{"id":5082,"date":"2025-03-07T00:09:00","date_gmt":"2025-03-06T23:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5082"},"modified":"2025-03-07T16:32:33","modified_gmt":"2025-03-07T15:32:33","slug":"its-all-about-intersectionality","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5082","title":{"rendered":"It\u2019s all about Intersectionality"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Reden wir \u00fcber psychische Gesundheit und Behinderungen unter dem Regenbogen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist unsere psychische Gesundheit in aller Munde. Auch wenn Politik und Medien erst langsam und definitiv oft viel zu sp\u00e4t erkennen, wie gro\u00df der Handlungsbedarf in diesem Bereich ist, entwickelt sich ganz im Gegenteil gerade in der queeren Community ein immer breiteres und immer tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den massiven Einfluss, den psychischen Erkrankungen auf unseren Alltag haben \u2026 und das ist wirklich gut so. Denn insbesondere die erstarkenden rechten Bewegungen Europas, faschistische Parolen und nationalistisches Gedankengut sorgen f\u00fcr einen be\u00e4ngstigenden Backlash der die Sicherheit, die psychische und leider immer \u00f6fter auch die k\u00f6rperliche Sicherheit und Selbstbestimmung queerer Menschen immer st\u00e4rker gef\u00e4hrdet.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch bei allem wachsenden Bewusstsein bleiben psychische Erkrankungen auch in der LGBTIQ+ Community noch viel zu oft ein \u00fcbersehenes Thema \u2013 vor allem, wenn weitere Marginalisierungen hinzukommen. Eine der Gruppen, die dabei h\u00e4ufig aus dem Blickfeld ger\u00e4t, sind queere Menschen mit Behinderungen. Sie stehen an der Schnittstelle mehrerer Diskriminierungsformen und sind mit einzigartigen Herausforderungen konfrontiert. Doch auch psychische Erkrankungen selbst werden oft als \u201eunsichtbare Behinderungen\u201c gesehen und im Alltag, in der Ausbildung oder auch im Berufsleben mit Barrieren und Stigmatisierungen belegt. All das zwingt uns vor allem dazu, unsere eigenen Denk- und Sichtweisen zu reflektieren \u2013 mit einem intersektionalen Blick auf unsere psychische Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Minderheitenstress als unsichtbare Last<\/h3>\n\n\n\n<p>Minderheitenstress ist eines der Schl\u00fcsselw\u00f6rter, wenn\u2019s um die psychische Gesundheit von marginalisierten Personen geht. Es beschreibt nicht weniger als die enorme psychische Belastung, der Menschen aufgrund von Diskriminierung, Stigmatisierung und struktureller Exklusion ausgesetzt sind. Dabei geht es aber keineswegs \u201enur\u201c um die Schlechterstellungen, die Menschen aufgrund ihrer Identit\u00e4t erleiden; Minderheitenstress ist jene Belastung, die durch Angst vor Diskriminierungen oder die Erwartung von negativen Erlebnissen im Alltag entsteht. Studien zeigen, dass gerade LGBTIQ+ Personen aufgrund dieses Stresses ein deutlich h\u00f6heres Risiko f\u00fcr Depressionen, Angstst\u00f6rungen und Suizidalit\u00e4t haben als die cis-heterosexuelle Mehrheit.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Menschen mit Behinderungen ist diese Belastung oft noch h\u00f6her. Einerseits k\u00e4mpfen sie h\u00e4ufig gegen die gesellschaftliche Unsichtbarkeit ihrer Identit\u00e4ten \u2013 in der LGBTIQ+ Community, in der Inklusion oft wenig Thema ist, genauso wie in der Behindertenbewegung, die queere Perspektiven oft nicht mitdenkt. Andererseits erleben sie verst\u00e4rkten Diskriminierungsdruck, da sie als \u201edoppelt anders\u201c wahrgenommen werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Reden wir \u00fcber \u201eunsichtbare\u201c Behinderungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Genauso wenig, wie es \u201edie eine queere Person\u201c gibt, gibt es \u201edie eine Erfahrung\u201c von Behinderung. Behinderungen sind vielf\u00e4ltig, haben unterschiedliche Auswirkungen auf Leben und Alltag, werden von Staat und Gesellschaft unterschiedlich gesehen \u2026 oder eben nicht gesehen und bleiben unsichtbar. Neben physischen Beeintr\u00e4chtigungen m\u00fcssen deshalb auch psychische Erkrankungen als Form der Einschr\u00e4nkung mitbedacht werden \u2013 allerdings ohne sie mit k\u00f6rperlichen oder kognitiven Behinderungen gleichzusetzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Laut WHO sind psychische Erkrankungen weltweit eine der h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr Arbeitsunf\u00e4higkeit und soziale Isolation. Studien wie der LGBTIQ+ Gesundheitsbericht 2022 zeigen, dass Depressionen, Angstst\u00f6rungen und Burnout in dieser Gruppe \u00fcberdurchschnittlich h\u00e4ufig auftreten. Gerade queere Menschen mit psychischen Erkrankungen erleben in ihrem sozialen Umfeld noch immer viel zu h\u00e4ufig Ausgrenzung oder Unsicherheit, w\u00e4hrend ihnen in der Gesamtgesellschaft ohnehin schon Stigmatisierung entgegenschl\u00e4gt. Wenn wir also keineswegs psychische Erkrankungen mit k\u00f6rperlichen oder kognitiven Behinderungen gleichsetzen k\u00f6nnen, dann ist es dennoch richtig festzustellen, dass die gesellschaftlichen H\u00fcrden und Diskriminierungsmechanismen, mit denen diese Gruppen konfrontiert sind, sich \u00e4hneln.<\/p>\n\n\n\n<p>Fakt ist: Unser Zugang zu Themen wie Queerness, Behinderung und psychische Gesundheit muss so intersektional sein, wie die H\u00fcrden, mit denen wir konfrontiert sind. Besonders deutlich wird das im Gesundheitsbereich! Die mangelnde Sensibilisierung vieler \u00c4rzt*innen und Expert*innen f\u00fcr intersektionale Diskriminierungen ist schlie\u00dflich bis heute ein zentraler Grund f\u00fcr die negativen Erfahrungen, die viele Menschen im Kontakt mit dem Gesundheitswesen erleben m\u00fcssen. Genauso entscheidend sind das Fehlen bundesweiter Ressourcen, das fehlende Wissen \u00fcber intersektionale Diskriminierungen bei \u00c4rzt*innen oder die anhaltende Pathologisierung zahlreicher Identit\u00e4ten. Diese und andere Hindernisse f\u00fchren dazu, dass viele Betroffene dringend ben\u00f6tigte medizinische, psychiatrische oder therapeutische Unterst\u00fctzung meiden oder nicht erhalten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Volle Teilhabe als Ziel<\/h3>\n\n\n\n<p>Was muss sich \u00e4ndern? Wenn volle Teilhabe unser Ziel ist, dann wird es in Zukunft darum gehen m\u00fcssen, nicht nur Strukturen zu ver\u00e4ndern, sondern auch unseren intersektionalen Blick auf H\u00fcrden und Herausforderungen im Alltag zu sch\u00e4rfen \u2013 ganz besonders auch als queere Community. Damit k\u00f6nnen wir schon in unseren eigenen R\u00e4umen beginnen: Mehr Augenmerk f\u00fcr Barrierefreiheit und Teilhabe k\u00f6nnen dabei einen wichtigen Beitrag leisten und zwar sowohl was Behinderungen als auch psychische Erkrankungen angeht. Vor allem aber geht es darum, die Stimmen jener Menschen zu st\u00e4rken, die von intersektionalen Diskriminierungen betroffen sind. Es geht nicht darum, R\u00e4ume f\u00fcr marginalisierte Gruppen besser zu machen, sondern sie mit ihnen so zu gestalten, dass sie f\u00fcr alle von uns besser funktionieren!<\/p>\n\n\n\n<p>Die vorhin schon angesprochene Wahrnehmung von psychischen Erkrankungen als \u201eunsichtbare\u201c Einschr\u00e4nkungen sind daf\u00fcr wohl das beste Beispiel: Viele von uns sind in ihrem Leben zumindest einmal von einer solchen Erkrankung betroffen. Strukturen und Communitys, die sensibel und ohne Stigma mit unserer psychischen Gesundheit umgehen, machen das Leben deshalb nicht nur f\u00fcr jene von uns besser, die gerade an einer depressiven Erkrankung leiden, sondern helfen zum einen oder anderen Zeitpunkt den meisten von uns einmal. Dasselbe trifft f\u00fcr barrierefreie R\u00e4ume zu, f\u00fcr die Verwendung von leichter Sprache oder f\u00fcr gute Peer-to-Peer-Unterst\u00fctzungssysteme.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch \u00fcber unsere Community hinaus gibt es viel zu tun. Diese Schritte werden auch von uns erfordern, dass wir als queere Menschen uns lauter und st\u00e4rker zu gesamtgesellschaftlichen Fragen \u00e4u\u00dfern, dass wir B\u00fcndnisse mit anderen Gruppen eingehen und dass wir unseren politischen Horizont und unsere Forderungen erweitern: Wir m\u00fcssen uns st\u00e4rker mit der Sensibilisierung des Gesundheitspersonals besch\u00e4ftigen und daf\u00fcr von der Politik auch die Ressourcen einfordern. \u00c4rzt*innen, Therapeut*innen oder Pfleger*innen m\u00fcssen \u00fcber intersektionale Diskriminierung Bescheid wissen. Genauso braucht es mehr Mittel f\u00fcr barrierefreie psychosoziale Angebote \u2013 kommunikative Barrieren m\u00fcssen in allen Therapie-, Beratungs- und Behandlungssettings abgebaut werden. In Wien leisten genau daf\u00fcr schon die Psychosozialen Dienste viel Arbeit und setzen wichtige Schwerpunkte. Mit der Sorgenhotline bieten wir zum Beispiel eine niederschwellige Anlaufstelle f\u00fcr psychische Belastungen. Dabei merken wir aber, dass es bundesweite Mittel und Schwerpunkte f\u00fcr eine inklusive Gesundheitsversorgung braucht, eine Stadt allein kann das nicht stemmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem aber wird es um eine Sache gehen: Wir m\u00fcssen psychische Gesundheit, Behinderungen, intersektionale Diskriminierungen und deren Auswirkungen auch in unserer eigenen Community sichtbarer machen! Und wir m\u00fcssen dar\u00fcber reden. Wir m\u00fcssen sowohl die Stimmen von Betroffenen vielf\u00e4ltiger Diskriminierungen st\u00e4rken als auch als Allys offen und aktiv den Diskurs dar\u00fcber st\u00e4rken \u2013 deshalb ist es gerade mir, als schwulem Mann ohne Behinderung, so wichtig, diese Fragen zu thematisieren: Psychische Gesundheit und Behinderung m\u00fcssen als Teil der queeren Realit\u00e4t anerkannt werden. Nur durch intersektionale Perspektiven k\u00f6nnen wir echte Gleichstellung und Teilhabe erreichen \u2013 im Gesundheitssystem, in der Community und in der gesamten Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn echte Inklusion beginnt dort, wo wir die ganze Vielfalt queerer Menschen sehen und ernst nehmen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-vertical is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-8cf370e7 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\" style=\"font-style:normal;font-weight:700\">Factbox<\/h3>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Unter dem Motto \u201ePsychische Gesundheit unter dem Regenbogen\u201c haben die Psychosozialen Dienste in Wien (PSD-Wien) und die HOSI Wien eine eigene Brosch\u00fcre ver\u00f6ffentlicht. Diese und weitere Informationen findest du unter <a href=\"https:\/\/psd-wien.at\/projekt\/regenbogen\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/psd-wien.at\/regenbogen\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/psd-wien.at\/projekt\/regenbogen<\/a><br><br>Die Sorgenhotline Wien bietet unter 01\/4000-53000 eine erste Anlaufstelle bei psychosozialen Belastungen f\u00fcr alle Menschen in Wien.<br>In Krisen ist die Sozialpsychiatrische Soforthilfe des PSD-Wien rund um die Uhr erreichbar: <br><br>0131330<\/p>\n<\/blockquote>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reden wir \u00fcber psychische Gesundheit und Behinderungen unter dem Regenbogen Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist unsere psychische Gesundheit in aller Munde. 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