{"id":9476,"date":"2025-05-30T00:12:00","date_gmt":"2025-05-29T22:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9476"},"modified":"2025-06-04T21:57:17","modified_gmt":"2025-06-04T19:57:17","slug":"das-ende-des-regenbogenkapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9476","title":{"rendered":"Das Ende des  Regenbogenkapitalismus?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum Rainbow-Washing abnimmt \u2013 und das keine gute Nachricht ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Mit dem Beginn des Pride Month stehen eigentlich Regenbogenflaggen, queere Sichtbarkeit und Diversity-Kampagnen auf dem Programm. Und der Juni ist auch die Zeit des Pinkwashings. Doch in den letzten Jahren ist es stiller geworden. Immer mehr Unternehmen ziehen sich von der Pride zur\u00fcck \u2013 und offenbaren damit einen kulturellen Wandel.<\/p>\n\n\n\n<p>Die westliche Welt r\u00fcckt nach rechts. Donald Trump ist zur\u00fcck im Wei\u00dfen Haus (help\u2026), in Europa gewinnen rechtsextreme und christlich-reaktion\u00e4re Kr\u00e4fte zunehmend an Einfluss. Queeres Leben wird wieder vermehrt zum Feindbild erkl\u00e4rt, insbesondere trans* Jugendliche geraten zunehmend ins Fadenkreuz politischer Kulturk\u00e4mpfe. Mit diesem globalen rechtskonservativen Backlash vollzieht sich auch eine leise, aber sp\u00fcrbare Distanzierung der Wirtschaft von der queeren Bewegung. Man sieht immer weniger Regenbogen-Logos, immer weniger Pride-Kampagnen, immer weniger Haltung. Der einst so bunte Kapitalismus verblasst. Der R\u00fcckgang von Rainbow-Washing ist eine direkte Folge dieses Backlashes \u2013 und zeigt, wie br\u00fcchig die vermeintliche Solidarit\u00e4t war und ist. Dieser politische Klimawandel wurde mit der Wiederwahl Trumps nun noch einmal versch\u00e4rft und hat auch Auswirkungen auf die europ\u00e4ische Community.<\/p>\n\n\n\n<p>2023 und 2024 zogen Konzerne wie Starbucks, Target oderAnheuser-Busch (Bud Light) ihre Pride-Produkte nach konservativen Boykottaufrufen zur\u00fcck, passten Kampagnen an oder beendeten Kooperationen mit queeren Influencer*innen. Auch in Europa zeigen sich die Auswirkungen dieser Entwicklung: Im April wurde bekannt, dass sich wichtige US-Sponsoren vom CSD K\u00f6ln zur\u00fcckziehen. Mit Hinblick auf die guten Wahlergebnisse von offen queerfeindlichen Parteien wie der AfD (Bundestagswahl 2025: 21%) und der FP\u00d6 (Nationalratswahl 2024: 29%) ist zu erwarten, dass Pride-Veranstalter*innen auch hier immer gr\u00f6\u00dfere Schwierigkeiten haben k\u00f6nnten, Sponsor*innen zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar, viele Konzerne und Pers\u00f6nlichkeiten, die mit Queerness werben, k\u00fcmmern sich nicht um unsere Lebensrealit\u00e4ten (Gr\u00fc\u00dfe an Katy Perry). Aber so oberfl\u00e4chlich und profitgetrieben viele Pride-Kampagnen sind \u2013 sie sind auch ein Indikator f\u00fcr eine gesellschaftliche Offenheit. Viele Unternehmen erhoffen sich durch die Unterst\u00fctzung der Pride eine Verbesserung des eigenen Images und erh\u00f6hte Ums\u00e4tze. Dass immer mehr Firmen offenbar das Risiko von solchen Kampagnen h\u00f6her als ihren Nutzen einsch\u00e4tzen, ist beunruhigend. Besonders f\u00fcr junge Queers kann es au\u00dferdem viel bedeuten, wenn die Lieblingsmarke in ihrer Werbung ein queeres Paar zeigt oder wenn der*die eigene Arbeitgeber*in die Regenbogenflagge hisst. Gerade dann, wenn Schule, Familie oder Religion wenig R\u00fcckhalt bieten, schaffen solche Gesten Sichtbarkeit und ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Unternehmen heute seltener queere Themen aufgreifen, liegt nicht daran, dass unsere Community leiser geworden w\u00e4re \u2013 sondern daran, dass der gesellschaftliche Gegenwind st\u00e4rker geworden ist. Rainbow-Washing verschwindet nicht, weil Konzerne sich pl\u00f6tzlich der Kritik aus der Community angenommen h\u00e4tten, sondern weil queere Themen wieder als Risiko f\u00fcr ihren Profit gelten. Der Markt reagiert auf Machtverh\u00e4ltnisse \u2013 und die verschieben sich gerade sp\u00fcrbar nach rechts. Umso wichtiger ist es jetzt, andere Formen der Solidarit\u00e4t weiter zu st\u00e4rken: Community-Arbeit, queere Jugendarbeit, Bildungsarbeit, die Schaffung von mehr Safer Spaces, politische Interessenvertretung und mediale Repr\u00e4sentation. Es liegt an uns als Community, diese Solidarit\u00e4t jenseits des Marktes zu leben, f\u00fcreinander einzustehen und uns politisch einzubringen. Es ist an der Zeit, aktiv Organisationen zu unterst\u00fctzen, die sich f\u00fcr unsere Rechte einsetzen, damit queere Themen nicht wieder in den Hintergrund gedr\u00e4ngt werden. Unternehmen k\u00f6nnen dabei Verb\u00fcndete sein, aber nur wenn sie das auch in schwierigen Zeiten bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Text von Daniel Scheibner<\/strong><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum Rainbow-Washing abnimmt \u2013 und das keine gute Nachricht ist Mit dem Beginn des Pride Month stehen eigentlich Regenbogenflaggen, queere Sichtbarkeit und Diversity-Kampagnen auf dem Programm. Und der Juni ist auch die Zeit des Pinkwashings. Doch in den letzten Jahren ist es stiller geworden. 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