{"id":5133,"date":"2025-03-07T00:16:00","date_gmt":"2025-03-06T23:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5133"},"modified":"2025-03-06T23:13:42","modified_gmt":"2025-03-06T22:13:42","slug":"darf-man-das-ueberhaupt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5133","title":{"rendered":"Darf man das \u00fcberhaupt?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Queer und behindert?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Vorweg: definitiv. Leider ist jedoch das Vorurteil ziemlich weit verbreitet, bei dem unterstellt wird, Menschen mit Behinderungen h\u00e4tten keine Sexualit\u00e4t. Dass sie dann zus\u00e4tzlich noch eine sexuelle Orientierung h\u00e4tten, sprengt so manche Vorstellungskraft. So manches Coming-out war daher sicherlich f\u00fcr manche Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Es gibt Berichte laut denen Menschen mit Behinderungen, die in Heimen untergebracht oder in Betreuung sind, oftmals keine Sexualit\u00e4t ausleben d\u00fcrfen \u2013 es wird schlicht unterdr\u00fcckt. Manche von ihnen werden daran gehindert gar eine Partnerschaft zu f\u00fchren oder eine Familie zu gr\u00fcnden. Die Wiener Antidiskriminierungsstelle f\u00fcr LGBTIQ-Angelegenheiten hat diese und andere Umst\u00e4nde in einer Fachkonferenz 2017 im Wiener Rathaus thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei d\u00fcrfte nach den geltenden Rechten das gar nicht so sein, denn die W\u00fcrde und die gleichen Rechte der Menschen sind unantastbar. So ist dies etwa in der Allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte verbrieft. Mehr sogar, die \u00f6sterreichische Bundesverfassung geht in Artikel 7, Abs. 1, von einer Gleichheit vor dem Gesetz aus:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eAlle Staatsb\u00fcrger sind vor dem Gesetz gleich. Vorrechte der Geburt, des Geschlechtes, des Standes, der Klasse und des Bekenntnisses sind ausgeschlossen. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Die Republik (Bund, L\u00e4nder und Gemeinden) bekennt sich dazu, die Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Menschen in allen Bereichen des t\u00e4glichen Lebens zu gew\u00e4hrleisten\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist anzunehmen, dass der Gesetzgeber tats\u00e4chlich dabei alle Staatsb\u00fcrger meint, denn in der Aufz\u00e4hlung fehlt der Begriff \u201esexuelle Orientierung\u201c. Vergeblich sucht man auch etwa den Diskriminierungsschutz beim Zugang zu G\u00fctern und Dienstleistungen (Stichwort levelling-up).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn man die Perspektive von Menschen mit Behinderungen w\u00e4hlt, so wird man feststellen m\u00fcssen, dass sie in \u00d6sterreich nach wie vor in vielen Lebensbereichen exkludiert werden, etwa durch das Festhalten am System \u201eSonderschule\u201c oder den \u201eGesch\u00fctzten Werkst\u00e4tten\u201c. Dies steht im Widerspruch zu jenen Artikeln der UN-Konvention \u00fcber die Rechte von Menschen mit Behinderungen, die die gleichberechtigte Teilhabe der Menschen mit Behinderung einfordert. Die Konvention hat \u00fcbrigens in Artikel 1 eine praktikable Definition von Behinderung: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eZu den Menschen mit Behinderungen z\u00e4hlen Menschen, die langfristige k\u00f6rperliche, psychische, intellektuelle oder Sinnesbeeintr\u00e4chtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen und wirksamen Teilhabe, gleichberechtigt mit anderen, an der Gesellschaft hindern k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Fokus steht also nicht so sehr die Beeintr\u00e4chtigung einer Person, sondern vielmehr der Ausschluss oder die Ausgrenzung aus (allen) Lebensbereichen. Das entspricht ganz dem Motto der Behindertenbewegung: \u201eNicht ich bin behindert, ich werde behindert\u201c. Gerade diese Ausgrenzung in verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ist f\u00fcr viele Menschen mit Behinderungen belastend. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Tat ist es eine bewusste (gesellschaftspolitische) Entscheidung, ob man einen exklusiven (nicht positiv gemeint) oder inklusiven Weg geht, etwa, wenn Z\u00fcge barrierefrei konzipiert werden, oder wenn Filme in Kinos mit Untertitel gezeigt werden w\u00fcrden. Letzteres ist kaum der Fall \u2013 Blockbuster werden in den \u00f6sterreichischen Kinos kaum untertitelt (die Angst, dies w\u00fcrde die h\u00f6rende Mehrheit st\u00f6ren, \u00fcberwiegt). W\u00e4hrend es oft zum \u201egay life\u201c geh\u00f6rt, irgendwelche Musicalfilme gemeinsam anzusehen, wird es f\u00fcr queere schwerh\u00f6rige Menschen eng. Nun denn, eine M\u00f6glichkeit zur gemeinsamen Freizeitgestaltung weniger. Apropos \u201egay life\u201c: Das Zusammensitzen in einer Gruppe ist kommunikativ mitunter nicht leicht. W\u00e4hrend es selbstverst\u00e4ndlich ist, in einer Gruppe, weil jemand etwa der Landessprache nicht m\u00e4chtig ist, in die englische Sprache zu wechseln, k\u00e4me kaum jemand auf die Idee, Geb\u00e4rdensprache anzuwenden, wenn ein geh\u00f6rloser oder schwerh\u00f6riger Mensch dabei ist. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Sprache und Kommunikation. Ergo, Menschen mit Behinderungen m\u00fcssen sich schon mal mehr anstrengen, um beim gleichen \u201elife\u201c dabei sein zu k\u00f6nnen. Ein anderer Erfahrungsbericht: Versuchen Sie mal ein Caf\u00e9 mit barrierefreiem WC zu finden, oder gar eine Party zu machen! Das ist eine echte Challenge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Queere Menschen mit Behinderungen d\u00fcrfen in ihrem Leben mit mehreren Herausforderungen rechnen. Nebst dem Kampf gegen unz\u00e4hlige Barrieren, das Durchsetzen in einer nicht allzu behindertenfreundlichen Umgebung, darf man sich dar\u00fcber hinaus auch mit allen m\u00f6glichen Ph\u00e4nomenen aus der LGBTIQ-Ecke besch\u00e4ftigen. Oftmals ist es sogar gestattet, sowohl in der einen als auch in der anderen Community mit Vorurteilen aufzur\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer von echter Inklusion spricht, sollte dies auch meinen. Leider hat man das Wort Inklusion ein wenig falsch interpretiert und wollte sogar eine \u201eInklusion f\u00fcr ein paar Wenige\u201c. Das w\u00e4re aber dann Integration. Jenes Modell also, wo nur ein paar mitspielen d\u00fcrfen, die es vielleicht schaffen k\u00f6nnten. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dadurch, dass in \u00d6sterreich schon von der Schule an Menschen mit Behinderungen von Menschen ohne Behinderung segregiert werden, ist auch die Sichtbarkeit in der \u00d6ffentlichkeit nicht gegeben. Schade, denn w\u00fcrden wir mehr voneinander wissen, w\u00fcrde unser Zusammenleben vielleicht etwas anders aussehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Queer und behindert? Vorweg: definitiv. Leider ist jedoch das Vorurteil ziemlich weit verbreitet, bei dem unterstellt wird, Menschen mit Behinderungen h\u00e4tten keine Sexualit\u00e4t. Dass sie dann zus\u00e4tzlich noch eine sexuelle Orientierung h\u00e4tten, sprengt so manche Vorstellungskraft. So manches Coming-out war daher sicherlich f\u00fcr manche Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Es gibt Berichte laut denen Menschen mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":5134,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[116,115],"class_list":["post-5133","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-schwerpunkt","tag-behinderung","tag-lambda-198"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5133","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5133"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5133\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5135,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5133\/revisions\/5135"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/5134"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5133"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5133"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5133"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}