{"id":9646,"date":"2025-09-05T00:11:00","date_gmt":"2025-09-04T22:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9646"},"modified":"2025-09-03T23:05:34","modified_gmt":"2025-09-03T21:05:34","slug":"queer-figures-vier-iterationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9646","title":{"rendered":"Queer figures; vier Iterationen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">\u201eHeartstopper\u201c und \u201eLove Simon\u201c sind heutzutage keine Ausnahmen mehr: sie sind die Regel. \u00dcberall verbergen sich vielerlei queere Filmcharaktere \u2013 einige mehr schlecht als recht geschrieben. Was fr\u00fcher als Skandal gesehen wurde, ist f\u00fcr uns Normalit\u00e4t geworden. Nat\u00fcrlich sind wir immer noch auf dem Weg der stetigen Besserung, doch um zu verstehen, was werden kann, m\u00fcssen wir verstehen, was einmal war.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hays-Code und Leichen<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Es darf kein Bild erstellt werden, das die moralischen Standards derjenigen, die es sehen, senkt.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Dies ist nur eine von vielen Regeln und Verboten, die der Hays-Code mit sich gebracht hat. Aufgrund mannigfaltiger Skandale von Schauspielern, in denen es hie\u00df, die Schauspieler h\u00e4tten ihre Moralit\u00e4t verloren und w\u00fcrden entgegen traditionellen Werten leben, kam es zur Aufruhr und zur starken Kritik an Hollywood, die vor allem von der r\u00f6misch-katholischen Kirche ausging. Es sollte zum Boykott kommen, was eine Wirtschaftskrise nach sich ziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraufhin f\u00fchrte Will H. Hays 1934 den Hays-Code ein, durch den Hollywood wieder einen Aufschwung erleben sollte. Dieser Code sorgte f\u00fcr die Instandhaltung der Moral in den Filmen. Demnach sollten Schimpfw\u00f6rter und etwaige Beleidigungen keinen Platz mehr auf der Leinwand finden. Gewalt, Kriminalit\u00e4t, Substanzmissbrauch, Nacktheit und Rassenmischung wurden ebenfalls durch den Code abgehalten, je gedreht zu werden. Homosexualit\u00e4t als solches wurde nicht erw\u00e4hnt, jedoch fiel das fr\u00fcher in den Raster der sexuellen Perversion, die bei Hays vorkam. Sex durfte ebenfalls nur sehr vage angedeutet werden und zu leidenschaftliche Aktionen verbot der Hays-Code von Grund auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl der Hays-Code eher als eine Orientierungshilfe gedacht war, als ein strenges Gesetz, wurden Filme, die unpassende Szenen beinhalteten, von Studios und weiterf\u00fchrenden Produktionen blockiert. Kinos \u2013 vor allem in konservativeren Gegenden der USA \u2013 konnten sich offen weigern, diese Filme abzuspielen; die Kirche warnte ausdr\u00fccklich vor Medien, die unmoralische Werte widerspiegelten. <\/p>\n\n\n\n<p>Um die konservative Bev\u00f6lkerung vom Gewinn der Filme nicht auszuschlie\u00dfen und dennoch die Freiheit haben zu k\u00f6nnen, Geschichten zu erz\u00e4hlen, die dieser Zensur nicht unterliegen, haben einige Regisseure versucht den Rahmen jener auszureizen. Sie haben geschaut, wie weit das Studio erlauben w\u00fcrde, ehe es ihnen zu queer wurde. Ebenjenes hat Alfred Hitchcock in \u201eCocktail f\u00fcr eine Leiche\u201c versucht, dessen Protagonisten von zwei M\u00e4nnern inspiriert wurden, die in eine intime Beziehung verwickelt waren. Es wurden einige Worte vom Skript gestrichen, die zu schwul erschienen, doch die wahre Kunst der Umsetzung non-verbaler Zeichen lag bei den Schauspielern. Jene standen immer sehr nahe beieinander und sprachen vom begangenen Mord, wie von einer Liebesnacht. Die Charaktere lebten zusammen und teilten sich ein Bett. Als der Film abgedreht war, begannen sich einige der Beteiligten \u2013 unter anderem auch das Studio \u2013 davon zu entfernen, da er zu latent schwul erschien und die Beurteilung des Films ergab, dass er nur einer h\u00f6heren Altersklasse gezeigt werden d\u00fcrfe. Einige St\u00e4dte, wie Memphis und Seattle, hatten davon abgesehen diesen Film auszustrahlen und Italien und Frankreich schr\u00e4nkten ihn landesweit ein.<\/p>\n\n\n\n<p>1967 wurde der Hays-Code letztendlich abgeschafft, was eine neue \u2013 eine freiere \u2013 TV-\u00c4ra einl\u00e4utete, oder &#8230;?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Unendliche Weiten <\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eStar Trek war ein Versuch, der zeigt, dass die Menschheit erst dann Reife und Weisheit erringen wird, wenn sie beginnt unterschiedliche Meinungen und die Unterschiede vieler Lebensrealit\u00e4ten nicht blo\u00df zu akzeptieren, sondern darin eine besondere Freude zu finden.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u2013 Gene Roddenberry<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Mit genau diesen Gedanken \u2013 den Gedanken, dass die St\u00e4rke der Menschheit in ihrer Vielf\u00e4ltigkeit liegt \u2013 schuf Gene Roddenberry 1966 das Fundament des Star Trek Universums: \u201eRaumschiff Enterprise\u201c. Jene Vielfalt wurde auf die Besatzung des Raumschiffs \u00fcbertragen, die im Gegensatz zu anderen Produktionen dieser Zeit diverse Schauspieler*innen, insbesondere eine schwarze Frau in einer respektierten, wiederkehrenden Rolle, einstellten. Auch vor einer positiven Darstellung homosexueller Charaktere schreckte Roddenberry nicht zur\u00fcck, doch da die Serie zuvor bereits einen Skandal erlebt hatte, der durch einen Kuss zwischen zwei Ethnien hervorgerufen wurde, was trotz des im Jahre zuvor abgesetzten Verbots noch f\u00fcr gro\u00dfe Emp\u00f6rung sorgte, entschied man sich dagegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund fehlender queerer Elemente begannen einige Fans diese selbstst\u00e4ndig einzuf\u00fcgen. Sie verfassten kleine Geschichten, die innerhalb der Fankreise verbreitet wurden. Das prominenteste Duo, \u00fcber das geschrieben wurde, bestand aus Captain Kirk und Mr. Spock. Die Slash-fiction wurde geboren! <\/p>\n\n\n\n<p>Jene wurde dann mit der Zeit mit dem Wort \u201aRelation-shipping\u2018 ersetzt, das heutzutage nur mehr \u201aShipping\u2018 genannt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die wilden 70er!<\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz der Beseitigung des Hays-Codes und des Kampfes einiger Studios f\u00fcr die Entd\u00e4monisierung queerer Charaktere ver\u00e4nderten sich die Werte und Vorstellungen der Gesellschaft nur schleichend, doch stetig.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfer Vorreiter dieser Bewegung war \u201eDamals im Sommer\u201c von Lamont Johnson, der 1972 in die Kinos kam. Er handelt von einem schwulen Paar, das ein Kind erzieht. Dieser Film war f\u00fcr seine Zeit ein bahnbrechendes Beispiel, wie einige inspirierte Leute es schafften, positive homosexuelle Charaktere auf die Leinwand zu bekommen. Die ersten Probleme waren, ein Produktionsnetzwerk und vor allem Schauspieler zu finden, die diese heiklen Rollen annahmen, doch es boten sich schnell geeignete an. Das Netzwerk jedoch war ein anderes Thema: Sie diskutierten miteinander und ver\u00e4nderten das Skript, das nun keinerlei physischen Kontakt zwischen dem Paar zulie\u00df. Am Ende mussten sich die Schreiber zufriedengeben, denn sonst h\u00e4tte das Projekt gar nicht erst umgesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als der Film in den meisten (nicht in allen) Kinos der USA ausgestrahlt wurde, war die Rezeption ganz zur Verbl\u00fcffung des Produktionsteams gr\u00f6\u00dftenteils positiv. Es gab einige negative Zeitungsartikel, die Homosexuelle als \u2018kranke Tiere\u2018 betitelten, doch es war eine Bitters\u00fc\u00dfe, die den Film nicht hat floppen lassen: der Mix aus der positiven Abbildung schwuler Charaktere gepaart mit einem negativen Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDamals im Sommer\u201c war ein Pionier, der gezeigt hat, dass die Zeit reif ist, dieses Thema positiv darzustellen. Nicht allzu lange sp\u00e4ter gab es weitere positive Auftritte schwuler Charaktere im TV, wie in \u201eBarney Miller\u201c und in \u201eM*A*S*H\u201c, in dem ein schwuler Charakter vor Anfeindungen sogar erbittert verteidigt wurde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Ich bin nur ein s\u00fc\u00dfer Transvestit! \u2013 Dr. Frank N. Furter<\/h3>\n\n\n\n<p>Die \u201eRocky Horror Picture Show\u201c ist ein weiteres Ph\u00e4nomen aus der fr\u00fcheren Zeit, das bis heute tief in der queeren Kultur verankert ist. Der Film beginnt mit einer Subversion: auf der einen Seite ist die typisch amerikanische Vorstadt und auf der anderen das Unbekannte in der Form eines gro\u00dfen unheimlichen Anwesens. Dort erleben die zwei Protagonisten eine unvergessliche Nacht, in der sie die Fesseln der Gesellschaft fallen lassen und sich entdecken. Es ist ein Film \u00fcber das Auskosten extatischer Freude und sexueller Freiheit, aber auch \u00fcber die Gefahren des \u00dcberdrusses.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Film selbst ist zun\u00e4chst nicht gut angekommen und er stand auch zeitweise unter einem schlechten Stern, bevor er gedreht wurde. Doch nach der ersten schlechten Rezeption begann man, ihn um Mitternacht auszustrahlen, was enorm geholfen hat. Eine riesige queere Szene bildete sich um die \u201eRocky Horror Picture Show\u201c, die in der Nacht in Kost\u00fcm und Makeup Schlange stand, um sich diesen Film anzusehen. Vor allem die Androgynie, das Ausbrechen aus rigiden gesellschaftlichen Normen und die ansteckende Freude, wenn man dies tut, sprach die queeren Menschen an. <\/p>\n\n\n\n<p>Von \u201eCocktail f\u00fcr eine Leiche\u201c \u00fcber \u201eDamals im Sommer\u201c bis zur \u201eRocky Horror Picture Show\u201c sind insgesamt 27 Jahre Filmgeschichte geschrieben worden. Wie wird da wohl unsere rosige Zukunft aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Text von Edda Eggs<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHeartstopper\u201c und \u201eLove Simon\u201c sind heutzutage keine Ausnahmen mehr: sie sind die Regel. \u00dcberall verbergen sich vielerlei queere Filmcharaktere \u2013 einige mehr schlecht als recht geschrieben. Was fr\u00fcher als Skandal gesehen wurde, ist f\u00fcr uns Normalit\u00e4t geworden. 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