{"id":9837,"date":"2025-12-05T00:25:00","date_gmt":"2025-12-04T23:25:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9837"},"modified":"2025-12-04T22:11:09","modified_gmt":"2025-12-04T21:11:09","slug":"tradition-trifft-tradition","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9837","title":{"rendered":"Tradition trifft Tradition"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die einen feiern, die anderen trauern.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Tradition kann vieles bedeuten, meist aber eine kulturelle Praxis, welche sich durch Wiederholung \u00fcberliefert und als erhaltungswert angesehen wird. Ohne diesen positiven Faktor k\u00f6nnte man auch behaupten, wiederkehrende schlimme Ereignisse seien Tradition. In \u00d6sterreich, wie auch weltweit, gilt das leider f\u00fcr strukturelle Gewalt gegen\u00fcber Frauen und queere Menschen. Vor allem f\u00fcr erstere, man darf dabei Mehrfachbetroffenheit nie au\u00dfer Acht lassen, gibt es seit 1981 den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, welcher zu Ehren der Schwestern Mirabal einberufen wurde. Sie lehnten sich Mitte des 20. Jahrhunderts gegen den Diktator der Domenikanischen Republik Trujillo auf, wof\u00fcr der sie besonders gewaltsam ermorden lie\u00df. Seit 1991 gibt es deshalb einen 16-t\u00e4gigen Aktionszeitraum, der mit dem Orange Day am 25. November eingeleitet wird. Mehr dazu findet sich ab Seite 8 im Artikel von Chelsea, auch warum gerade die Farbe Orange daf\u00fcr so wichtig ist. Die Lesbencommunity und die Gemeinschaft queerer Frauen* allgemein standen seit Beginn der modernen feministischen Bewegung Seite an Seite. Diese Ausgabe bereichern poetische Texte \u00fcber das Leben als weiblich gelesene Person. Hat sich wirklich so viel ver\u00e4ndert in den letzten hundert Jahren, wie wir bis vor kurzem vielleicht dachten? Trotz zahlreicher Abspaltungen, Dispute und Neuausrichtungen ist auch das zur feministischen Tradition geworden: gemeinsame Gedenkarbeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Transgender day of Remembrance gedenken wir gemeinsam  den Opfern transfeindlicher Gewalt. Diese ist eng mit der patriarchalen Gewalt gegen Weiblichkeit verbunden. Durch die global gut orchestrierte und finanzierte S\u00fcndenbockpolitik gegen trans Personen, erleben nun neben trans Menschen wieder vermehrt cis Frauen Gewalt, die nicht in das veraltete Rollenbild einer Frau reinpassen. Sei es durch die Merkmale, die ihnen aufgrund ihrer Herkunft zugeschrieben werden, oder durch ihre soziale Klasse, wenn sie sich bestimmte Behandlungen nicht leisten k\u00f6nnen, die von Frauen erwartet werden. Cis M\u00e4nner, die Teil der queeren Community sind, berichten uns jedoch auch von einem Anstieg des Hasses gegen\u00fcber ihnen. M\u00e4nnlichkeitsbilder, die zu solchen \u00dcbergriffen f\u00fchren, h\u00e4ngen ganz stark mit der Gewalt gegen Frauen zusammen. Es hei\u00dft nicht umsonst immer \u201eFeminismus hilft nicht nur Frauen, sondern uns allen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut einer aktuellen Studie (Queer in Wien 2025) zeigt sich, f\u00fcr Menschen aus der Community wohl wenig \u00fcberraschend, nun nochmal schwarz auf wei\u00df, dass die Gruppe, welche am meisten Hass ausgesetzt ist, laut den Aussagen von Betroffenen aus Wien, trans Personen sind. Besonders im Bereich Gesundheit erleben LGBTIQ-Menschen, trans Personen aber ganz besonders, massive Diskriminierung. Das beginnt bereits bei der fehlenden Anerkennung eines Versorgungsnotstandes, wodurch Wartelisten f\u00fcr dringende Operationen zur Transition bereits bis zu f\u00fcnf Jahre im Voraus gef\u00fchrt, alles dar\u00fcber dann nicht mal mehr erfasst wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt daneben trotzdem einige Dinge zu feiern. Wir d\u00fcrfen uns alle auf ein neues Zentrum f\u00fcr sexuelle Gesundheit in Wien freuen, welches sich den traditionsbewussten Namen magnus* verliehen hat. Welche gro\u00dfen Pl\u00e4ne es f\u00fcr das aus dem Aidshilfehaus entstehenden Zentrums geben wird, erkl\u00e4rt ab Seite 26 Juliana Metyko-Papousek. Das Zentrum folgt einem akuten Bedarf und ist in Zeiten von Sparma\u00dfnahmen und ideologisch motivierten Streichungen in der HIV-Forschung, durch autokratische Herrscher wie Trump, bitter notwendig, was Peter Funk in diesem Heft genauer ausf\u00fchrt. <\/p>\n\n\n\n<p>Zu bedenken ist, wie Belastungen unsere Community in der Vergangenheit immer auch zusammengeschwei\u00dft haben. Gerade in Momenten tiefster Trauer erkennen wir die Notwendigkeit einer solidarischen Gemeinschaft, die als Auffangbecken f\u00fcr gesellschaftlich benachteiligte Gruppen eine Ersatzfamilie bedeuten kann, mit der man durch gute und schlechte Zeiten geht. Gedenken hei\u00dft manchmal sich mit Stolz an fortw\u00e4hrende Traditionen unserer LGBTIQ-Community zu erinnern. Eindr\u00fccklich zeigt das unser Names Project, welches Petra Paul in einem am 29. November 2025 pr\u00e4sentierten Film \u00fcber die Geschichte der Quilt-Gedenkt\u00fccher f\u00fcr die Nachwelt festhielt. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich durfte mich hingegen mit dem K\u00fcnstler XTZ Lamborghini \u00fcber seinen Bezug zu schwulen Traditionen wie Cruising und dem Hanky-Code unterhalten (Fotostrecke MC Cruising ab Seite 36). Und selbst wenn es dabei vor allem um sexuelle Gesundheit, sexuelle Erfahrungen und sexpositive R\u00e4ume ging, finden die Fans der schwulen Romantik im Kulturteil etwas f\u00fcrs Herz, n\u00e4mlich eine Besprechung des zweiten Bands einer Fotobuchserie mit M\u00e4nnerpaaren von 1850-1950 (Seite 41).<\/p>\n\n\n\n<p>Lasst uns eigene Traditionen bewahren, neue aufleben, und uns dazu von dieser Ausgabe inspirieren! Es soll uns stetig in der Nase kitzeln, weil wir so viel aneinander denken. Ich sage schonmal im Sinne dieser Ausgabe: Gesundheit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die einen feiern, die anderen trauern. Tradition kann vieles bedeuten, meist aber eine kulturelle Praxis, welche sich durch Wiederholung \u00fcberliefert und als erhaltungswert angesehen wird. Ohne diesen positiven Faktor k\u00f6nnte man auch behaupten, wiederkehrende schlimme Ereignisse seien Tradition. In \u00d6sterreich, wie auch weltweit, gilt das leider f\u00fcr strukturelle Gewalt gegen\u00fcber Frauen und queere Menschen. 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