{"id":9681,"date":"2025-09-05T00:21:00","date_gmt":"2025-09-04T22:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9681"},"modified":"2025-09-04T21:42:54","modified_gmt":"2025-09-04T19:42:54","slug":"wenn-die-wohnungstuer-verschlossen-bleibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9681","title":{"rendered":"Wenn die Wohnungst\u00fcr verschlossen bleibt"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in \u00d6sterreich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Stell dir vor, du bist auf der Suche nach einer neuen Wohnung in \u00d6sterreich. Nach Wochen voller Hoffnung entdeckst du genau die richtige, reichst alle Unterlagen ein, erf\u00fcllst s\u00e4mtliche Kriterien und bekommst trotzdem eine Absage. Nicht, weil etwas an deiner Bewerbung nicht passt, sondern einzig und allein, weil du lesbisch* bist. F\u00fcr viele klingt das nach einem klaren Fall von Diskriminierung. Aber in \u00d6sterreich bedeutet das: Die Wohnung bleibt verschlossen, und du hast rechtlich kaum M\u00f6glichkeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Gerade erst hat ein Fall in K\u00e4rnten das wieder schmerzlich deutlich gemacht. Zwei Frauen wurde ein Mietvertrag verweigert. Und zwar offen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Unsere Obfrau Ann-Sophie Otte hat es in einer Presseaussendung auf den Punkt gebracht: \u201eNiemand w\u00fcrde eine so offene Diskriminierung von ethnischen Minderheiten oder Menschen mit Behinderungen akzeptieren, und genau deshalb werden sie vom Gesetz bereits gesch\u00fctzt.\u201c Doch das Gleiche gilt in \u00d6sterreich nicht f\u00fcr alle queeren Menschen, ein Umstand, der kaum zu begreifen ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Das \u00f6sterreichische Gleichbehandlungsgesetz sch\u00fctzt im Arbeitsleben vor Diskriminierung. Beim Zugang zu G\u00fctern und Dienstleistungen, und dazu z\u00e4hlt eben auch Wohnen, besteht weiterhin eine gravierende L\u00fccke. Vermieter*innen k\u00f6nnen eine Wohnung aufgrund der sexuellen Orientierung verweigern und die Gesetzeslage gibt ihnen keinen Anlass, diese Praxis zu \u00fcberdenken. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr viele von uns hei\u00dft das, nie wirklich sicher zu sein. Sei es beim Wohnungsbesichtigen, im Lokal oder im Taxi. Es geht um mehr als Komfort, es geht um elementare Sicherheit und das Recht, \u00fcberhaupt ein Zuhause zu haben. Die st\u00e4ndige Bedrohung, dass die eigene Identit\u00e4t zu pl\u00f6tzlicher Ablehnung f\u00fchren kann, nagt am Selbstvertrauen und raubt die Freiheit, offen zu leben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir fordern deshalb seit langem einen umfassenden Diskriminierungsschutz, der auch den privaten Bereich und den Zugang zu G\u00fctern und Dienstleistungen einschlie\u00dft. Im Positionspapier #NAPjetzt verlangen 30 LGBTIQA-Organisationen aus \u00d6sterreich neben einer Gesetzesreform auch explizite Konsequenzen f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe, konkrete Klagerechte f\u00fcr NGOs und verl\u00e4ssliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Betroffenen. Die Notwendigkeit des umfassenden Diskriminierungsschutzes kann nicht bestritten werden. Es ist die Regierung, die handeln muss, um das Gleichbehandlungsgesetz endlich zu reformieren und damit alle betroffenen Menschen zu sch\u00fctzen. Und nicht diejenigen, die diskriminieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer h\u00e4lt \u00d6sterreich an einem zweigeteilten System fest: umfassender Schutz im Beruf, kaum Schutz im privaten Leben. Der Staat signalisiert damit stillschweigend, dass Benachteiligung im Alltag geduldet wird. Das ist nicht nur widerspr\u00fcchlich, sondern auch gef\u00e4hrlich. Ein umfassender Schutz w\u00fcrde nicht nur Sicherheit geben, sondern auch deutlich machen, dass Diskriminierung an keinem Ort und in keinem Bereich toleriert wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten nicht \u00fcberlegen m\u00fcssen, ob wir bei einer Wohnungsbesichtigung unsere Partner*innen verschweigen sollten. Wir wollen nicht vor einer verschlossenen T\u00fcr stehen und uns fragen, ob unsere queere Lebensweise der Grund f\u00fcr die Ablehnung ist. Wir wollen uns nicht jedes Mal zwischen Offenheit und Sicherheit entscheiden m\u00fcssen. Diese Gesetzesl\u00fccke ist kein juristischer Nebenschauplatz, sie \u00f6ffnet die T\u00fcr f\u00fcr allt\u00e4gliche Ausgrenzung. Sie muss geschlossen werden. Nicht irgendwann, sondern jetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Chelsea<br>LesBiFem Team<br>HOSI Wien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u25a0 Aus lesbischer Sicht<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Kolumne erschien erstmals in den Lambda Nachrichten #3\/1989, geschrieben von Waltraud Riegler, jahrelange Aktivistin und HOSI Obfrau.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"558\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9684\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_2.jpg 558w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_2-209x300.jpg 209w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_2-105x150.jpg 105w\" sizes=\"auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Helga Pankratz\u2018 erste Kolumne (LN #3\/1990)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nach einem Jahr \u00fcbernahm Helga Pankratz, Aktivistin und unter anderem Mitgr\u00fcnderin der HOSI Wien Lesbengruppe und Jugendgruppe, die Kolumne f\u00fcr mehr als 20 Jahre bis Ende 2013, kurz vor ihrem zu fr\u00fchen Tod. Ihre Krebserkrankung thematisierte sie auch in ihren Texten. Ausgew\u00e4hlte Kolumnen erschienen im Buch \u201eAus lesbischer Sicht: Glossen und Kommentare zum Zeitgeschehen\u201c, das sich in der Ruth-Maier-Bibliothek der HOSI Wien finden l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"564\" height=\"800\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9685\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_3.jpg 564w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_3-212x300.jpg 212w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Aus_lesbischer_Sicht_3-106x150.jpg 106w\" sizes=\"auto, (max-width: 564px) 100vw, 564px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Helga Pankratz\u2018 letzte Kolumne (LN #4\/2013)<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>In der jetzigen Iteration der Lambda wird die Kolumne von wechselnden Autor*innen unseres LesBiFem-Teams bespielt.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Lambda (Nachrichten), und damit auch alle Kolumnen, finden sich als PDF in unserem <a href=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?page_id=35\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?page_id=35\">Archiv<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in \u00d6sterreich Stell dir vor, du bist auf der Suche nach einer neuen Wohnung in \u00d6sterreich. 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