch die Pornografie, Social Media, Dating-Apps und weitere Neue Medien, auch Dresscodes bei sexpositiven Parties, welche bisher noch unbekannte M\u00f6glichkeiten und Herausforderungen bieten. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"533\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9972\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-4.jpg 533w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-4-200x300.jpg 200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Adrian-4-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Credit: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es dr\u00e4ngen sich einem zwangsl\u00e4ufig Fragen auf, wie \u201eWas, wenn ich in keine dieser Kategorien reinpasse?\u201c, oder \u201eWie stark beeinflussen diese ganzen Eindr\u00fccke mein Attraktivit\u00e4tsempfinden bei anderen, lenken mein Begehren unbewusst?\u201c. <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"600\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Feuerzeug.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9973\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Feuerzeug.jpg 400w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Feuerzeug-200x300.jpg 200w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Feuerzeug-100x150.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">(Credit: Mo Blau)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Aber das bietet eben auch Chancen, die man nicht untersch\u00e4tzen darf. Schwulenkultur, breiter gefasst Queere Kultur, beeinflusst und beeindruckt noch heute. Das sollte sich nicht so schnell \u00e4ndern\u2026Nutzen wir es doch!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was uns Schwulenkultur heute noch bringen kann. Schwule Ikonen pr\u00e4gen seit jeher das popkulturelle Ged\u00e4chtnis. Sie sind immer auch Ausdruck des zu der jeweiligen Zeit herrschenden M\u00e4nnerbildes. Was die Schwulencommunity, und die der queeren M\u00e4nner allgemein, als attraktiv bewertet, findet nicht selten Einklang in die allgemeine Bewunderung eines bestimmten Typus Mann. 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