{"id":9827,"date":"2025-12-05T00:23:00","date_gmt":"2025-12-04T23:23:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9827"},"modified":"2025-12-04T21:51:43","modified_gmt":"2025-12-04T20:51:43","slug":"16-tage-gegen-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9827","title":{"rendered":"16 Tage gegen Gewalt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Kampf gegen ein strukturelles Problem<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Inhaltswarnung:<br>genderbasierte Gewalt, Formen von Gewalt, Mord<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Die j\u00e4hrliche Kampagne \u201e16 Tage gegen Gewalt an Frauen* und M\u00e4dchen*\u201c stellt seit 1991 einen zentralen globalen Aufruf dar, eine der hartn\u00e4ckigsten und verheerendsten Formen von Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit in den Fokus zu r\u00fccken. Das Ziel ist klar: Das Problem der genderbasierten Gewalt als strukturelles Ph\u00e4nomen zu benennen, das Bewusstsein zu sch\u00e4rfen und alle Teile der Gesellschaft zum Handeln aufzurufen. Die Signalfarbe hierf\u00fcr ist die Farbe Orange. Als leuchtende, optimistische und helle Farbe soll diese eine Zukunft frei von Gewalt gegen Frauen* und M\u00e4dchen* repr\u00e4sentieren. Sie steht f\u00fcr Hoffnung und positive Ver\u00e4nderung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Relevanz des Aktionszeitraums<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Aktionszeitraum vom 25. November bis zum 10. Dezember ist bewusst gew\u00e4hlt. Er beginnt am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen* und endet am Internationalen Tag der Menschenrechte. Diese Verbindung unterstreicht symbolisch, dass Gewalt gegen Frauen* und M\u00e4dchen* kein zuf\u00e4lliges oder seltenes Einzelereignis ist, sondern eine fundamentale Verletzung von Menschenrechten. Diese Form der Gewalt ist allgegenw\u00e4rtig und nimmt zahlreiche Auspr\u00e4gungen an: von sexualisierter und h\u00e4uslicher Gewalt bis hin zu psychischer, verbaler und der zunehmenden Cybergewalt im digitalen Raum.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Geschichte hinter den \u201e16 Tagen gegen Gewalt an Frauen* und M\u00e4dchen*\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Am 25. November 1960 wurden die drei Schwestern Mirabal in der Dominikanischen Republik vom milit\u00e4rischen Geheimdienst nach monatelanger Folter get\u00f6tet. Sie waren im Untergrund t\u00e4tig und hatten sich an Aktivit\u00e4ten gegen den Diktator Rafael Trujillo&nbsp;beteiligt. Seit 1999 ist der 25. November auch von den Vereinten Nationen als offizieller internationaler Gedenktag anerkannt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gewalt als Ausdruck ungleicher Machtverh\u00e4ltnisse<\/h3>\n\n\n\n<p>Genderbasierte Gewalt ist so tief in der Gesellschaft verankert, weil sie aus strukturellen, gesellschaftlichen Ungleichheiten erw\u00e4chst. Sie ist ein Ausdruck ungleicher Machtverh\u00e4ltnisse zwischen den Geschlechtern, die historisch durch patriarchale Strukturen und traditionelle Geschlechterrollen zementiert wurden. Gewalt dient oft als Mittel zur Dominanz, Kontrolle und Unterdr\u00fcckung, um Frauen* in eine untergeordnete Position zu zwingen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die heimt\u00fcckische Natur der strukturellen Gewalt<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein besonders t\u00fcckischer Aspekt ist die sogenannte strukturelle Gewalt. Diese beschreibt nicht nur direkte k\u00f6rperliche Angriffe, sondern auch gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, die Frauen* systematisch benachteiligen und ihre Lebenschancen einschr\u00e4nken. Dazu z\u00e4hlen:<\/p>\n\n\n\n<p>\u25cf\t\u00d6konomische Abh\u00e4ngigkeit: Geringere L\u00f6hne und Karrierechancen (Gender Pay Gap), die den Ausstieg aus gewaltt\u00e4tigen Beziehungen finanziell erschweren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u25cf\tUnterrepr\u00e4sentation: Die mangelnde Teilhabe in politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsgremien, wodurch die Belange von Frauen* oft keine Priorit\u00e4t erhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>\u25cf\tMehrfachdiskriminierung: Betroffene Frauen* und M\u00e4dchen*, die zum Beispiel zus\u00e4tzlich Rassismus, Ableismus oder Queerfeindlichkeit erleben, sind einem noch h\u00f6heren Risiko Opfer von Gewalttaten zu werden ausgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Genderbasierte Gewalt wird durch das strukturelle Versagen der Gesellschaft aufrechterhalten, indem Gewalt oft als \u201ePrivatsache\u201c verharmlost wird. Dies zeigt sich vor allem in der Medienberichterstattung zu Femiziden (d.h. Morde an Frauen*, welche strukturelle Hintergr\u00fcnde haben), in der diese oft als \u201eLiebesdrama\u201c oder \u201eFamiliendrama\u201c betitelt werden. Dabei stehen die T\u00e4ter*innen (in der Regel: cis-m\u00e4nnliche T\u00e4ter) und ihre Motive im Vordergrund, w\u00e4hrend die Opfer unsichtbar gemacht werden oder ihnen gar die Schuld an der Tat zugesprochen wird. Zu dem strukturellen Versagen der Gesellschaft z\u00e4hlen auch institutionelle L\u00fccken wie beispielsweise mangelnde verl\u00e4ssliche Finanzierung von Frauen*h\u00e4usern oder Beratungsstellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Forderung nach einem umfassenden Wandel<\/h3>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend der \u201e16 Tage\u201c wird durch eine Vielzahl von Aktionen \u2013 von Demonstrationen \u00fcber Podiumsdiskussionen bis hin zu gro\u00dfen Kampagnen \u2013 f\u00fcr mehr Sichtbarkeit gesorgt. Denn die verheerenden Folgen der Gewalt sch\u00e4digen nicht nur die direkt Betroffenen, sondern wirken sich auf Kinder, Familien und die Gesellschaft als Ganzes aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das tief verwurzelte Problem genderbasierter Gewalt zu bek\u00e4mpfen sind ganzheitliche strukturelle Ma\u00dfnahmen erforderlich. Die Istanbul-Konvention des Europarates aus dem Jahr 2011 (in \u00d6sterreich in Kraft seit dem 1. August 2014) liefert hierf\u00fcr den rechtlichen Rahmen. Sie fordert einen umfassenden Ansatz, der auf vier S\u00e4ulen beruht: Pr\u00e4vention (Abbau von Geschlechterstereotypen), Schutz (Hilfsangebote), Strafverfolgung (konsequente Ahndung) und koordinierte Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u201e16 Tage gegen Gewalt an Frauen*\u201c sind somit ein eindringlicher Appell: Das Recht auf ein gewaltfreies Leben muss f\u00fcr jede Frau* und jedes M\u00e4dchen* ohne jede Einschr\u00e4nkung gelten \u2013 und zwar an 365 Tagen im Jahr. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was man als Privatperson tun kann<\/h3>\n\n\n\n<p>Ein entscheidender Schritt im Kampf gegen Gewalt ist die aktive \u00dcberwindung des Wegschauens: Sobald man etwas beobachtet oder die Vermutung hat, dass eine Person von Gewalt betroffen sein k\u00f6nnte, ist es wichtig, zu handeln. Dazu kann man sich sofort Hilfe von Beratungsstellen suchen, um im Vorfeld den Umgang mit der Situation zu besprechen. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit ist, die betroffene Person sanft und empathisch anzusprechen und Unterst\u00fctzung anzubieten. Das Wichtigste dabei ist zuzuh\u00f6ren und der Person Raum und das Gef\u00fchl zu geben, dass ihr geglaubt wird. Nichts st\u00e4rkt Betroffene mehr als das Gef\u00fchl, ernst genommen zu werden und nicht allein zu sein. Weiters ist es auch wichtig, unmissverst\u00e4ndlich klarzumachen, dass die Gewalt niemals die Schuld des Opfers ist. Bei all dem sollte man unbedingt auf die eigenen Grenzen achten und sich dar\u00fcber bewusst sein, dass man sich jederzeit Unterst\u00fctzung holen kann \u2013 sowohl f\u00fcr sich als auch die betroffene Person. <\/p>\n\n\n\n<p>Denn man sollte sich auch im Klaren dar\u00fcber sein, dass man als Privatperson nicht Berater*in oder Therapeut*in ist. Man kann daf\u00fcr jedoch den Weg zu professioneller Hilfe ebnen. Es ist essenziell, Kontakte bereitzuhalten, wie etwa die \u201eFrauenhelpline gegen Gewalt\u201c (0800 222 555), die 24 Stunden am Tag kostenlos und anonym erreichbar ist. Es kann auch helfen, die betroffene Person zu einem ersten Termin bei einer Beratungsstelle oder zum Polizeiposten zu begleiten. Auch im Falle, dass man selbst unsicher ist, wie man am besten in einer Situation reagieren soll, stellt die \u201eFrauenhelpline\u201c eine erste Anlaufstelle dar, die konkrete Anweisungen und professionellen Rat, wie man sicher und effektiv unterst\u00fctzen kann, bietet. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Fokus von all diesen Handlungsm\u00f6glichkeiten sollen stets die W\u00fcnsche der Betroffenen stehen, da es noch mehr Machtlosigkeit verursachen kann, wenn \u00fcber den eigenen Kopf hinweg entschieden wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Beobachtet man einen \u00dcbergriff direkt vor sich, wie beispielsweise im \u00f6ffentlichen Raum, sollte die eigene Sicherheit an erster Stelle stehen. Man kann nur helfen, wenn man selbst nicht zu Schaden kommt. Dennoch sollte unbedingt gehandelt werden: Man kann zum Beispiel jederzeit den Notruf w\u00e4hlen, bei Bedarf auch aus der Distanz. In \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln gibt es auch immer einen SOS-Knopf bzw. -Hebel, mit welchem man Hilfe anfordern kann. Wichtig ist es immer zu handeln und nicht nur zuzuschauen! <\/p>\n\n\n\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte langfristige Beitrag zur Beendigung genderbasierter Gewalt ist die Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Haltung. Um dies zu erreichen, muss man Sexismus, sexistischen Witzen und Stereotypen aktiv entgegentreten. Deutlich zu machen, dass solche Aussagen inakzeptabel sind, ist essenziell. Die Verantwortung f\u00fcr die Hilfe und den Schutz der Betroffenen liegt letztlich bei uns allen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kampf f\u00fcr Gleichberechtigung und den Schutz aller Frauen* und M\u00e4dchen* ist nicht nur in den \u201e16 Tagen\u201c wichtig, sondern eine 365-Tage-Aufgabe, die uns alle betrifft. Es liegt an jeder einzelnen Person, hinzusehen, hinzuh\u00f6ren und aktiv zu handeln, um auf dieses strukturelle Problem aufmerksam zu machen und es zu bek\u00e4mpfen. Lasst uns gemeinsam daf\u00fcr sorgen, dass jeder Tag ein Tag gegen Gewalt ist! Lasst uns gemeinsam daf\u00fcr sorgen, dass keine Frau* und kein M\u00e4dchen* mehr allein mit diesen Problemen k\u00e4mpfen muss! Lasst uns gemeinsam daf\u00fcr sorgen, dass wir geh\u00f6rt und gesehen werden!<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chelsea<br>LesBiFem Team<br>HOSI Wien<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Kampf gegen ein strukturelles Problem Inhaltswarnung:genderbasierte Gewalt, Formen von Gewalt, Mord Die j\u00e4hrliche Kampagne \u201e16 Tage gegen Gewalt an Frauen* und M\u00e4dchen*\u201c stellt seit 1991 einen zentralen globalen Aufruf dar, eine der hartn\u00e4ckigsten und verheerendsten Formen von Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit in den Fokus zu r\u00fccken. 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