{"id":810,"date":"2020-09-04T00:55:51","date_gmt":"2020-09-04T00:55:51","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=810"},"modified":"2021-05-11T21:16:24","modified_gmt":"2021-05-11T21:16:24","slug":"raum-fuer-die-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=810","title":{"rendered":"Raum f\u00fcr die Jugend!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die letzten Monate waren f\u00fcr alle nervenaufreibend. Besonders aber f\u00fcr die Jugend bedeutet diese Krise eine massive Einschr\u00e4nkung ihrer M\u00f6glichkeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es in unserer Generation keine mit Covid-19 vergleichbare Krise gab, haben uns schon andere Herausforderungen die Schw\u00e4chen des Systems, in dem wir momentan leben, aufgezeigt. Denn je mehr Privilegien ich habe, desto mehr M\u00f6glichkeiten habe ich mit den Steinen, die mir in den Weg gelegt werden, umzugehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die ungleiche Verteilung von Besitz trennt auch in \u00d6sterreich Privilegierte von Unprivilegierten. Aber was bedeutet das konkret f\u00fcr benachteiligte Gruppen wie eben queere Jugendliche? Es bedeutet eine noch st\u00e4rkere Auspr\u00e4gung von Ungleichheit. Wohne ich bei meinen Eltern, muss ich mich allgemein schon an bestimmte Regeln halten, ohne v\u00f6llig frei dar\u00fcber entscheiden zu k\u00f6nnen, wen ich einlade, wie ich mich verhalte und manchmal auch wie ich mich anziehe. Nun gibt es in einer Welt vor der globalen Pandemie Orte, zu denen ich gehen kann, um diesen Einschr\u00e4nkungen zu entfliehen. In Wien sind das f\u00fcr queere Personen unter 18 schon vorher wirklich wenige Orte gewesen. Ich konnte mich drau\u00dfen mit Menschen treffen, es gab und gibt wieder unseren Jugendabend im Gugg, vielleicht hatten Freund*Innen die M\u00f6glichkeit, mich zu sich einzuladen, aber dann wurde es mit den Optionen schon langsam eng.<\/p>\n\n\n\n<p>In dem Moment, als ohne Vorwarnung all diese M\u00f6glichkeiten einfach wegfielen, war das f\u00fcr einige von uns eine Katastrophe. Auch die Mitt-Zwanziger waren teilweise aus finanziellen N\u00f6ten heraus gezwungen, wieder mit ihren Eltern zusammen zu wohnen. Einige haben das Gl\u00fcck, liebevolle und offene Eltern zu haben, die den queeren Identit\u00e4ten ihrer Kinder unterst\u00fctzend gegen\u00fcberstehen. Doch was machen diejenigen von uns, die von ihrer Familie schikaniert, ausgegrenzt oder sogar vor die T\u00fcr gesetzt werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dann machen die Besitzfrage und der Zugang zu Raum den entscheidenden Unterschied. Wenn meine Familie ein gro\u00dfes Haus oder eine zweite Wohnung besitzt, in die ich mich im Zweifelsfall zur\u00fcckziehen kann, fallen zum Beispiel Konflikte tendenziell weniger schwerwiegend aus. <\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem beobachten wir momentan ein Sterben von alternativen, offenen queeren R\u00e4umen, wie es in dieser Intensit\u00e4t wohl noch nie der Fall gewesen ist. Nat\u00fcrlich halten sich ein paar der ohnehin sehr kommerziell ausgerichteten Clubs, Events und Bars \u00fcber Wasser, aber die Orte, an denen sich eher junge Queers ohne Konsumzwang und ohne die altbekannte \u201eJagdmentalit\u00e4t\u201c einiger kommerziell ausgerichteter Angebote frei ausleben k\u00f6nnen, waren schon vor der Krise rar und bilden jetzt ein endg\u00fcltiges Vakuum. Eine L\u00fccke f\u00fcr junge Erwachsene, die keine reiche Familie haben, und ihre Bekannten nicht schnell mal in eine ihrer Sommerresidenzen einladen k\u00f6nnen, um eine gro\u00dfe Party zu feiern. Eine L\u00fccke f\u00fcr Jugendliche, die in einem queeren Raum existieren wollen, ohne sich von betrunkenen G\u00e4sten einer Club\u00adatmosph\u00e4re \u201eangraben\u201c lassen zu m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, die in hoffentlich naher Zukunft Realit\u00e4t wird, ist das von uns geforderte und nun bereits beschlossene queere Jugendzentrum. Dort soll ein solcher Raum f\u00fcr Leute geschaffen werden, die sich noch in ihrer jugendlichen Entwicklung als queere Person befinden und mehr Unterst\u00fctzung brauchen als einen w\u00f6chentlichen Jugendabend, der von Ehrenamtlichen getragen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade angesichts der bevorstehenden Wien-Wahl ist es wichtig sich vor Augen zu f\u00fchren, wer unsere Rechte effektiv vertreten m\u00f6chte und auch wirklich offen f\u00fcr uns einsteht! <\/p>\n\n\n\n<p>Es braucht mehr R\u00e4ume f\u00fcr Leute unserer Gemeinschaft, die weder \u00fcber die Macht, das Geld oder den Einfluss verf\u00fcgen, sich diese R\u00e4ume selbst zu schaffen. Und das sind eben vor allen anderen die Menschen der queeren Jugend. \u03bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Monate waren f\u00fcr alle nervenaufreibend. Besonders aber f\u00fcr die Jugend bedeutet diese Krise eine massive Einschr\u00e4nkung ihrer M\u00f6glichkeiten. 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