{"id":794,"date":"2020-09-04T00:56:22","date_gmt":"2020-09-04T00:56:22","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=794"},"modified":"2021-05-12T19:29:11","modified_gmt":"2021-05-12T19:29:11","slug":"denkmal-fuer-maenner-und-frauen-die-opfer-der-homosexuellen-verfolgung-in-der-ns-zeit-wurden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=794","title":{"rendered":"Denkmal f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen, die Opfer der Homosexuellen Verfolgung in der NS-Zeit wurden"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Am Montag, den 29. Juni, fand in der Bezirksvorstehung Wieden die Jurysitzung anl\u00e4sslich der Wahl eines Siegerentwurfs zur Errichtung eines permanenten Denkmals f\u00fcr die M\u00e4nner und Frauen, die Opfer der NS-Homosexuellenverfolgung wurden, statt. Dieser Sitzung ging ein breiter Beteiligungsprozess mit anschlie\u00dfendem von K\u00d6R (Kunst im \u00f6ffentlich Raum GmbH) und der WASt (Wiener Antidiskriminierungsstelle f\u00fcr gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen) ausgelobten Gestaltungswettbewerb voraus. Acht nationale wie auch internationale K\u00fcnstler*innen bzw. Teams wurden eingeladen am Wettbewerb teilzunehmen. Die Wettbewerbs-Jury setzte sich aus K\u00fcnstler*innen, Landschaftsplaner*innen sowie Vertreter*innen der Communities, des Bezirks Wieden und der zust\u00e4ndigen Magistrate zusammen. Das Projekt wird von der Stadt Wien und dem Nationalfonds der Republik \u00d6sterreich mit einem Gesamtbudget von \u20ac 300.000,- unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">HOSI Wien im Sachbeirat<\/h3>\n\n\n\n<p>Als Communityvertretung durften unter anderen Andreas Brunner (Zentrum QWIEN), Marty Huber (T\u00fcrkis Rosa Lila Tipp), Wolfgang Wilhelm (WASt) und Markus Steup, Leiter des Antifaschistischen Komitees in der HOSI Wien, im sogenannten Sachbeirat unterst\u00fctzen. Die Mitglieder des Sachbeirats hatten kein Stimmrecht, standen aber der Jury beratend zur Seite und hatten die M\u00f6glichkeit, an der Entstehung der Vergabeunterlagen mitzuwirken sowie mit ihrem Wissen und ihrer Expertise zu unterst\u00fctzen. Die Mitglieder des Sachbeirats sowie jene der Jury waren w\u00e4hrend des laufenden Wettbewerbs zum Stillschweigen verpflichtet, um so die Vergabe bzw. den Prozess nicht zu gef\u00e4hrden. Aus diesem Grund konnte leider auch die Community nur sp\u00e4rlich \u00fcber den aktuellen Stand der Dinge informiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich reichten sieben K\u00fcnstler*innen bzw. Teams ihre Entw\u00fcrfe ein, welche vorab einer technischen Vorpr\u00fcfung unter Anwesenheit des Sachbeirats unterzogen wurde. Hier wurden erste R\u00fcckfragen an die K\u00fcnstler*innen festgehalten sowie mit den Vertreter*innen der zust\u00e4ndigen Magistrate die generelle technische Umsetzbarkeit der Entw\u00fcrfe er\u00f6rtert. Die zehnk\u00f6pfige Jury sah die Unterlagen bzw. die eingereichten Entw\u00fcrfe erst zur Jurysitzung. Nach eingehender Pr\u00fcfung, Diskussion mit den K\u00fcnstler*innen und Reflektion mit dem Sachbeirat wurde der Entwurf des britischen K\u00fcnstlers Marc Quinn zum Sieger gek\u00fcrt. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Begr\u00fcndung der Jury<\/h3>\n\n\n\n<p>\u201eLaut der 2020 ver\u00f6ffentlichten Studie \u201eA long way to go for LGBTI equality. Sex, sexual orientation and gender\u201c der Europ\u00e4ischen Grundrechteagentur FRA vermeiden 86 % der gleichgeschlechtlichen Paare in Europa aus Angst vor Beleidigung, Bedrohung und Gewalt, im \u00f6ffentlichen Raum Hand in Hand zu gehen. In \u00d6sterreich vermeiden dies 78 %. Marc Quinns Skulptur bildet den Moment einfachster und elementarster zwischenmenschlicher Ber\u00fchrungen ab. Sein Entwurf zeigt zwei Paare z\u00e4rtlich aufeinanderliegender H\u00e4nde \u2013 einerseits von zwei M\u00e4nnern, andererseits von zwei Frauen. Diese H\u00e4ndepaare scheinen an den Handgelenken wie abgehackt und vermitteln dadurch gr\u00f6\u00dfte Brutalit\u00e4t im Augenblick liebevoller Ber\u00fchrung. Der Entwurf reflektiert diese Ambivalenz in \u00e4sthetischer Klarheit und beeindruckt sowohl auf intellektueller wie auch auf emotionaler Ebene. Durch die verspiegelten Schnittfl\u00e4chen der Handgelenke und der Tischplatte wird der*die Betrachter*in Teil des Kunstwerks und kommt nicht umhin, sich mit den dargestellten Thematiken der gleichgeschlechtlichen Liebe und ihrer Verfolgung auseinander zu setzen. Diese klare Ikonographie \u00fcberzeugte die Jury, Quinns Skulptur zum Sieger\u00adentwurf des Wettbewerbs&nbsp;Denkmal f\u00fcr die M\u00e4nner und Frauen, die Opfer der Homosexuellen-Verfolgung in der NS-Zeit wurden&nbsp;zu w\u00e4hlen\u201c, so Juryvorsitzender Hannes Sulzenbacher (QWIEN).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Sichtbarkeit f\u00fcr eine Opfergruppe, die viel zu lange unsichtbar war<\/h3>\n\n\n\n<p>Am Mittwoch, den 1. Juli, pr\u00e4sentierten Vertreter*innen der Stadt Wien gemeinsam mit K\u00d6R den Siegerentwurf im Wiener Resselpark. Hier soll das Denkmal an prominenter Stelle errichtet werden. Anl\u00e4sslich der Pr\u00e4sentation unterstrich Kulturstadtr\u00e4tin Veronica Kaup-Hasler: \u201eEin permanentes Denkmal f\u00fcr homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus ist ein wichtiges und notwendiges Zeichen der Anerkennung und W\u00fcrdigung im \u00f6ffentlichen Raum. Das Denkmal symbolisiert auch die Absage an jegliche Form von Homophobie und erinnert daran, f\u00fcr Menschenrechte einzustehen, wenn sie in Gefahr sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Bildungsstadtrat J\u00fcrgen Czernohorszky betont: \u201eEs war mir von Beginn an ein gro\u00dfes Anliegen, dass wir dieses historisch so wichtige Denkmal im Dialog und mit breiter Beteiligung der Communities umsetzen. Wir schaffen mit dem Denkmal Sichtbarkeit f\u00fcr eine Opfergruppe, die viel zu lange unsichtbar war. Es erm\u00f6glicht ein w\u00fcrdevolles Erinnern und mahnt uns davor, das dunkelste Kapitel unserer Geschichte nicht mehr zu wiederholen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kurzbiografie Marc Quinn<\/h3>\n\n\n\n<p>Marc Quinn (Brite, geb. 1964) ist einer der f\u00fchrenden K\u00fcnstler seiner Generation. Seine Skulpturen, Gem\u00e4lde und Zeichnungen erforschen die Beziehung zwischen Kunst und Wissenschaft, Mensch und Natur, menschlichem K\u00f6rper und Wahrnehmung von Sch\u00f6nheit. Seine bekanntesten Werke sind&nbsp;Alison Lapper Pregnant, eine Statue von Alison Lapper, die 2007 auf dem vierten Pfeiler des Trafalgar Square stand, und&nbsp;self, eine Skulptur seines Kopfes aus seinem gefrorenen Blut, sowie&nbsp;Garden&nbsp;(2000).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Siegerprojekt sowie alle weiteren Einreichungen k\u00f6nnen auf der Homepage der WASt unter <a href=\"http:\/\/www.queer.wien.gv.at\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">www.queer.wien.gv.at<\/a> eingesehen werden. \u03bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Montag, den 29. Juni, fand in der Bezirksvorstehung Wieden die Jurysitzung anl\u00e4sslich der Wahl eines Siegerentwurfs zur Errichtung eines permanenten Denkmals f\u00fcr die M\u00e4nner und Frauen, die Opfer der NS-Homosexuellenverfolgung wurden, statt. 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