{"id":9808,"date":"2025-12-05T00:19:00","date_gmt":"2025-12-04T23:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9808"},"modified":"2025-12-04T21:27:37","modified_gmt":"2025-12-04T20:27:37","slug":"selbstbestimmt-und-gesund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9808","title":{"rendered":"Selbstbestimmt und gesund"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">in einer heteronormativen Gesellschaft?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\u201eDie heteronormative Gesellschaft kann ein Gesundheitsrisiko f\u00fcr LSBTI-Personen sein.\u201c Klingt drastisch, ist aber leider so. Denn diese Aussage stammt nicht von einer besonders scharf formulierenden Aktivistin oder einer queeren NGO, sondern vom renommierten deutschen Robert-Koch-Institut. Und leider zeigt eine Studie nach der anderen, dass diese Analyse auch in den 2020er-Jahren noch stimmt. Also ist es gerade angesichts der aktuellen Diskussionen \u00fcber queere Rechte und die Selbstbestimmung einzelner Gruppen innerhalb der LGBTIQ+ Community wohl h\u00f6chste Zeit, sich genauer anzuschauen, warum die heteronormative Gesellschaft uns krank macht\u2026 und was wir dagegen tun k\u00f6nnen!<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Die Informations-Brosch\u00fcre \u201eReden wir \u00fcber psychische Gesundheit unter dem Regenbogen\u201c, eine Zusammenarbeit mit der HOSI Wien, wurde 2025 mit dem MERITUS-Award ausgezeichnet. Darin finden sich zahlreiche Infos, Tipps und Empfehlungen zur psychischen Gesundheit der LGBTIQ+ Community. Alle Infos gibt\u2019s unter <a href=\"http:\/\/www.psd-wien.at\/regenbogen\" data-type=\"link\" data-id=\"www.psd-wien.at\/regenbogen\">www.psd-wien.at\/regenbogen<\/a><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Gesetze, Medien, Bildung und Arbeitswelt, all das ist in unserer Gesellschaft noch immer nach den Prinzipien der Heterosexualit\u00e4t und Zweigeschlechtlichkeit ausgerichtet. Dass unsere Gesellschaft schon immer deutlich vielf\u00e4ltiger war, wird gerne ausgeblendet. Diese Heteronormativit\u00e4t ist es auch, die sich in den Worten des Robert-Koch-Instituts \u201enachteilig auf die Lebenssituation und Gesundheit\u201c von LGBTIQ+ Personen auswirken. Menschen mit queeren Identit\u00e4ten, das zeigen alle internationalen Studien, erleben vor allem dann eine gute k\u00f6rperliche und psychische Gesundheit, wenn sie von der Gesellschaft so anerkannt werden, wie sie sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Minderheitenstress und k\u00f6rperliche Gesundheit<\/h3>\n\n\n\n<p>In diesem Kontext gilt aber der Grundsatz, dass auch psychische Gesundheit eben genau das ist \u2013 n\u00e4mlich Gesundheit. Denn die deutlich h\u00f6here seelische Belastung queerer Menschen f\u00fchrt auch zu anderen gesundheitlichen und vor allem k\u00f6rperlichen Folgeerscheinungen. Wie bei allen Menschen gilt auch im queeren Kontext, dass beispielsweise depressive Erkrankungen sich auch in k\u00f6rperlichen Ph\u00e4nomenen fortsetzen. Der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr kann auch der Minderheitenstress queerer Menschen sein. Kurz gesagt geht es dabei um den allt\u00e4glichen Stress, den Gruppen wie die LGBTIQ+ Community erleben, bewusst oder unbewusst. Dazu geh\u00f6ren sowohl erlebte Diskriminierungen im pers\u00f6nlichen Leben als auch die vorauseilende Angst vor Ablehnung, bl\u00f6den Kommentaren oder sogar Gewalterfahrungen. Das konstante \u201eim Hinterkopf behalten\u201c der M\u00f6glichkeit, dass etwas Negatives aufgrund unserer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t passieren k\u00f6nnte, f\u00fchrt in vielen F\u00e4llen schlicht und einfach zu chronischem Stress, der unseren Alltag einschr\u00e4nkt und unsere Gesundheit belastet. Denn chronischer Stress kann sowohl zu psychischen als auch zu k\u00f6rperlichen Erkrankungen und Beschwerden f\u00fchren. Genau das bleibt auch 2025 eine konkrete Auswirkung unserer heteronormativen Weltordnung auf die LGBTIQ+ Community.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Es geht um Sicherheit \u2013 gerade in der Gesundheitsversorgung<\/h3>\n\n\n\n<p>Besonders tragisch sind die Auswirkungen, wenn die Diskriminierungserfahrungen nicht nur im Alltag, sondern gerade im Gesundheitsbereich passieren. Laut dem ersten \u00f6sterreichischen LGBTIQ* Gesundheitsbericht (2022) erlebte mehr als die H\u00e4lfte der queeren Menschen (54 %) schon Diskriminierung in der Gesundheitsversorgung. Besonders dramatisch: 29 % berichteten von erniedrigenden oder beleidigenden Erfahrungen durch medizinisches Personal. Und bis heute ist Diskriminierung im Gesundheitswesen, zumindest aufgrund der sexuellen Orientierung, noch immer nicht explizit verboten; auch daf\u00fcr w\u00fcrde es das lange verhinderte Levelling Up des Gleichbehandlungsgesetzes brauchen.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Mit dem FIRST LEVEL SUPPORT gibt es in Wien eine neue psychosoziale Anlaufstelle f\u00fcr Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Unter 01\/31 330 bzw. unter fls@psd-wien.at stehen dort klinische Psycholog*innen, diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenpflegepersonen und Sozialarbeiter*innen werktags von 8:00 bis 20:00 Uhr zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Doch am Ende des Tages sind es eben genau solche Erlebnisse, die Minderheitenstress verst\u00e4rken. Sie f\u00fchren zu einer internalisierten Stigmatisierung (\u201emit mir stimmt etwas nicht\u201c) und erschweren auch in Zukunft die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Besonders betroffen sind trans* und intergeschlechtliche Personen: Von ihnen gaben drei Viertel an, sich im Gesundheitskontext diskriminiert zu f\u00fchlen. Und auch im Kontext der sexuellen Gesundheit sind genau solche \u00c4ngste fatal. Denn gerade im Kontext queerer Gesundheit gilt, dass sexuell \u00fcbertragbare Infektionen (STIs) eben kein Randthema, sondern Teil der queeren Gesundheitsrealit\u00e4t sind und angemessener Pr\u00e4vention, Information und vor allem Versorgung und Behandlung bed\u00fcrfen. Wenn ich meiner \u00c4rztin nicht vertraue, bleiben genau solche Erkrankungen oft unbehandelt, werden weitergegeben oder f\u00fchren zu Folgeerkrankungen. Genauso wird der Zugang zu queerspezifischen Gesundheitsangeboten erschwert. All das zeigt, wie dringend sich etwas \u00e4ndern muss!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Queere Gesundheit f\u00f6rdern hei\u00dft, unsere Gesellschaft weiterzuentwickeln!<\/h3>\n\n\n\n<p>Wenn unsere heteronormative Gesellschaftsordnung eine Grundlage f\u00fcr so vielf\u00e4ltige gesundheitliche Belastungen f\u00fcr queere Menschen (und nicht nur f\u00fcr diese Gruppe) ist, dann liegt eine m\u00f6gliche Perspektive logischerweise auch darin, unsere Gesellschaftsordnung grundlegend weiterzuentwickeln! Das gilt f\u00fcr Schule und Ausbildung genauso wie f\u00fcr den Bereich der Arbeitswelt und vor allem f\u00fcr das Gesundheitswesen. Dazu geh\u00f6rt auch ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Lebenssituationen von LGBTIQ+ Personen \u2013 es geht darum, queere Identit\u00e4ten nicht unsichtbar zu machen, sondern aktiv anzusprechen und Vielfalt zum Thema zu machen. Gerade der Gesundheitsbereich muss ein sicherer Ort f\u00fcr queere Menschen sein: Verantwortungstr\u00e4ger*innen sind daher gefordert, aktiv Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um eine positive und inklusive Atmosph\u00e4re zu schaffen und diskriminierende Verhaltensweisen konsequent zu sanktionieren. Ein Zugang, der Probleme aktiv anspricht und nicht unsichtbar macht, unterst\u00fctzt nicht nur LGBTIQ-Personen, sondern schafft ein besseres, f\u00f6rderndes Umfeld f\u00fcr alle Personen, die sich darin bewegen! Am Ende gilt gerade dann, wenn es um queere Gesundheit geht, ein zentraler Grundsatz: Sichtbarkeit schafft Sicherheit \u2013 und f\u00f6rdert unsere Gesundheit!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>in einer heteronormativen Gesellschaft? \u201eDie heteronormative Gesellschaft kann ein Gesundheitsrisiko f\u00fcr LSBTI-Personen sein.\u201c Klingt drastisch, ist aber leider so. 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