{"id":9920,"date":"2026-03-06T00:17:00","date_gmt":"2026-03-05T23:17:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9920"},"modified":"2026-03-04T21:50:48","modified_gmt":"2026-03-04T20:50:48","slug":"freie-arbeitsgemeinschaft-transgesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9920","title":{"rendered":"Freie Arbeitsgemeinschaft Transgesundheit"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nun brauchen wir Eure \/ Deine Hilfe<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Es begann alles mit einem Zufall. Wir liefen uns \u00fcber den Weg, beide wohin auch immer, hatten nur kurz Zeit f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch. Mehr als ein Hallo, lange nicht gesehen, und das Vergewissern, dass die vorhandenen Kontaktdaten noch stimmten, war nicht. Anlass f\u00fcr die Kontaktaufnahmen war dann die Nennung eines Transgesundheitszentrums im Wiener Regierungsprogramm 2025. Zwar ganz prominent, aber ohne Vereinbarung zwischen den Regierungsparteien. Woher kam das blo\u00df? Und da ging es los. Sahra lie\u00df nicht locker. Ich hatte zu der Zeit wirklich andere Sorgen, teils gro\u00dfe Schmerzen, k\u00f6rperliche Beschwerden und einen nahen Todesfall. Aber irgendwie wollte ich es auch wissen, wieso das auf einmal sogar auf GGG.at stand (05.07.25), wo dort doch an manchen Tagen allein Unterw\u00e4sche f\u00fcr Schwule zu sehen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber gut, Kontakte gab es ja. Sahra und ich hatten ja bereits l\u00e4nger erfolglos gegen die Windm\u00fchlen der \u201eCommunity\u201c gek\u00e4mpft, in der es zu der Zeit eher um Symbolpolitik und Partys ging. Also war f\u00fcr mich klar, wir docken das nicht bei LGBTIQ an, sondern allein im Gesundheitssystem. So hatten wir vor dem Sommer bereits das erste Sondierungsgespr\u00e4ch zur Transgesundheit, die ja auch Jahre davor schon Thema war, wie etwa mit einer zahnlosen Petition zur Unterst\u00fctzung der Transambulanz im AKH. Erst nach dem Sommer hatten wir weitere Gespr\u00e4che mit Mitgliedern des Wiener Gemeinde\u00adrates. Dazwischen hatten wir aber schon Kontakte zu Institutionen und Vereinen gekn\u00fcpft, um vorbereitet zu sein. Im Sp\u00e4tsommer l\u00fcftete sich dann auch der Schleier um dieses Transgesundheitszentrum. Mit einem letzten Gespr\u00e4ch hatten wir dann auch schon fast alles beisammen. In einem Kraftakt fasste ich mit einiger Recherche das Positionspapier zur Transgesundheit zusammen, welches die European Professional Association for Transgender Health (EPATH) nur nicht unterschrieb, weil es kein Statement ist und nicht von einer medizinischen Profession kam, die Situation besonders in Punkto geschlechtsangleichende Operationen aber zusammenfasst. Gerahmt mit einigen Punkten, die ich weiter unten anf\u00fchre.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wieder kam Sahra mit, du, du hast mir da einen Call von Transgender Europe (TGEU) weitergeleitet. Lass uns da was machen, ich wollte schon immer mit der UNO arbeiten. Und so kam es dann auch, dass wir vor Weihnachten anfingen und Sahra die Einreichung \u00fcber den unabh\u00e4ngigen Experten des UN Menschenrechtsrat (Independent Expert on sexual orientation and gender identity; IE SOGI) zur 62. Sitzung des UN-Human Rights Council 2026 in Genf im neuen Jahr entwarf. Es war viel Arbeit, aber es ging dann schnell. Nach zwei Korrekturzyklen, Erg\u00e4nzungen und noch einigen Fu\u00dfnoten ging die Einreichung Mitte Januar auf den Weg. Dabei wollten wir urspr\u00fcnglich TGEU zuarbeiten und tauschten uns mit Berlin zu unserem Positionspapier aus. Doch die spezielle Thematik lie\u00df es nicht zu, die Deadline von TGEU dazu war f\u00fcr uns zu knapp. Daher mussten wir alles umschreiben und eine eigene Einreichung dazu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zusammenarbeit mit Sahra ist gro\u00dfartig. Wir haben jeweils eine andere Sprache, andere Hintergr\u00fcnde, geh\u00f6ren unterschiedlichen Generationen an und haben daher auch andere Kontakte, M\u00f6glichkeiten und unterschiedliches Wissen und ja, es gibt auch manchmal Missverst\u00e4ndnisse, die sich aber, nicht immer gleich, kl\u00e4ren lassen. Manchmal laufen wir auch in unterschiedliche Richtungen, bis wir merken, dass wir einander falsch verstanden haben. Aber letzten Endes greift eines ins andere und Sahra ist einfach die treibende Kraft in der Freien Arbeitsgemeinschaft Transgesundheit. Doch kurz zu den Rahmungen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rahmung Transgesundheit<\/h3>\n\n\n\n<p>2013: Mit dem Entfallen einer genuin psychiatrischen Diagnose f\u00fcr Trans im DSM-V wurde festgehalten, dass Trans keine behandlungsf\u00e4hige psychische Erkrankung ist, sondern ein Ausdruck nat\u00fcrlicher Varianz. Eine behandlungsw\u00fcrdige Form wurde \u201eGeschlechtsdysphorie\u201c (Gender Dysphoria) benannt, und betrifft Personen, die darunter leiden. \u201eThe condition is associated with clinically significant distress or impairment in social, school, occupational or other important areas of functioning.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>2015 bezog sich die WMA (World Medical Association; Welt\u00e4rztebund) auf das DSM-V und benutzte den Begriff der Gender Inkongruenz. Sie stellte auch klar, dass eine Gender Dysphorie nur dann vorliege, wenn die Person unter klinisch relevanter Not auf Grund mangelnder Anerkennung und infolge von Diskriminierung leidet. Die WMA mahnte eine individualisierte, professionelle, interdisziplin\u00e4re und leistbare transgesundheitliche Versorgung ein, um Gender Dysphorie zu vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p>2022: Unabh\u00e4ngig von den nationalen Kodierpraktiken, unabh\u00e4ngig vom klinischen Alltag, gilt seit 2022 der von der WHO ver\u00f6ffentlichte ICD-11, welcher die Geschlechtsinkongruenz (gender incongruence) definiert. Seit 2022 gibt es seitens der Weltgesundheitsorganisation also keinerlei Pathologisierung mehr. Trans ist damit keine Krankheit, sondern einer von vielen Zust\u00e4nden mit Bezug auf die sexuelle Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<p>2025 hat die WMA ihr \u201eStatement on trans people\u201c aus dem Jahr 2015 aktualisiert und fordert nicht nur die eigenen Fachgesellschaften, sondern auch L\u00e4nder und Gebietsk\u00f6rperschaften dazu auf nicht nur Ma\u00dfnahmen gegen die Diskriminierung von Trans zu ergreifen, sondern diese auch zu sch\u00fctzen und die Gesundheitsrechte von Trans zu wahren indem passende Leistungen eingerichtet werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Rahmung Gesetze<\/h3>\n\n\n\n<p>Folgende Stellen finden sich sowohl in \u201eGesundheit im Gesetz\u201c des \u00f6sterreichischen Gesundheitsministeriums (2021), als auch in \u201eRight to Health\u201c (2008) des Hohen Kommissariats f\u00fcr Menschenrechte der UNO.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ESC<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Europ\u00e4ische Sozialcharta von 1965 enth\u00e4lt, was Transgesundheit betrifft, in Art. 11 schon Interessanteres, verpflichtet sich \u00d6sterreich doch seit 1969 \u201egeeignete Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die unter anderem darauf abzielen: 1. soweit wie m\u00f6glich die Ursachen von Gesundheitssch\u00e4den zu beseitigen.\u201c Dies ist vor allem in Bezug auf die oben angef\u00fchrte Stellungnahme der WMA, zur Geschlechtsdysphorie als Folge der Diskriminierung und Ausgrenzung, relevant.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>UN-Sozialpakt<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der UN-Sozialpakt aus 1976 zu den sozialen und kulturellen Menschenrechten geht noch weiter und adressiert den Staat \u201eals vorrangiger Tr\u00e4ger menschenrechtlicher Pflichten \u2013 die Gesundheit der Menschen nicht beeintr\u00e4chtigt, diese vor Eingriffen sch\u00fctzt und Ma\u00dfnahmen ergreift, damit die Menschen gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen vorfinden. Vor allem aber sollen die Menschen Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung haben.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Entfall von Diskriminierung und Benachteiligung allein wird f\u00fcr ein gelingendes Leben von Trans nicht ausreichen. Hier kommt die angemessene Gesundheitsversorgung mit Verweis auf den Common Sense in der Medizin zum Tragen, weshalb Trans sehr wohl Anspruch auf chirurgische Leistungen haben, wenn damit eine Geschlechtsdysphorie vermieden werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yogyakarta Principle 17, \u201cThe Right to the Highest Attainable Standard of Health\u201c (9 Empfehlungen)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEveryone has the right to the highest attainable standard of physical and mental health, without discrimination on the basis of sexual orientation or gender identity. Sexual and reproductive health is a fundamental aspect of this right\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>WMA 2017<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt gibt es auch eine Selbstverpflichtung in der Deklaration von Genf des WMA aus 1948 in der zuletzt 2017 aktualisierten Fassung: \u201eIch werde nicht zulassen, dass Erw\u00e4gungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangeh\u00f6rigkeit, politischer Zugeh\u00f6rigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wir brauchen Dich jetzt<\/h3>\n\n\n\n<p>Wir sind bis jetzt Mia Mara Willuhn und Sahra Black, beide seit langem Aktivist*innen. Trotz all unseres Wissens, den ganzen Recherchen, den Kontakten und Gespr\u00e4chen mit der Politik, den Institutionen, Organisationen und Einzelpersonen sind Sahra und ich an einem Punkt angelangt, an dem wir alleine nicht mehr weiterkommen. Zuletzt hatten wir Gespr\u00e4che, in denen es auch um Diskriminierungserfahrungen von Trans ging und sowohl gro\u00dfe Wissensl\u00fccken zu Trans, aber vor allem auch vollkommen fehlende Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber Trans im Gesundheitssystem, der Pflege und im \u00e4rztlichen Bereich zu Tage brachten. Denn auch wenn es bei der Konferenz der Frauengesundheit mit dem Titel \u201eWir behandeln alle gleich\u201c (2018) beim Thema Frauen und Lesben in der Gesundheitsversorgung bereits angemahnt wurde, in puncto Sensibilisierung und Schulung des Gesundheitspersonals hat sich fast nichts getan.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind eine freie und unabh\u00e4ngige Arbeitsgemeinschaft zur Transgesundheit und suchen nun Unterst\u00fctzung. Solltest Du in dem Projekt zu konkreten Punkten mitarbeiten wollen, melde Dich einfach bei uns: <\/p>\n\n\n\n<p><em>health4t@protonmail.com<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Danke f\u00fcr Deinen Beitrag!<\/p>\n\n\n\n<p>Freie Arbeitsgruppe Transgesundheit<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Anmerkung der Redaktion:<br>Die Autorin stellt hier eine von der HOSI Wien unabh\u00e4ngige Initiative vor. Es ist uns wichtig, eine Mischung aus vereinsinternen und -externen Texten in der Lambda zu bieten. Von der Bezeichnung \u201eTrans\u201c als \u00dcberbegriff f\u00fcr trans Personen m\u00f6chten wir uns allerdings distanzieren. Sie ist hier als Eigenbezeichnung zu werten.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun brauchen wir Eure \/ Deine Hilfe Es begann alles mit einem Zufall. Wir liefen uns \u00fcber den Weg, beide wohin auch immer, hatten nur kurz Zeit f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch. 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