{"id":9487,"date":"2025-05-30T00:14:00","date_gmt":"2025-05-29T22:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9487"},"modified":"2025-06-04T21:06:23","modified_gmt":"2025-06-04T19:06:23","slug":"gewinn-statt-gleichstellung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9487","title":{"rendered":"Gewinn statt Gleichstellung"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie Unternehmen der LGBTQIA+ Community in den R\u00fccken fallen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Am 05.11.2024 wurde Donald Trump erneut zum Pr\u00e4sidenten der USA gew\u00e4hlt. Schon davor konnte er auf die Unterst\u00fctzung von Milliard\u00e4ren wie Elon Musk setzen, der sich dadurch einen Posten in der Regierung sichern konnte. Schon zu seinem Amtsantritt kamen viele mehr dazu. Die Feierlichkeiten zur Amtseinf\u00fchrung bieten Unternehmen und wohlhabenden Privatpersonen die M\u00f6glichkeit, Parteien oder designierte Pr\u00e4sidenten zu unterst\u00fctzen und sich bei k\u00fcnftigen Regierungen einzuschmeicheln. Bei seiner diesj\u00e4hrigen Amtseinf\u00fchrung erzielte Trump mehr als das Doppelte seines Rekords von 2017, n\u00e4mlich ganze 239.000.000 US-Dollar. Neben Fleischerzeugern und \u00d6l- und Gasunternehmen haben vor allem Tech- und Kryptounternehmen viel dazu beigetragen. Folgende bekannte Unternehmen oder CEOs haben eine Million US-Dollar f\u00fcr die Amtseinf\u00fchrung Trumps gespendet: Adobe, Amazon, Apple, AT&amp;T, Bayer, Google, Meta, Microsoft, OpenAI, Toyota und Uber. Alle der genannten Unternehmen haben in der Vergangenheit Marketing mit der LGBTQIA+ Community betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Firmenw\u00e4gen auf Prides sind nichts Neues. Mittlerweile kommt kaum eine Parade ohne die Finanzierung von Unternehmen aus. Genau das wird jetzt zum Problem. Denn durch die Wiederwahl von Donald Trump zieht eine Vielzahl von Unternehmen ihre Unterst\u00fctzung der LGBTQIA+ Community zur\u00fcck. Das betrifft Pride-Paraden, aber auch Anti-Diskriminierungsma\u00dfnahmen am Arbeitsplatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Donald Trump erlie\u00df schon im Januar 2025 eine Durchf\u00fchrungsverordnung zur Beendigung der bundesstaatlichen DEI-Programme. Der Begriff DEI steht f\u00fcr Diversity, Equity and Inclusion und wird f\u00fcr Richtlinien zur Verbesserung der Repr\u00e4sentation und Interessenvertretung verschiedener Personengruppen verwendet. Er kann Personen unterschiedlicher Herkunft, Geschlechts, Religion, Ethnizit\u00e4t, Behinderung, Alter, Kultur und sexueller Orientierung umfassen. Durch das Dekret beendete NASA ihr Programm zur Diversit\u00e4t, Gleichberechtigung, Inklusion und Barrierefreiheit, entfernte Ausdr\u00fccke wie Indigene V\u00f6lker, Umweltschutz und Frauen in F\u00fchrungspositionen von ihrer Webseite und forderte Mitarbeiter:innen auf, ihre Pronomen zu entfernen. Diese Verordnung betrifft nur bundesstaatliche Organisationen und Unternehmen. Dennoch machten auch viele private Firmen ohne Regierungsauftr\u00e4ge diesen Schritt. Gro\u00dfe Firmen im ganzen Land haben begonnen, ihre Bem\u00fchungen um Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion zur\u00fcckzufahren, diese Richtlinien zu \u00e4ndern oder Initiativen ganz aufzugeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier eine (vermutlich unvollst\u00e4ndige) Liste dieser Unternehmen: Accenture, Amazon, Bank of America, BlackRock, Boeing, Brown-Forman (Jack Daniel\u2019s), Caterpillar, Chipotle, Citigroup, Coca-Cola, Comcast, Constellation Brands Inc. (Corona), Deloitte, Disney, Ford, Gannett (USA Today), General Electric (GE), General Motors, Goldman Sachs, Google, Harley-Davidson, IBM, Intel, John Deere, JPMorgan Chase, Lowe&#8217;s, McDonald&#8217;s, Meta (Facebook, Instagram, WhatsApp), MLB, Molson Coors, Morgan Stanley, Nissan, OpenAI, Paramount, PayPal, PepsiCo, Saleforce (Slack), Stanley Black &amp; Decker, State Street, Target, Toyota, Tractor Supply Company, UnitedHealth Group, Victoria\u2019s Secret, Warner Bros. Discovery, Wells Fargo, Walmart.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich fordert die US-Regierung in einem Schreiben EU-Unternehmen dazu auf, sich an Trumps Verordnung gegen die F\u00f6rderung von Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration zu halten. Hier eingeknickt sind Aldi S\u00fcd und T-Mobile bei ihren Tochterunternehmen in den USA, sowie der Softwarekonzern SAP in Deutschland. Vor wenigen Wochen fanden Jobinteressenten auf der US-Website von Aldi S\u00fcd noch Informationen \u00fcber Diversit\u00e4t, Gleichstellung und Inklusion. Nun hat der Discounter diesen Bereich augenscheinlich gel\u00f6scht. Zudem beendet die amerikanische Telekom-Tochter T-Mobile ihre Diversit\u00e4ts-Programme. Und auch der deutsche Softwarekonzern SAP gibt sein Ziel auf, einen Frauenanteil von 40 Prozent in der Belegschaft zu erreichen. Au\u00dferdem will das DAX-notierte Unternehmen bei der Verg\u00fctung des Vorstands die Geschlechtervielfalt nicht mehr als Bewertungsma\u00dfstab ber\u00fccksichtigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer US-Umfrage gaben fast 40 % der Unternehmen an ihr Engagement f\u00fcr den Pride Monat zur\u00fcckzufahren. Auch gro\u00dfe Pride-Organisationen in den USA geben bekannt, dass Firmensponsoren ihre finanzielle Unterst\u00fctzung in diesem Jahr zur\u00fcckgezogen haben. Bei der San Francisco Pride besteht ein Verlust von 200.000 US-Dollar an Firmensponsorengeldern, weil Comcast, Anheuser-Busch (Bud Light), sowie Diageo (Guinness) ihre Unterst\u00fctzung beendet haben. Houston Pride berichtet, dass einige Firmensponsoren ihre Unterst\u00fctzung um bis zu 75 % gek\u00fcrzt h\u00e4tten, was einem Gesamtverlust von 100.000 US-Dollar an Geldern entspreche. Viele Orgas, wie auch NYC Pride, greifen nun auf Crowdfunding zur\u00fcck, um die Demonstrationen weiterhin finanzieren zu k\u00f6nnen. Aber nicht nur US-St\u00e4dte sind betroffen, der kanadischen Pride in Toronto sind drei US-Unternehmen abgesprungen, darunter Nissan. Auch der CSD Berlin beklagt einen Wegfall von 200.000 US-Dollar Sponsorengeldern. Insbesondere amerikanische Unternehmen ziehen sich aus der Pride-F\u00f6rderung zur\u00fcck, aber auch deutsche Unternehmen sind zur\u00fcckhaltender.<\/p>\n\n\n\n<p>Firmen sind Opportunisten. Es geht im Kapitalismus nur darum, so viel Geld wie m\u00f6glich zu machen. Die Kaufkraft der LGBTQIA+ Community wird auf 3,7 Billionen US-Dollar pro Jahr gesch\u00e4tzt. Da hat es f\u00fcr eine Zeit betriebswirtschaftlich Sinn ergeben, ein queerfreundliches Image zu erschaffen. Das sofortige Umfallen vieler Unternehmen zeigt: Sobald die Werbung mit der queeren Community und anderen marginalisierten Gruppen weniger wirtschaftlichen Nutzen bringt, endet auch ihr Support. Wir m\u00fcssen also wieder lernen, ohne Unternehmen auszukommen und Alternativen schaffen. Die erste Pride war ein Aufstand. Firmen werden uns nicht retten, aber wir werden es tun.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Text von Skye Ebner<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie Unternehmen der LGBTQIA+ Community in den R\u00fccken fallen Am 05.11.2024 wurde Donald Trump erneut zum Pr\u00e4sidenten der USA gew\u00e4hlt. 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