{"id":5159,"date":"2025-03-07T00:25:50","date_gmt":"2025-03-06T23:25:50","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5159"},"modified":"2025-03-06T23:12:52","modified_gmt":"2025-03-06T22:12:52","slug":"ist-das-schwul-oder-behindert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5159","title":{"rendered":"Ist das schwul, oder behindert?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Auch in dieser Ausgabe m\u00f6chten wir wieder ein Thema beleuchten, welches unserer Meinung nach in der LGBTIQ-Community sonst etwas zu kurz kommt, das Leben mit Behinderung. Die Menschenrechtsbewegungen zur Verbesserung der Lebenssituation als queerer Mensch, oder mit Behinderung, haben einige interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ausgehend vom schwulen Aktivismus zun\u00e4chst beleidigende Fremdbezeichnungen wie eben \u201equeer\u201c, \u201eTunte\u201c, oder der von den Nazis verwendete Rosa Winkel durch Verwendung als Selbstbezeichnung positiv umgedeutet wurden, ging die Behindertenbewegung lange den Weg der Vermeidung bestimmter Begriffe. Genau wie \u201eschwul\u201c besonders unter Jugendlichen als Schimpfwort missbraucht wird, denken viele beim Wort \u201ebehindert\u201c nicht wirklich an Menschen mit Behinderung. Es steht hingegen in den K\u00f6pfen von zu vielen Leuten stellvertretend f\u00fcr alles, was nicht gut, nicht vollst\u00e4ndig, nicht spa\u00dfig oder sonst irgendwie unvollkommen ist. Und das ist ein riesiges Problem. Wenn man Leuten im Zuge der queeren Bildungsarbeit versucht abzugew\u00f6hnen den ansonsten neutral beschreibenden Begriff \u201eschwul\u201c f\u00fcr etwas anderes als M\u00e4nner zu verwenden, die sich von M\u00e4nnern angezogen f\u00fchlen und auch selbst so nennen, nicht etwa wenn einem das Wetter nicht gef\u00e4llt, dann verschlimmbessern sich \u00fcberraschend viele intuitiv auf \u201ebehindert\u201c. Nach dem Motto \u201etut mir leid, du bist ja schwul, ich meinte das Wetter ist behindert\u201c. Als ob das besser w\u00e4re. Vermutlich auch deshalb verbreiteten sich Euphemismen wie \u201eMenschen mit besonderen Bed\u00fcrfnissen\u201c und \u00e4hnliche. Doch nur weil jemand eine Behinderung hat, bedeutet das noch lange keine au\u00dfergew\u00f6hnlichen Bed\u00fcrfnisse. Ein gutes Leben ist uns doch allen ein Bed\u00fcrfnis, was macht das bei Menschen mit Behinderung so besonders? <\/p>\n\n\n\n<p>Gl\u00fccklicherweise sehen wir gerade durch mehr Zugang zu Informationen f\u00fcr die breite Masse und mehr Repr\u00e4sentation in den Medien ein neues Selbstverst\u00e4ndnis f\u00fcr Menschen mit Behinderungen. Sich selbst stolz behindert zu nennen, kann zu einer Erm\u00e4chtigung f\u00fchren, es kann den Leuten um einen herum Hinweise darauf geben, worauf sie im Umgang mehr achten sollen, es kann einem eine Community geben. Au\u00dferdem ist es wichtig dar\u00fcber zu sprechen von wem das \u201ebehindert werden\u201c, wie es oft genannt wird, ausgeht. F\u00fchle ich mich selbst durch eine k\u00f6rperliche oder geistige Besonderheit eingeschr\u00e4nkt, und falls ja, liegt das eventuell mehr an der Ausrichtung meines Umfeldes auf Menschen, die dieses Merkmal nicht haben? In einem Rollstuhl-Basketballteam h\u00e4tte eine Person, die nicht gewohnt ist sich sonst im Rollstuhl fortzubewegen, h\u00f6chstwahrscheinlich einen Nachteil. Was die Norm von etwas ist, zum Beispiel bei einem Menschen, das ist zu einem gewissen Grad kulturelle Verhandlungssache. Der Wert eines Menschen sollte sich zum Beispiel nicht an seiner k\u00f6rperlichen Unversehrtheit messen, oder ob sich ein Teil des K\u00f6rpers oder des Geistes so ausbildet, wie wir es erwarten. Das ist nat\u00fcrlich schwer in die K\u00f6pfe reinzubekommen, wenn B\u00fcrger*innen eines Staates durchaus nach ihrer Arbeitst\u00fcchtigkeit bemessen werden. Obwohl es Bem\u00fchungen gibt, Menschen mit Behinderungen in den regul\u00e4ren Arbeitsmarkt zu integrieren, entscheiden sich Firmen oft lieber Geldstrafen zu zahlen, weil sie zu wenige mit Behinderung einstellen, als sich mit dem Barriereabbau zu besch\u00e4ftigen. Dadurch landen viel mehr als eigentlich notwendig in skandal\u00f6s unterbezahlten Behindertenwerkstattsjobs. <\/p>\n\n\n\n<p>So wie im Arbeitsmarkt, und demnach auch im Alltag, gibt es noch immer ein gro\u00dfes Sichtbarkeitsproblem. Als Mensch mit Behinderung kann es einem schnell so vorkommen, als ob man ebenso Mensch zweiter Klasse w\u00e4re. Denn wir wissen, fast kein LGBTIQ-Lokal in Wien ist barrierefrei zug\u00e4nglich. Wo soll dann eine Person im Rollstuhl, die ebenso queer ist, hin um Gleichgesinnte kennenzulernen? Gerade auch bei Pride-Paraden werden Barriereabbau und verschiedene Bed\u00fcrfnisse immer mehr, aber noch zu wenig, mitgedacht. <\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Ausgabe sollen Menschen mit ihren Erfahrungen und ihren Gedanken zum Thema Leben mit Behinderung zu Wort kommen. Wir erheben, wie immer, keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Trotzdem war es uns wichtig, sowohl sichtbare als auch nicht sichtbare Behinderungen und die Menschen, die mit ihnen leben, zu zeigen. Wie beeinflussen sich ihre Queerness und ihre Behinderungen m\u00f6glicherweise? Was brauchen sie, um selbstbestimmte Teilhabe erm\u00f6glicht zu bekommen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wir hoffen, dass unsere Leser*innen genauso viel Freude mit dieser Ausgabe haben werden, wie wir sie hatten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in dieser Ausgabe m\u00f6chten wir wieder ein Thema beleuchten, welches unserer Meinung nach in der LGBTIQ-Community sonst etwas zu kurz kommt, das Leben mit Behinderung. Die Menschenrechtsbewegungen zur Verbesserung der Lebenssituation als queerer Mensch, oder mit Behinderung, haben einige interessante Gemeinsamkeiten und Unterschiede. W\u00e4hrend ausgehend vom schwulen Aktivismus zun\u00e4chst beleidigende Fremdbezeichnungen wie eben \u201equeer\u201c, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":5160,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11,20],"tags":[116,115],"class_list":["post-5159","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-editorial","category-schwerpunkt","tag-behinderung","tag-lambda-198"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5159"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5161,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5159\/revisions\/5161"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5160"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}