{"id":9505,"date":"2025-05-30T00:18:00","date_gmt":"2025-05-29T22:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9505"},"modified":"2025-06-04T21:27:35","modified_gmt":"2025-06-04T19:27:35","slug":"leitbilder-vs-realitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9505","title":{"rendered":"Leitbilder vs. Realit\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Unser Gesundheitssystem<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Jeder Mensch ben\u00f6tigt irgendwann in seinem Leben medizinische Versorgung; von einfachen Besuchen bei praktischen \u00c4rztInnen* bis hin zu komplexen Operationen ist das medizinische Spektrum, mit dem \u00c4rztInnen* und Krankenh\u00e4user behandeln, gro\u00df. Eben diese Behandlungsst\u00e4tten sind die erste und oftmals auch letzte Anlaufstelle um diverse Leiden zu behandeln. PatientInnen* setzen ein au\u00dferordentlich gro\u00dfes Ma\u00df an Vertrauen in \u00c4rztInnen* und Pflegepersonal, besonders bei einer station\u00e4ren Aufnahme in ein Krankenhaus. Den PatientInnen* bleibt in diesen F\u00e4llen nicht viel anderes \u00fcbrig als darauf zu hoffen, dass man ihre Beschwerden ernst nimmt, sie als Personen respektiert und sie nach neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft behandelt und pflegt. Umso erschreckender und trauriger ist es, dass gerade die queere Community nicht selten Anfeindungen, Abneigung und Ausgrenzung ausgesetzt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die UN-Menschenrechtscharta von 1984 legte einen Grundsatz fest, der wohl den meisten bekannt ist: \u201eAlle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren.\u201c Was eigentlich selbstverst\u00e4ndlich sein sollte, wird leider in vielen L\u00e4ndern der Welt nicht gelebt und auch in \u00d6sterreich, einem Land in dem die Rechte von Frauen und queeren Menschen schon deutlich weiter fortgeschritten sind als in manchen anderen L\u00e4ndern, kommt es immer wieder vor, dass genau dieser Grundsatz nicht vollkommen beachtet wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Krankenh\u00e4user und Pflegeeinrichtungen setzen sich h\u00e4ufig selbst eine Leitlinie, anhand derer die Behandlung der Einrichtung orientiert sein soll. Hier zwei Beispiele daf\u00fcr, wie diese aussehen k\u00f6nnen: Das AKH Wien schreibt auf seiner Website: \u201eIm Mittelpunkt unserer T\u00e4tigkeit steht der Patient, seine Individualit\u00e4t und sein Wohlbefinden\u201c; das Hanusch-Krankenhaus Wien schreibt \u00fcber sich: \u201eDas Menschenbild der Pflege ist stark von der Ganzheitlichkeit gepr\u00e4gt. Selbstbestimmung und Individualit\u00e4t haben einen hohen Stellenwert in der Planung, Koordination und Durchf\u00fchrung pflegerischer Ma\u00dfnahmen, sowie in der Betreuung und Behandlung im multidisziplin\u00e4ren Team. [\u2026]\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Aber wird Individualit\u00e4t, insbesondere auch queere Einzigartigkeit, in der Praxis wirklich respektiert? Der LGBTIQ+ Gesundheitsbericht 2022 zeigte, dass sich 54% der befragten queeren Personen innerhalb der letzten 2 Jahre aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentit\u00e4t oder anderer Merkmale im Gesundheitsbereich selten bis h\u00e4ufig diskriminiert f\u00fchlten. Besonders h\u00e4ufig betroffen waren dabei inter* und trans* Personen. Gleichzeitig gaben nur 45% der cis Personen an, sich selten bis h\u00e4ufig im Gesundheitsbereich diskriminiert gef\u00fchlt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Derartige Diskriminierung hat viele Gesichter. Im Gesundheitsbericht gaben TeilnehmerInnen* an, Abweisung und Behandlungsverweigerung, Druck, sich bestimmten Ma\u00dfnahmen\/Behandlungen zu unterziehen, unangebrachte Kommentare, Erniedrigung, Dem\u00fctigung und Beleidigungen sowie Diagnosestellungen und Behandlungen, die ohne Zusammenhang mit deren eigentlichem gesundheitlichen Problem erfolgten, erlebt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Folgen hat das?<\/h3>\n\n\n\n<p>Derartige negative Erfahrungen durch Gesundheitsdienstleister k\u00f6nnen zu psychischer Belastung f\u00fchren, die sich auch auf die k\u00f6rperliche Gesundheit auswirken und im schlechtesten Fall sogar den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiters kann sich so Unsicherheit oder gar Angst davor entwickeln, \u00c4rztInnen* oder Krankenanstalten aufzusuchen, was potenziell verheerende Folgen haben kann, wenn ein ernstes gesundheitliches Problem aufgrund dieser Angst erst zu sp\u00e4t untersucht, diagnostiziert und behandelt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Alle Teilbereiche unseres Gesundheitssystems sind daher dazu angehalten, sich ihrer Verantwortung bewusst zu sein und einen diskriminierungsfreien Zugang zu gesundheitlicher Versorgung zu gew\u00e4hrleisten. Das Bundesministerium f\u00fcr Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz k\u00fcndigte als Antwort auf den von ihnen in Auftrag gegebenen LGBTIQ+ Gesundheitsbericht 2022 kurz- und mittelfristig Sensibilisierungsprogramme f\u00fcr Gesundheitsberufe an. Umgesetzt wurde davon (soweit \u00f6ffentlich ersichtlich) noch nichts.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Welche Rechte habe ich als PatientIn*? Wo kann ich mir Hilfe holen?<\/h3>\n\n\n\n<p>PatientInnen*-Rechte sind in \u00d6sterreich gesetzlich gesch\u00fctzt und in einer Patientencharta zusammengefasst. In dieser finden sich etwa die Rechte auf Behandlung und Pflege, Achtung der Patientenw\u00fcrde, Selbstbestimmung und Recht auf Information und Dokumentation. All diese Rechte hat jeder Mensch unabh\u00e4ngig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Verm\u00f6gen, Religion, Art oder Ursache der Krankheit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Anliegen, insbesondere beim Verdacht auf fehlerhafte Behandlung oder Diskriminierung, gibt es in jedem Bundesland eine Patientenanwaltschaft. Diese sind zu Verschwiegenheit verpflichtet und stehen kostenfrei bereit um die Rechte von PatientInnen* in Krankenh\u00e4usern zu sichern. In den meisten Bundesl\u00e4ndern befassen sie sich auch mit der Sicherung der Rechte bei niedergelassenen \u00c4rztInnen* und in Pflegeheimen\/Pflege- und Betreuungszentren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch in manchen Krankenh\u00e4usern und Krankenkassen gibt es eigene Ombudsstellen, die sich mit diesbez\u00fcglichen Beschwerden befassen. Viele Menschen nutzen die M\u00f6glichkeiten der Patientenanwaltschaften trotz deren niederschwelligen und kostenfreien Zug\u00e4nglichkeit leider nicht. Wenn Missst\u00e4nde allerdings nie angesprochen werden, k\u00f6nnen diese auch nicht an den zust\u00e4ndigen Stellen aufscheinen, weshalb es f\u00fcr alle Betroffenen und potenziell zuk\u00fcnftigen Betroffene wichtig ist, diese M\u00f6glichkeit auch wirklich zu nutzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat ein\/e PatientIn* in einem \u00f6ffentlichen oder gemeinn\u00fctzigen Krankenhaus einen Schaden erlitten, besteht eventuell die M\u00f6glichkeit auf eine finanzielle Entsch\u00e4digung aus dem Patientenentsch\u00e4digungsfonds. Die Patientenanwaltschaft f\u00fchrt in diesem Fall das Verfahren und es entstehen keine Kosten f\u00fcr den\/die PatientIn*.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.gesundheit.gv.at\/gesundheitsleistungen\/institutionen\/patientenanwalt.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.gesundheit.gv.at\/gesundheitsleistungen\/institutionen\/patientenanwalt.html\">Liste der Patientenanwaltschaften<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Gesundheitssystem Jeder Mensch ben\u00f6tigt irgendwann in seinem Leben medizinische Versorgung; von einfachen Besuchen bei praktischen \u00c4rztInnen* bis hin zu komplexen Operationen ist das medizinische Spektrum, mit dem \u00c4rztInnen* und Krankenh\u00e4user behandeln, gro\u00df. Eben diese Behandlungsst\u00e4tten sind die erste und oftmals auch letzte Anlaufstelle um diverse Leiden zu behandeln. 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