{"id":9952,"date":"2026-03-06T00:25:00","date_gmt":"2026-03-05T23:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9952"},"modified":"2026-03-05T22:07:20","modified_gmt":"2026-03-05T21:07:20","slug":"bist-du-schwul-oder-was","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9952","title":{"rendered":"\u201eBist du schwul, oder was!?\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Angst und Hoffnung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Wer h\u00e4tte das gedacht? Die Vereinszeitschrift der HOSI Wien hat sich die letzten Jahre gef\u00fchlt mit allen anderen Themen als schwul besch\u00e4ftigt und ist nun endlich \u201ezum Beginn\u201c zur\u00fcck gekehrt!? Aber haben wir es einfach vergessen? Sind Schwule dadurch unsichtbar geworden?<\/p>\n\n\n\n<p>Das sind Fragen, die wir uns nicht nur als Redaktion gestellt haben, sondern sicher so manch eine Person aus der Regenbogen-Community selbst. <\/p>\n\n\n\n<p>Es k\u00f6nnte fast so wirken, als seien homosexuelle M\u00e4nner einfach nicht mehr so wichtig f\u00fcr den Kampf, gerade weil manche von ihnen ihren eigenen f\u00fcr Gleichberechtigung bereits als beendet ansehen. Ich m\u00f6chte jedoch genau das Gegenteil behaupten. Welche andere Gruppe der Buchstaben L(G)BTIQ h\u00e4tte denn am ehesten die M\u00f6glichekeit einfach in einen Raum reinzustampfen und Menschenrechte f\u00fcr die anderen zu fordern? <\/p>\n\n\n\n<p>Es waren in der HOSI Wien zuerst schwule (und bisexuelle) M\u00e4nner, die den Verein gegr\u00fcndeten, nicht ohne Grund.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn dann also der Mann, auf dessen Mist urspr\u00fcnglich die Idee f\u00fcr einen solchen Verein gewachsen ist, unserer Redaktion schreibt, dass er Bedenken habe, wenn es jetzt immer nur noch \u201equeer\u201c bei uns hei\u00dft, das schwule Erbe k\u00f6nnte gef\u00e4hrdet sein, dann nehmen wir das nat\u00fcrlich sehr ernst. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Rede ist nat\u00fcrlich von Wolfgang F\u00f6rster, dem Mann, der sich 1979 in der legend\u00e4ren ORF-Sendung Club 2 als homosexuell outete. Und das unter so ganz anderen Vorzeichen, als das heutzutage der Fall sein k\u00f6nnte. Sogar vom damaligen Vereinsverbot, lie\u00dfen sich er und seine Mitstreiter nicht abbringen. Das Gr\u00fcndungsfoto war hier schon oft abgedruckt und ist auch im Vereinszentrum Gugg noch heute zu bestaunen. <\/p>\n\n\n\n<p>So wie auch ihn, kann ich hoffentlich einige Sorgen\u00adgeplagte beruhigen: Das Wort schwul wird erstmal nicht aus unserem Wortschatz verschwinden. Genauso wenig wie \u201ehomosexuell\u201c. Bestes Beispiel hierf\u00fcr ist wohl unsere Neu(alt)benennung der HOSI Wien, bzw. die Reevaluierung der Aktualit\u00e4t unseres Vereinsnamens. Nachdem ich selbst das Transgenderreferat leite und ins Leben gerufen habe, war es mir pers\u00f6nlich immer recht unangenehm, dass auch im langen Vereinsnamen allein Lesben und Schwule gew\u00fcrdigt wurden, obwohl wir als Organisation schon lange auch bisexuelle, trans Personen und in Absprache mit VIM\u00d6 auch inter* Personen (mit-)vertreten. In Respekt vor der Historizit\u00e4t des Namens Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien, hat sich eine Mehrheit f\u00fcr die Erhaltung des Hauptteils unseres Namens im Verein gefunden. In diesen Prozess waren junge Mitglieder, jung gebliebene, aktive und weniger aktive Mitglieder und viele mehr involviert. Zu bedenken war auch unsere Gedenkarbeit, nachdem wir unter diesem Namen bspw. im Gesetz um die Gedenkst\u00e4tte des KZ Mauthausen stehen. Der erst sp\u00e4ter in der Vereinsgeschichte hinzugef\u00fcgte Beititel 1. Lesben- und Schwulenverband \u00d6sterreichs ist dem neuen Vereinsmotto LGBTIQ-Interessenvertretung und Community-Verein gewichen. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Umbenennung, oder der Prozess der Reevaluierung, war bereits lange \u00fcberf\u00e4llig. Er r\u00fcckt ein Unrecht gerade, das unter anderem zur Wertsch\u00e4tzung der Lesbenbewegung eingef\u00fchrt wurde, heute in dieser Form jedoch nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df, oder besser gesagt, wahr war. <\/p>\n\n\n\n<p>Schwule sind noch heute zahlentechnisch massiv \u00fcberrepr\u00e4sentiert. Es gibt wenige bis keine LGBTIQ-Zeitschriften, die wirklich versuchen die ganze Bandbreite des Regenbogens sichtbar zu machen. Dabei sind Schwule nicht mal die gr\u00f6\u00dfte Gruppe in der Community. Und trotzdem darf man auf sie nicht vergessen! <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Ausgabe soll ein Friedensangebot und ein Appell sein: Schwulsein kann die feministische Arbeit, die queere Frauen im Vorfeld zur Schwulenbewegung vor allem in feministischen Gruppierungen gemacht haben (weil sie sich \u00fcberhaupt erstmal als Frauen Rechte erk\u00e4mpfen mussten) sichtbar machen. Schwulsein kann toxische M\u00e4nnlichkeitsbilder der heteronormativen Gesellschaft hinterfragen. Schwulsein kann bedeuten die gesellschaftliche Stellung als \u201ePlatzhirsch\u201c der Community zu nutzen, um sich solidarisch gegen Angriffe auf die trans Community zu zeigen. Schwulsein kann hei\u00dfen, Bisexuelle anzuerkennen und ihnen das Gef\u00fchl zu geben willkommen und wertvoll zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Daf\u00fcr m\u00fcssen wir aber auch verstehen, dass es nichts bringt in Vorverurteilungen gegen\u00fcber der schwulen Community zu verfallen, w\u00e4hrend unsere m\u00e4nnerliebenden Br\u00fcder sich immer weniger geh\u00f6rt f\u00fchlen. Weil sie selbst ja auch Diskriminierung au\u00dferhalb der Community erfahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind nunmal alle unsere eigene kollektive Rettungsboje\u2026sobald eine Gruppe los l\u00e4sst, gehen wir alle unter!!!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angst und Hoffnung Wer h\u00e4tte das gedacht? 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