{"id":9472,"date":"2025-05-30T00:11:00","date_gmt":"2025-05-29T22:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9472"},"modified":"2025-05-29T20:26:02","modified_gmt":"2025-05-29T18:26:02","slug":"do-you-want-to-be-a-powerful-boy-elf-or-a-hot-girl-elf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=9472","title":{"rendered":"Do you want to be a powerful boy elf or a hot girl elf"},"content":{"rendered":"\n<p><em>(Zitat von Verity Ritchie<\/em>)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Skyrim wird dieses Jahr 16 und die Gaming-Community steckt noch immer in derselben bin\u00e4ren Geschlechterordnung fest wie damals. Unrealistische Sch\u00f6nheitsideale verfolgen Gamer*innen in die digitale Welt und dominieren das Erscheinungsbild der Spielfiguren \u2013 weiblich gelesene (humanoide) Charaktere sind sexy und M\u00e4nnlichkeit muss sich klar vom \u201eGay-Sein\u201c\/ Queerness abgrenzen. Fanservice, der sich an andere Demografiken richtet, wird den cis-m\u00e4nnlichen Spielern erst gar nicht zugemutet. Vor allem, wenn sich diese alteingesessene Zielgruppe bei jeder Kleinigkeit \u00fcber sogenannte \u201eWokeness\u201c aufregt, siehe beispielsweise das Drama um Stellar Blade und dessen Zensur eines ultra-freiz\u00fcgigen Outfits der weiblichen Hauptfigur (es handelt sich um eine Handvoll Pixel beim Dekollet\u00e9). Weniger \u201eboobs\u201c sind tats\u00e4chlich sehr woke.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese bin\u00e4re Zweigeschlechterordnung bzw. Zweigeschlechtlichkeit ist das Produkt unserer westlichen (durch den Kolonialismus auch zwangsweise vieler nichtwestlichen) patriarchalen Gesellschaften, welches das Leben der Menschen und ihre sozialen Rollen in zwei bei der Geburt zugeordnete Geschlechter eingrenzt, die klar voneinander trennbar sind. Geschlecht ist allerdings zu gro\u00dfen Teilen sozial konstruiert und kulturell gepr\u00e4gt. Der Zwang alles Menschliche in dieses fundamental bin\u00e4re System einzuschlie\u00dfen, l\u00e4sst keinen Raum f\u00fcr Androgynie und Selbstbestimmung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>the differences between genders are much smaller than the differences across the same gender \u2013 @ ioannam605 (auf YouTube)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcberraschend ist es daher nicht, dass die queere Gaming-Community sich nach Diversit\u00e4t und Repr\u00e4sentation sehnt. Die Gaming-Industrie \u201eleidet\u201c wie jede andere an der Krankheit der Profit-Priorisierung. Wie bei den \u00fcblichen Start-Ups m\u00fcssen die Investoren davon \u00fcberzeugt werden, dass das zuk\u00fcnftige Produkt ihnen Profit einbringen wird. Je diverser die Zielgruppe, je gr\u00f6\u00dfer der Aufwand f\u00fcr die Umsetzung, desto gr\u00f6\u00dfer die Kosten und die Risiken, welche Investoren und alle Involvierten auf sich nehmen. Das Risiko, die Zielgruppe zu erweitern und dadurch bestimmte Fans abzuschrecken, zu entt\u00e4uschen und im Endeffekt m\u00f6gliche K\u00e4ufer*innen zu verlieren steht der Diversit\u00e4t in der Spielewelt leider oft im Weg. Konfliktvermeidung und Halten von Investor*innen und Kund*innen haben hier oberste Priorit\u00e4t. Es spart Kosten und vereinfacht Werbekampagnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hoffnung auf weniger einschr\u00e4nkende Geschlechterstereotype (als \u201eMarktinnovation\u201c oder als Nischenprodukt) ist bei jedem neuen gro\u00dfen Titel stets da, aber im Endeffekt will die Community einfach keine leeren Versprechen und weniger Tokenismus.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Diversit\u00e4t in Gaming<\/h3>\n\n\n\n<p>Cyberpunk 2077 von CD Project RED ist wohl eines der entt\u00e4uschendsten Erlebnisse in (queerem) Gaming. Cyberpunk h\u00e4tte den perfekten Hintergrund f\u00fcr eine queere Storyline abgegeben. Mit dem Slogan \u201eMix it up!\u201c wurde eine dystopische High-Tech-Welt beworben, in der K\u00f6rpermodifikationen (auch von Geschlechtsorganen\/Geschlechtsmerkmalen) m\u00f6glich sind. Dieser Spruch bezog sich auf ein Poster mit einer femme (weiblich gelesenen) Person in einem eng anliegenden Anzug, deren Penis sofort ins Auge sticht. Nicht die beste Trans-Repr\u00e4sentation in der Videospielgeschichte, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Der andere vielversprechende Teil der Werbekampagne schilderte die TIN*-Inklusivit\u00e4t des Charakter-Editors, durch den Gamer*innen ihre Spielfigur individualisiert gestalten k\u00f6nnen. Doch im Endeffekt gibt die gew\u00e4hlte Stimme das bin\u00e4re Geschlecht &amp; Pronomen an, keine dey-Auswahl ist vorhanden. Diese Elemente der\/des Protagonistin\/en sind auch konstant und in der offenen Welt durch Modifikationen im Laufe des Spieles nicht zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Baldur\u2019s Gate 3 h\u00e4tte den Preis f\u00fcr Diversit\u00e4t und Spa\u00df an der Freiheit des DnD-Settings (Dungeons &amp; Dragons) einrahmen k\u00f6nnen. Variation der Genitaliengr\u00f6\u00dfe und \u2011behaarung werden gro\u00df f\u00fcr TIN*-Inklusivit\u00e4t beworben. Es soll das \u201eWoke\u201c Spiel des Jahres, wenn nicht der Videospielgeschichte, sein. Allerdings sind die K\u00f6rper der Protagonist*innen strikt bin\u00e4r und Androgynie ist nirgends zu finden. Bei der Auswahl eines maskulinen K\u00f6rpers kann das Gesicht keine femininen Z\u00fcge bekommen und umgekehrt. Ausschlie\u00dflich feminine K\u00f6rpertypen d\u00fcrfen Br\u00fcste haben. Die weiblichen K\u00f6rper sind immer kleiner als die m\u00e4nnlichen. Gro\u00dfe FLINTA existieren wohl nicht in dieser fantastischen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Saving money is the only valid excuse gaming has for not having a boob slider \u2013 meine Bestie<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Der Publisher und Spieleentwickler Electronic Arts (EA) hat \u00fcberdurchschnittlich gute Vielfalt der Repr\u00e4sentation in seinem bekannten und beliebten vierten Ableger der Lebenssimulationsreihe \u201eDie Sims\u201c. Die Charaktere (Sims) sind weiterhin zweigeschlechtlich unterteilt, die K\u00f6rperform kann jedoch (bin\u00e4r) angepasst werden. Weitere Sim-Anpassung erfolgt durch Auswahlm\u00f6glichkeiten zur Schwangerschaft, Klo-Verhalten, Brustmilchproduktion. Die positive Entwicklung zeigt sich bei der freien Definition der Pronomen, Inklusion von Binders &amp; Tucking-Unterw\u00e4sche, Freischaltung der Kleidung f\u00fcr Unisex und Anpassung der romantischen &amp; sexuellen Orientierung. Hier muss jedoch erw\u00e4hnt werden, dass diese \u00c4nderungen von der Sims-Community \u00fcber Jahre hinweg verlangt und hinzugef\u00fcgt wurden. Wie in den Vorg\u00e4ngern der Sims-Reihe, sind die K\u00f6rper und Gesichter frei zu gestalten. Der Boob-Slider ist vorhanden, begrenzt sich tats\u00e4chlich nur auf den femininen K\u00f6rpertyp, jedoch kann die Brust auch minimal auf dem maskulinen K\u00f6rpertyp ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gacha-Spiele wiederum, die meistens keine eigene Charaktererstellung bieten, sondern fertige m\u00e4nnliche\/ weibliche Figuren zur Verf\u00fcgung stellen, halten enorm an den bin\u00e4ren Geschlechterrollen fest. Die \u201eGirls\u201c sollen so viel Haut zeigen wie m\u00f6glich, Hose und Anz\u00fcge bleiben (allein) den ,,Boys\u201c vorbehalten. Das Gacha-Genre wird zu einem gro\u00dfen Teil von Entwicklern aus China bespielt und leidet daher unter deren teils queerphoben Gesetzen, die Repr\u00e4sentation kaum umsetzbar machen. Somit kann ich diesen Spielen (und ihren Entwicklern) nicht reinen Gewissens Queer-baiting oder Repr\u00e4sentation gendernonkonformer Charaktere vorwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Starfield, getauft als \u201eSkyrim in Space\u201c, schreckt sich \u00fcberraschenderweise nicht vor sichtbaren Hautalterungserscheinungen und bietet sogar ein Netzdiagramm f\u00fcr K\u00f6rperfett- und Muskelmasse. Jedoch mit dem Haken, dass die Br\u00fcste unabh\u00e4ngig von der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe und abh\u00e4ngig von dem \u201eK\u00f6rpertyp\u201c (1 &amp; 2) sind. Die strikte bin\u00e4re Vorgabe definiert auch den Gang, Gesichtsbehaarung und allgemeine K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe. Mensch kann extrem komplexe Gesichtsstrukturen und Hauttexturen einstellen (die in unserer Realit\u00e4t wom\u00f6glich nicht existieren), aber sich aus der Gender-Bin\u00e4rit\u00e4t in einem Videospiel, das im Weltraum spielt, herauszuwagen geht wohl zu weit. Immerhin ist Make-Up f\u00fcr beide Geschlechterrollen erlaubt. Ah ja, und es gibt keinen Boob-Slider, daf\u00fcr aber einen \u201eDreck-im-Gesicht\u201c-Slider \u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Realit\u00e4tsflucht in die Gaming- &amp; Rollenspielwelt kann sch\u00f6n und gut sein, mensch sollte jedoch bei der ganzen Flucht aus dem Hier und Jetzt das Mensch-Sein trotzdem nicht vergessen. Darstellung dient einem Zweck, wie in allen Medien, Hinzuf\u00fcgen von polarisierenden Aspekten (sei es Gewalt oder Freiz\u00fcgigkeit) soll einen Grund haben. Leiden, Repression und Trauma sind keine Gimmicks, sondern sensible Themen, welche mit Bedacht und Sorge zu behandeln sind. Diversit\u00e4t und Repr\u00e4sentation von marginalisierten Menschen sollte somit auch nicht als Selling-Point gelten, um ein Produkt als inklusive\/\u201ewoke\u201c zu verkaufen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die meisten dieser gro\u00dfen Spieletiteln vermarkten einen diversen, breit gef\u00e4cherten Charakter-Editor, in den mensch eine Spielfigur nach eigenen Vorstellung erstellen kann. Es ist quasi m\u00f6glich, deine Charaktere plastischer Chirurgie zu unterziehen, Gesichtsz\u00fcge und K\u00f6rperbau nach Lust und Laune zu formen. Allerdings durch das Festhalten an das veraltete Weltbild eines bin\u00e4ren Geschlechtersystems wird die gestalterische Freiheit des\/der Spieler*in eingeschr\u00e4nkt und unsere wundersch\u00f6n diverse Welt kann nie akkurat repr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Zitat von Verity Ritchie) Skyrim wird dieses Jahr 16 und die Gaming-Community steckt noch immer in derselben bin\u00e4ren Geschlechterordnung fest wie damals. Unrealistische Sch\u00f6nheitsideale verfolgen Gamer*innen in die digitale Welt und dominieren das Erscheinungsbild der Spielfiguren \u2013 weiblich gelesene (humanoide) Charaktere sind sexy und M\u00e4nnlichkeit muss sich klar vom \u201eGay-Sein\u201c\/ Queerness abgrenzen. 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