{"id":959,"date":"2021-06-04T00:50:15","date_gmt":"2021-06-04T00:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=959"},"modified":"2021-05-30T13:39:18","modified_gmt":"2021-05-30T13:39:18","slug":"stolz-und-vorurteil-wtf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=959","title":{"rendered":"Stolz und Vorurteil? WTF!"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine etwas andere Liebesgeschichte.<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Abgehoben, realit\u00e4tsfern, m\u00fchsam &#8211; das m\u00f6gen Adjektive sein, welche f\u00fcr die Beschreibung des Romans \u201eStolz und Vorurteil\u201c von Schulkindern genutzt werden. Auf der anderen Seite gibt es immer die paar Kinder, die dann doch etwas damit anfangen k\u00f6nnen, sich darin wiederfinden. \u201cStrebern\u201d die einen nur, um sich an ihre Lehrperson anzubiedern, oder sind die anderen \u201czu dumm zum Lesen des Textes\u201d? Eine soziale Trennung der beiden Gruppen ist scheinbar unvermeidlich. Jede Gruppe ist dabei sicher, die \u00fcberlegene zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch was hat diese Geschichte nun in diesem Artikel \u00fcber nicht-bin\u00e4ren Geschlechtsidentit\u00e4ten zu suchen? \u00dcberlegen wir mal kurz: Abgehoben, realit\u00e4tsfern, m\u00fchsam&#8230; ja, das sind durchaus ebenso Adjektive die gerne f\u00fcr die Beschreibung von nicht-bin\u00e4ren Personen verwendet werden. Die Gruppe, die das meist behauptet, steht sozusagen nicht-bin\u00e4ren Menschen als Gruppe gegen\u00fcber. Im schlimmsten Fall kommunizieren beide kaum miteinander, weil sie sich der jeweils anderen \u00fcberlegen f\u00fchlen&#8230; da klingelt es doch. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun w\u00e4re das Ph\u00e4nomen auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene schon schlimm genug. Leider wirkt sich das ebenso auf die Qualit\u00e4t der R\u00e4ume aus, in denen sich LGBTQ-Personen aufhalten. Dabei sind nat\u00fcrlich soziale R\u00e4ume zum Treffen gemeint, also Bars, Caf\u00e9s, Vereinszentren, etc., gleichzeitig jedoch auch R\u00e4ume, in denen f\u00fcr die Anerkennung unserer Gesamtcommunity gek\u00e4mpft wird. Doch warum k\u00f6nnte das ein Problem darstellen?<\/p>\n\n\n\n<p>Zu einem gewissen Grad ist verst\u00e4ndlich, dass Menschen, die sich einander zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, miteinander Zeit verbringen m\u00f6chten. Daran ist erst mal nichts Schlimmes, \u00c4hnlichkeit verbindet. Deshalb gibt es ja \u00fcberhaupt zum Beispiel extra Bars, die Anlaufstelle f\u00fcr queere Menschen sind. Diese waren schon immer notwendig in einer Gesellschaft, die unsere Community in vielerlei Hinsicht diskriminiert. Es ist einfach nicht immer sicher in eine \u201cHetero-Bar\u201d zu gehen, zumindest f\u00fchlt es sich nicht so an. Zu oft haben wir von Gewalt gegen\u00fcber LGBTIQ-Personen geh\u00f6rt, einfach nur, weil wir existieren, zu oft haben wir diese Gewalt direkt oder indirekt selbst erlebt. In der Theorie sind die\u201cHetero-Bars\u201d einfach Bars. Trotzdem unterscheiden wir zwischen ihnen und \u201cunseren Bars\u201d. Das kommt daher, dass wir uns oft genug nicht willkommen f\u00fchlen. Von aktiver und bewusster Diskriminierung mal abgesehen, denken wahrscheinlich mittlerweile viele \u00fcber die Queercommunity \u201cna sollen sie halt machen\u201d. Trotzdem geschehen so viele Verletzungen, dass wir uns unsere eigenen Bars schaffen m\u00fcssen um relativ unbeschwert Spa\u00df haben zu k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nun bleiben wir der Einfachheit halber gedanklich mal bei Bars: Sch\u00f6n und gut, es gibt nat\u00fcrlich gef\u00fchlt immer zu wenige, aber wir haben durchaus unsere Bars mit queerem Fokus, oft von Leuten aus der Community selbst gef\u00fchrt. Es berichten jedoch vorwiegend lesbische Frauen, dass sie sich oft genug in queeren Bars nicht ganz so wohl f\u00fchlen, diese haupts\u00e4chlich von schwulen M\u00e4nnern bev\u00f6lkert werden. Man k\u00f6nnte denken, vielleicht gibt es ja einfach mehr schwule M\u00e4nner als lesbische Frauen. Statistische Erhebungen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Und jetzt kommen auch noch wir trans*Personen und im Speziellen nicht-bin\u00e4re Menschen und wollen unseren angenehmen Barabend? Das ist doch absurd, wir sind doch eine viel zu kleine Gruppe um \u00fcberhaupt Rechte einfordern zu k\u00f6nnen, m\u00f6gen Manche sagen. Doch ich m\u00f6chte nicht-bin\u00e4re Menschen ermutigen ihre Rechte mit mehr Selbstbewusstsein einzufordern, wie ich es mir von allen Teilen der Community w\u00fcnsche! Womit wir beim Thema Stolz w\u00e4ren: Es ist okay zu sagen, wenn man sich unwohl f\u00fchlt. Gerade als Person, deren Geschlechtsidentit\u00e4t dauernd angezweifelt wird, ist es oft ein Problem sich selbst mit so einer gro\u00dfen Sicherheit zu verteidigen, dass wirklich klar wird wo genau die Verletzung gerade stattgefunden hat. Wir haben als nicht-bin\u00e4re  trans*Personen leider noch nicht die Sprache entwickelt, um unsere Diskriminierung sichtbar machen zu k\u00f6nnen. Allgemein trans*Personen, also bin\u00e4re und nicht-bin\u00e4re, stehen zur gesamten queeren Community oft in einem \u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnis, wie zum Beispiel schwule und lesbische zur Gesamtgesellschaft: \u201cBist du dir sicher, dass du trans* bist? Ist das nicht vielleicht nur eine Phase? Es ist ja okay, wenn du trans* bist, aber musst du das anderen so auf die Nase binden?\u201d Mittlerweile gibt es durch jahrzehntelangem selbstbewussten trans*Aktivismus ein mehr oder weniger breites Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Identit\u00e4ten trans*Frau und trans*Mann. Es ist zumindest ungef\u00e4hr klar worum es dabei geht, und auch wenn \u00fcber das Thema zu wenig und in diskriminierender Sprache gesprochen wird, liest man hier und da doch mal einen Artikel, sieht einen trans*Schauspieler, oder h\u00f6rt von einer trans*identen Abgeordneten. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch wo sehen wir konstruktive Debatten \u00fcber und mit nicht-bin\u00e4ren Menschen innerhalb und au\u00dferhalb der queeren Community? Und woran liegt das? <\/p>\n\n\n\n<p>Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die nicht-bin\u00e4re Gemeinschaft in reinen Zahlen einfach weniger vertreten ist als andere Gruppen. Dasselbe Problem haben auch andere Minderheiten, wodurch ihre Anliegen trotzdem nicht weniger wichtig sind. Wir m\u00fcssen uns nur bewusst sein, welche Aufgabe damit einhergeht: besonders stark zu k\u00e4mpfen! <\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte an dieser Stelle nun direkt den zweiten Teil unseres Bildes vom Anfang aufgreifen. Wir hatten schon Stolz, und jetzt kommt folgerichtig das Thema Vorurteil(e). Tats\u00e4chlich geht es mir dabei nicht, wie man vielleicht denken k\u00f6nnte, nur um die Vorurteile gegen\u00fcber nicht-bin\u00e4ren Personen, sondern auch um von ihnen ausgehende. Es ist n\u00e4mlich f\u00fcr unsere Sache von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, dass eben nicht die vorher angedeutete Segregation geschieht! Es darf einfach nicht sein, dass nur aus einer Arroganz heraus, die Gruppe zu sein die \u201cRecht\u201d hat, bin\u00e4re und nicht-bin\u00e4re Personen aufh\u00f6ren miteinander zu reden. Es muss verst\u00e4ndlich f\u00fcr nicht-bin\u00e4re Menschen sein wie wenig Wissen es noch \u00fcber das Thema gibt, weshalb ein wenig Nachsicht angebracht w\u00e4re. Es muss aber auch verst\u00e4ndlich sein, welches Wissen es bereits gibt, und dieses Wissen muss &#8211; wer h\u00e4tte es gedacht &#8211; verst\u00e4ndlich sein. Wir sollten uns also nicht in die Opferrolle begeben, und gleichzeitig aufzeigen, wo die Probleme liegen. <\/p>\n\n\n\n<p>In Anbetracht der bevorstehenden Vienna Pride m\u00f6chte ich also alle dazu aufrufen miteinander in Kontakt zu treten, Respekt f\u00fcr Personen zu haben die einem nicht so \u00e4hnlich sind wie man es vielleicht gerne h\u00e4tte und sich nachsichtig zu zeigen. Geduld mit denen zu haben die das Konzept nicht-bin\u00e4re noch nicht verstehen, aber auf der anderen Seite Geduld mit uns nicht-bin\u00e4ren zu haben, da es f\u00fcr uns momentan noch schwierig ist uns in vollem Umfang zu erkl\u00e4ren. Die Community ist noch immer in einer Art Findungsphase, verwechseln wir Selbstbewusstsein nicht mit Arroganz, denn beide liegen in dem Wort Pride dicht beieinander. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine etwas andere Liebesgeschichte. 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