{"id":842,"date":"2020-09-04T00:48:39","date_gmt":"2020-09-04T00:48:39","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=842"},"modified":"2021-05-12T22:10:46","modified_gmt":"2021-05-12T22:10:46","slug":"prep-um-mehrere-100-euro-wer-kann-sich-das-leisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=842","title":{"rendered":"\u201ePrEP um mehrere 100 Euro \u2013 wer kann sich das leisten?\u201c"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mag. Karin Simonitsch \u00fcber das Pilotprojekt, eine Monatspackung der HIV-Prophylaxe PrEP um 59 Euro anzubieten.<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Die PrEP ist seit 2018 bei Ihnen in der Apotheke zum Monatspackungspreis von \u20ac 59,- erh\u00e4ltlich. Wie beurteilen Sie den Absatz des Produkts seither? Steigt dieser stetig an oder hat er sich mit der Zeit auf einem gewissen Niveau eingependelt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Karin Simonitsch: Zu Beginn unseres Pilotprojekts war die Nachfrage sehr gro\u00df und ist auch das ganze Jahr \u00fcber weiter stark angestiegen. Das ist auch nicht verwunderlich \u2013 die PrEP ist f\u00fcr die eigentliche Zielgruppe mit einem Packungspreis von mehreren Hundert Euro ja kaum erschwinglich. Seit letztem Jahr hat es sich nun etwas eingependelt. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Denken Sie, dass mehr Menschen die PrEP kaufen bzw. einnehmen w\u00fcrden, wenn das Produkt g\u00fcnstiger w\u00e4re bzw. generell von der Krankenkasse \u00fcbernommen werden w\u00fcrde?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Nat\u00fcrlich! Wer die PrEP t\u00e4glich einnimmt, muss schon eine betr\u00e4chtliche Summe aufwenden, um sich diese langfristig leisten zu k\u00f6nnen. Wenn der Preis \u00fcber das Pilotprojekt hinaus auf dem Niveau bleiben k\u00f6nnte, w\u00e4re das auf jeden Fall ein Gewinn f\u00fcr alle. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Nutzen die Kund*innen beim Kauf der PrEP das Beratungsangebot in der Apotheke oder kommen diese ohnehin voll informiert von den \u00c4rzt*innen zu Ihnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Viele sind bereits sehr gut informiert, die Beratung in der Apotheke bezieht sich oft schon auf ganz konkrete Fragen. Ein wichtiges Thema sind nat\u00fcrlich die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, aber auch etwa die Darreichungsform. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob man die Tabletten in verblisterter Form oder lose in einem Fl\u00e4schchen erh\u00e4lt. Man kann sich das grunds\u00e4tzlich aussuchen, f\u00fcr die anlassbezogene PrEP empfehlen wir aber immer die verblisterten Tabletten, da diese l\u00e4nger haltbar sind. Wichtig ist uns auch, immer nochmal auf die zus\u00e4tzliche Verwendung eines Kondoms hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Bekommen Sie von den Kund*Innen Feedback beispielsweise in Sachen Nebenwirkungen des Produkts oder \u00c4hnlichem?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Nein, eigentlich nicht, diese werden meist direkt mit dem Arzt besprochen. Die PrEP wird grunds\u00e4tzlich gut vertragen, bei der langfristigen Einnahme m\u00fcssen aber bestimmte Parameter wie die Nierenfunktion \u00fcberwacht werden. Die regelm\u00e4\u00ad\u00dfigen Untersuchungen sind deshalb \u2013 und nat\u00fcrlich auch wegen der Tests auf HIV und auf andere sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten \u2013 wirklich sehr wichtig.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Im Internet kursieren diverse Seiten, auf denen man die PrEP in gr\u00f6\u00dferen Mengen und weitaus g\u00fcnstiger erwerben kann. Haben Sie diesen Zweitmarkt bemerkt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Ja, das ist immer wieder Thema und wird von unseren Kund*innen zum Teil auch aktiv angesprochen. Wir bekommen hier aber eigentlich meist die R\u00fcckmeldung, dass sie \u2013 falls fr\u00fcher Produkte \u00fcbers Internet bezogen wurden \u2013 aus Sicherheitsgr\u00fcnden doch wieder auf den Kauf in der Apotheke zur\u00fcckkommen. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Wie sch\u00e4tzen Sie die Zuverl\u00e4ssigkeit und Wirksamkeit der online beworbenen Produkte ein?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Beim Bezug von rezeptpflichtigen Arzneimitteln im Internet besteht immer die gro\u00dfe Gefahr, dass man F\u00e4lschungen erh\u00e4lt \u2013 also Tabletten, die mit billigsten Inhaltsstoffen gestreckt sind oder welche, die einfach v\u00f6llig wirkungslos sind. Das kann tats\u00e4chlich sehr gef\u00e4hrlich werden. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Welche Gefahren bergen der Kauf und Konsum dieser Produkte Ihrer Meinung nach, da diese schlie\u00dflich ohne vorherigen Arztbesuch erworben werden k\u00f6nnen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Neben F\u00e4lschungen ist der fehlende Kontakt zum Arzt sicher eine der gr\u00f6\u00dften Gefahren \u2013 vor allem bei der PrEP. Die begleitenden Kontrolluntersuchungen und die korrekte Anwendung der PrEP sind ausschlaggebend f\u00fcr ihre Wirksamkeit. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Sind Sie der Meinung, der Online-Erwerb w\u00fcrde zur\u00fcckgehen bzw. weniger stark ausfallen, wenn die PrEP fl\u00e4chendeckend in \u00d6sterreich erh\u00e4ltlich w\u00e4re?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Ja, das ist gut m\u00f6glich, auch wenn solche Prognosen schwierig sind. Da spielen sicher mehrere Faktoren eine Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: Was sagen Sie dazu, dass viele Menschen die PrEP als Verh\u00fctungsmittel missverstehen? Wird hier Ihrer Meinung nach zu wenig aufgekl\u00e4rt?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Ich denke, die Aufkl\u00e4rung funktioniert gut. Alle Akteure \u2013 \u00c4rzte, Kompetenzzentren, Aidshilfen und auch wir in der Apotheke \u2013 bem\u00fchen sich sehr darum, umfassend zu beraten und auch immer wieder auf die Notwendigkeit der zus\u00e4tzlichen Verh\u00fctung hinzuweisen. Wir nennen es augenzwinkernd Die Kleine PrEP \u2013 ein kleines Schachterl mit Kondom, Gleitgel und Infok\u00e4rtchen, das wir allen PrEP-Nutzer*innen mit ins Sackerl geben. Niederschwellige Infoevents wie zum Beispiel der Medical Day im Rahmen des Pride Villages, Infoabende der HOSI oder auch die M\u00f6glichkeit, sich jederzeit anonym bei der Aids Hilfe beraten zu lassen, sind sicher besonders wichtig. Auch die M\u00f6glichkeit, uns in der Apotheke zwanglos per E-Mail (einfach unter positiv@marienapo.eu) zu kontaktieren und Fragen zur PrEP zu stellen, wird immer wieder gern genutzt. Unsere Kund*innen sind wie gesagt aber meist sehr gut informiert und das liegt nat\u00fcrlich auch an den HIV-kompetenten \u00c4rzt*innen, die die PrEP verschreiben<\/p>\n\n\n\n<p><em>Lambda: In den Sozialen Medien kursieren immer wieder Spa\u00dfbilder oder -Videos, die eine gef\u00e4hrliche Situation zeigen und diese dann scherzhaft mit dem Spruch \u201eNo problem, I\u2019m on PrEP\u201c versehen. Damit soll eigentlich aufgezeigt werden, dass die Einnahme von PrEP eben nicht gedankenlos erfolgen sollte. Denken Sie, dass das zur Aufkl\u00e4rung beitr\u00e4gt oder eher kontraproduktiv ist?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Simonitsch: Das ist schwierig zu beurteilen, da ich die Videos nicht kenne. Aber nat\u00fcrlich besteht die Gefahr, dass das missverstanden wird.  \u03bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mag. Karin Simonitsch \u00fcber das Pilotprojekt, eine Monatspackung der HIV-Prophylaxe PrEP um 59 Euro anzubieten. Lambda: Die PrEP ist seit 2018 bei Ihnen in der Apotheke zum Monatspackungspreis von \u20ac 59,- erh\u00e4ltlich. Wie beurteilen Sie den Absatz des Produkts seither? 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