{"id":9549,"date":"2025-05-30T00:28:00","date_gmt":"2025-05-29T22:28:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9549"},"modified":"2025-05-30T07:55:08","modified_gmt":"2025-05-30T05:55:08","slug":"was-ist-es-uns-wert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9549","title":{"rendered":"Was ist es uns wert?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Hallo an alle unsere gesch\u00e4tzten regelm\u00e4\u00dfigen Leser*innen! Ein herzliches Willkommen auch an alle, die uns vielleicht zum ersten Mal in der Hand halten, etwa durch unsere Kooperation zur Vienna Pride, die diese Ausgabe \u00f6sterreichweit sichtbar macht. <\/p>\n\n\n\n<p>Und schon sind wir mittendrin in unserer Debatte, welche Partnerschaften im Kampf f\u00fcr Menschenrechte sinnvoll sind, und wo wird unsere traditionsreiche Geschichte als LGBTIQ-Community lediglich genutzt, ohne echten Einsatz f\u00fcr unsere Anliegen? <\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen nennt man Pink-Washing, oder neuerdings Rainbow-Washing, gezieltes Marketing, das ein Unternehmen als besonders queerfreundlich darstellen soll, um von Problemen wie Ausbeutung, Diskriminierung oder fragw\u00fcrdigen Gesch\u00e4ftsmodellen abzulenken. Dabei wird echtes Interesse an unserer Community oft nur vorget\u00e4uscht, das eigentliche Ziel ist Profitmaximierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein klassisches Beispiel sind die j\u00e4hrlichen Pride-Kollektionen von Fast-Fashion-Ketten wie H&amp;M. Obwohl sie mit bunten Statements werben, nehmen sie f\u00fcr eine m\u00f6glichst kosteng\u00fcnstige Produktion nach wie vor weltweite Menschenrechtsverletzungen in Kauf. H&amp;M war eine der ersten globalen Marken, die diesen Schritt wagten, zu einer Zeit, als queere Anliegen zunehmend in den Mainstream dr\u00e4ngten. Pl\u00f6tzlich galt es als schick, Teil einer Bewegung mit so einer Erfolgsgeschichte zu sein. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem: Die Community selbst profitierte kaum davon. Anfangs wurde keine faire Beteiligung erm\u00f6glicht, sp\u00e4ter flossen zwar Teile der Einnahmen an lokale Organisationen, aber reicht das? Andere Firmen zogen nach, vermieden manche Fehler, gingen aber \u00e4hnliche Risiken ein. Denn letztlich entscheiden realistisch gesehen Umsatzzahlen, ob ein Unternehmen sich eine \u00f6ffentliche Positionierung schlichtweg leisten kann. Manchmal ist es aber auch umgekehrt, und sie k\u00f6nnen es sich wirtschaftlich nicht leisten, sich nicht f\u00fcr uns zu positionieren; dann kommt es besonders oft zu Konflikten bei der Umsetzung. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIhr werdet mit Sichtbarkeit entlohnt\u201c klingt auf den ersten Blick vielleicht nach einem guten Deal, vor allem, wenn man bedenkt, wie lange unsere Community schon marginalisiert wurde. Doch wir bleiben zu Recht skeptisch. Was ist, wenn sich der politische Wind wieder dreht wie sich gerade abzuzeichnen scheint? Zu oft wurden wir fallen gelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauen entsteht nur durch Erfahrung, und diese wird gerade auf die Probe gestellt, etwa durch Entwicklungen in den USA, wo sogar vermeintliche Verb\u00fcndete wie Disney einerseits auf queeres Publikum setzen, gleichzeitig aber mit ihren Gewinnen Kampagnen und Gesetzesvorhaben gegen unsere Rechte mitfinanzieren. Auch Elon Musks rechte Parolen zeigen, in manchen Wirtschaftskreisen scheint es wieder salonf\u00e4hig zu sein, uns zum S\u00fcndenbock zu degradieren.<\/p>\n\n\n\n<p>All das zeigt, Allianzen mit der Wirtschaft k\u00f6nnen durchaus zweischneidig sein. W\u00e4hrend Rechtspopulist*innen weltweit B\u00fcndnisse mit Unternehmen eingehen, hat sich \u00d6sterreich in den letzten Jahren auch als Beispiel hervorgetan, wie politischer Druck durch Firmen positiven Wandel bringen kann, etwa beim Ende des Blutspendeverbots f\u00fcr homo- und bisexuelle M\u00e4nner, bzw. trans Personen. Doch das w\u00e4re nie m\u00f6glich gewesen ohne unseren stetigen aktivistischen Einsatz. Deshalb reichen Lippenbekenntnisse nicht, wir fordern finanzielle Unterst\u00fctzung und strukturellen Wandel. Genau hier setzt die Vienna Pride an, als zweiw\u00f6chiges Gro\u00dfevent verlangt sie von Kooperationspartnern, konkrete Bedingungen zu erf\u00fcllen. So entsteht  Ver\u00e4nderung innerhalb der Firmen und infolgedessen f\u00fcr eine breitere \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige internationale Prides orientieren sich inzwischen an diesem Modell. Denn wenn es etwa kein internes LGBTIQ-Netzwerk oder keine Fortbildungen zu Diversit\u00e4t gibt, l\u00e4sst sich von au\u00dfen schwer beurteilen, ob es sich nur um Ignoranz oder doch um Rainbow-Washing handelt. Gerade f\u00fcr kleine Initiativen k\u00f6nnen Kooperationen \u00fcberlebenswichtig sein. Doch auch sie m\u00fcssen sich fragen: Wollen wir Teil eines Fortschritts sein, oder lassen wir uns nur vor den Werbewagen spannen?<\/p>\n\n\n\n<p>Davon, und was uns gerade als Community sonst noch bewegt, handelt die vorliegende Ausgabe. Wir w\u00fcnschen viel Spa\u00df!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo an alle unsere gesch\u00e4tzten regelm\u00e4\u00dfigen Leser*innen! 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