{"id":9481,"date":"2025-05-30T00:13:00","date_gmt":"2025-05-29T22:13:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9481"},"modified":"2025-05-29T20:33:50","modified_gmt":"2025-05-29T18:33:50","slug":"symbiose-rainbow-washing","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9481","title":{"rendered":"Symbiose Rainbow-Washing"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">1. Juli, 00:01, der Pride-Monat ist vorbei. Die Firmengeb\u00e4ude nehmen Regenbogenflaggen herunter, die Social Media Accounts \u00e4ndern ihr Profilbild zur\u00fcck auf das Logo ohne Regenbogen, die Artikel mit aufgedruckten Regenb\u00f6gen verschwinden aus dem Sortiment. Einen Monat lang profitieren und ein tolerantes, weltoffenes Firmengesicht zeigen, aber dann reichts auch wieder bis zum n\u00e4chsten Sommer. Dieser umstrittene Trend nennt sich \u201aRainbow-Washing\u2018 und ist eine scheinbare Unterst\u00fctzung der LGBTQ+ Community, meist zu Marketing- und PR-Zwecken, ohne konkrete Ma\u00dfnahmen zur Antidiskriminierung oder unterst\u00fctzende Forderungen zu etablieren. Klingt im ersten Moment sehr negativ, ist aber alles daran so schlecht?<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sichtbarkeit durch Massenkonsum<\/h3>\n\n\n\n<p>Denken wir etwas zur\u00fcck, nicht einmal zehn Jahre: Gab es jemals eine Zeit, in der queere Sichtbarkeit auf irgendeine Art und Weise entstanden ist, die nicht der unerm\u00fcdlichen Arbeit und dem Einsatz von queeren Aktivist*innen selbst zu verdanken ist? Gab es jemals eine Zeit, wo die Regenbogenflagge, oder sogar die Transflagge, auf Produkten abgebildet war, welche in Gesch\u00e4ften der Allgemeinheit (z.B. Superm\u00e4rkte) zu erwerben waren? Denken wir zum Beispiel an Produkte wie den Lippenbalsam Labello, der mittlerweile in mehreren Pride-Designs verkauft wird, oder Nivea, welche eine Version der bekannten Cremedose mit der Regenbogen- und Transflagge aufgedruckt herausgebracht hat. Gro\u00dfe Kleidungsunternehmen wie H&amp;M, Calvin Klein, Versace oder Levi\u2019s bringen Pride-Kollektionen auf den Markt, in denen Kleidungsst\u00fccke ein buntes Unternehmenslogo aufgen\u00e4ht haben, oder auf denen bunten Elemente integriert sind. Kritik an Nivea und anderen Markenproduk\u00adten gibt es nat\u00fcrlich genug \u2013 aber f\u00fcr diesen Moment konzentrieren wir uns auf die Tatsache, dass queere Flaggen mittlerweile salonf\u00e4hig genug geworden sind, um sie auf beliebten Markenprodukten aufzudrucken bzw. in etablierten Gro\u00dfkonzernen zu vermarkten. <\/p>\n\n\n\n<p>Kommen wir zu einem weiteren Gedankenexperiment: Gehen wir davon aus, dass an einem Tag etwa 500 Kund*innen eine Drogerie besuchen, welche zum Beispiel den Labello mit Regenbogen-Designs verkauft. Pro Tag gehen also 500 Menschen jeglichen Alters, Herkunft, Sozialschicht und, am wichtigsten, jeglicher politischen Einstellung daran vorbei. Bei etwa 1500 Drogerien in \u00d6sterreich, sind das etwa 187 Millionen Situationen pro Jahr, in denen diese Produkte gesehen werden k\u00f6nnten. Diese enorme Zahl gibt uns einen kleinen Einblick, wie gewaltig die Konsumg\u00fcterbranche ist, aber gleichzeitig auch, welchen gewaltigen Einfluss diese hat. Zusammenfassend k\u00f6nnte man nun \u00fcberspitzt behaupten, dass allein die Existenz von Artikeln mit Pride-Aufdruck einen ganz besonderen Teil zur Sichtbarkeit von Queerness leistet \u2013 somit entsteht eine Art Symbiose (gegenseitiger Nutzen) zwischen den Unternehmen, die Profit machen wollen, und queeren Menschen, die von Sichtbarkeit profitieren. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sichtbarkeit um jeden Preis?<\/h3>\n\n\n\n<p>Menschen kaufen gerne Dinge, welche sie repr\u00e4sentieren \u2013 sei es eine Tasse mit der Lieblingsserie, eine Kette mit dem eigenen Sternzeichen, oder eben ein Produkt mit der Regenbogenflagge. W\u00e4re es besser, wenn diese Produkte tats\u00e4chlich einen Mehrwert f\u00fcr die Community br\u00e4chten? Nat\u00fcrlich. Langfristig gesehen muss sich etwas ver\u00e4ndern, nur sch\u00f6n bedruckte Produkte werden auf Dauer nicht reichen. Kritik und Mahnung vor Rainbow-Washing sollten nat\u00fcrlich immer ausgesprochen werden. Aber: Diversit\u00e4tsmanagement in Unternehmen ist m\u00fchsam und ein langer Weg. Die im Juni aufgeh\u00e4ngte Regenbogenflagge zum Beispiel ist nat\u00fcrlich nur eine minimale Ma\u00dfnahme, aber auf dieser minimalen Basis kann aufgebaut werden. Vielleicht reicht es dieses Jahr nur f\u00fcr die Flagge, aber n\u00e4chstes Jahr gibt es eventuell eine Teilnahme an der Pride und wiederum im Jahr darauf m\u00f6glicherweise eine Spendenaktion f\u00fcr eine queere Organisation. Wenn wir es schaffen, die Konsumbranche f\u00fcr queere Sichtbarkeit zu nutzen, dann k\u00f6nnen wir Schritt f\u00fcr Schritt viel erreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Juli, 00:01, der Pride-Monat ist vorbei. Die Firmengeb\u00e4ude nehmen Regenbogenflaggen herunter, die Social Media Accounts \u00e4ndern ihr Profilbild zur\u00fcck auf das Logo ohne Regenbogen, die Artikel mit aufgedruckten Regenb\u00f6gen verschwinden aus dem Sortiment. 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