{"id":5005,"date":"2024-12-06T00:08:00","date_gmt":"2024-12-05T23:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5005"},"modified":"2024-12-06T00:34:39","modified_gmt":"2024-12-05T23:34:39","slug":"pink-pony-clothes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=5005","title":{"rendered":"Pink Pony Clothes"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eDer da hinten ist fix schwul, schau wie er ausschaut.\u201c<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eIst das ein Junge oder ein M\u00e4dchen?\u201c<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eDie hat kurze Haare, die steht sicher auf Weiber!\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Stereotype Vorstellungen \u00fcber das Aussehen queerer Personen gab es schon immer, haben sich mit der Zeit ver\u00e4ndert und wird es wahrscheinlich immer geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie sieht denn so eine \u201atypisch queere Person\u2018 \u00fcberhaupt aus? Wenn man heutzutage im Internet nach Stereotypen von LGBT+ Menschen sucht, k\u00f6nnte man meinen, alle queeren Menschen sind blauhaarige Baristas mit Septum-Piercing und Patchwork-Tattoos. Oft werden solche Aussehensmerkmale mit Rebellion verbunden, dem Ablehnen von sozialen Normen, Gepflogenheiten oder Sch\u00f6nheitsidealen. Bei vielen konservativen Menschen l\u00f6st dieses \u201aaus der Reihe tanzen\u2018 ein Gef\u00fchl der Ablehnung aus, was sich manchmal sogar in Hass (zum Beispiel eben Homo- und Transfeindlichkeit) steigern kann.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Alexa, zeig mir einen Schwulen!<\/h3>\n\n\n\n<p>Aus Interesse habe ich ChatGPT gebeten, ein Bild zu malen: \u201eZeichne mir ein Bild von einer stereotypischen LGBT-Person.\u201c Die Antwort hat mich zuerst positiv \u00fcberrascht, da ich sofort mit einem Bild gerechnet hatte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eLGBT-Personen dr\u00fccken sich auf unglaublich vielf\u00e4ltige Weise aus, sodass es keine festgelegte \u201estereotypische\u201c Darstellung gibt, die die Gemeinschaft fair abbilden w\u00fcrde [\u2026]. Es gibt kein einheitliches Aussehen, das diese Gemeinschaft definiert. Es w\u00e4re problematisch und reduzierend, eine stereotype Darstellung zu schaffen, da queere Menschen vielf\u00e4ltig und einzigartig sind.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Unter meiner Anfrage wurde mir sogar ein roter Text \u201aDieser Inhalt verst\u00f6\u00dft m\u00f6glicherweise gegen unsere Nutzungsrichtlinien.\u2018 angezeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies zeigt aber nicht, dass K\u00fcnstliche Intelligenz weniger stereotypisch ist, im Gegenteil. KI ist im Grunde geballte Information aus unz\u00e4hligen Quellen, und gerade sich wiederholende Stereotypen sind gefundenes Futter f\u00fcr Suchmaschinen. Dieser KI wurde daher von Entwickler*innen \u201abeigebracht\u2018 solche Stereotype zu erkennen und ihnen geschickt aus dem Weg zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich jedoch bei meinem Wunsch nach einem Bild geblieben bin und zus\u00e4tzlich um eine vielf\u00e4ltige, allgemeine Darstellung gebeten habe, ist ein Mensch mit bunten Haaren, massenhaft Piercings und einem Regenbogenschal erschienen. Am Ende des Tages bleiben eben doch gewisse Vorurteile und Bilder in unseren K\u00f6pfen bestehen, die in uns allen etwas ausl\u00f6sen, wenn wir ihnen im Alltag begegnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kleider machen Leute<\/h3>\n\n\n\n<p>So sehr Stereotype auch nerven, irgendwo steckt manchmal auch ein Korn Wahrheit darin. Bestimmte Kleidung, Haarschnitte, Piercings, Tattoos, Nagelkunst, Schmuck, etc. k\u00f6nnen erm\u00e4chtigende Faktoren des Ausdrucks von Zugeh\u00f6rigkeit sein. Innere Werte werden laut und bunt nach au\u00dfen getragen, als Markenzeichen oder Mahnmal. Es zeigt Stolz auf die eigene Identit\u00e4t und die Community, zeigt die Freiheit, das eigene Leben so zu gestalten und zu leben, wie man es m\u00f6chte. Fremde auf der Stra\u00dfe sollen schon aus hundert Meter Entfernung sehen k\u00f6nnen, welche gesellschaftlichen oder politischen Werte die Person mit und in sich tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese spezifischen Ausdrucksweisen dienen aber nicht nur zur Abgrenzung von gewissen Normen, sondern auch dazu, um sich mit Gleichgesinnten zusammenzufinden. Die erste Erfahrung mit dem Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit zur queeren Community ist f\u00fcr viele ein Meilenstein, genauso wie die erste Teilnahme an einer Pride oder die erste Partnerperson. Sich in anderen wiederzuerkennen, etwa durch den gleichen \u00e4u\u00dferlichen Ausdrucksstil, schafft eine ganz besondere Bindung, nicht nur zur Gemeinschaft, sondern st\u00e4rkt auch die eigene Person. Innerhalb der queeren Community war der Ausdruck durch Mode schon immer ein wichtiger Bestandteil \u2013 Beispiele daf\u00fcr sind das Tragen bestimmter Farben, androgyner Kleidung oder \u201aCrossdressing\u2018, ein bestimmtes Ohrpiercing bei M\u00e4nnern, etc. Auch ein kleiner Pin an der Kleidung etwa kann Gro\u00dfes im Gegen\u00fcber ausl\u00f6sen, ein Gef\u00fchl der Sicherheit, des Verst\u00e4ndnisses, der Akzeptanz und m\u00f6glicherweise auch der Zugeh\u00f6rigkeit. Gerade Minderheiten sind immer auf der Suche nach Verb\u00fcndeten, kleinen Anzeichen, die sie wissen lassen: Von dieser Person muss ich keine Gefahr erwarten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">One-Way-Ticket<\/h3>\n\n\n\n<p>Offensichtliche Queerness ist aber nicht immer ideal oder w\u00fcnschenswert. Auf Anhieb als \u201aanders\u2018 abgestempelt zu werden, kann sehr unangenehm oder schlimmstenfalls sogar gef\u00e4hrlich sein. Manchmal ist es eine Hautfarbe, ein Kopftuch oder eine Gehhilfe, die sofort ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, oder eben die Kleidung, Haare oder anderes \u00e4u\u00dferliches, welches nicht der wei\u00dfen, ableistischen cis-hetero Norm entspricht. Die Energie in einem Raum ver\u00e4ndert sich, pl\u00f6tzlich ist da etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches, etwas, das sich von der Gruppe abhebt. Die Frage, wie mit dieser andersartigen Person umgegangen werden soll, h\u00e4ngt schwer in der Mitte des Raumes. In Sekundenschnelle werden alle Informationen \u00fcber diese Minderheit aus den tiefsten Ecken des Ged\u00e4chtnisses herausgegraben. Oft sind hier dann verschiedenste Vorurteile dabei, und\/oder viele Unsicherheiten, die durch Unwissen entstehen. Manche versuchen diese Unsicherheit zu \u00fcberspielen und die \u201aSchuld\u2018 von sich abzuweisen (\u201eman darf ja heutzutage gar nichts mehr sagen\u201c), andere versuchen der Situation aus dem Weg zu gehen, in dem f\u00fcr sie \u201eeh alle gleich\u201c sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich ist Sexualit\u00e4t grunds\u00e4tzlich unsichtbar und es gibt genug queere Menschen, bei denen es ein Coming-out braucht, um als queere Person erkannt zu werden. Daf\u00fcr sind dann andere wiederum so offensichtlich queer, dass sogar bei cis-hetero Personen der Gay-dar l\u00e4utet. Aus pers\u00f6nlicher Erfahrung sprechend kann ich sagen, dass ich manchmal w\u00fcnschte, ich k\u00f6nnte diesen sehr einfach erkennbaren queeren Teil meiner Identit\u00e4t verstecken, und erst dann dar\u00fcber sprechen, wenn ich es f\u00fcr richtig und notwendig halte. Nicht sofort irgendein Label aufgedr\u00fcckt bekommen, nur weil ich kurze Haare oder Piercings habe. Mag schon sein, dass die eine oder andere Annahme auch stimmt, trotzdem ist es selten ein gutes Gef\u00fchl, stereotypisiert zu werden \u2013 nicht selten habe ich das Gef\u00fchl, in Gruppen mit \u00fcberwiegend cis-hetero Personen negativ herauszustechen und schwerer Anschluss zu finden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Gekommen, um zu bleiben<\/h3>\n\n\n\n<p>Der Stigmatisierung entgegenwirkend entstehen heutzutage immer mehr Safe Spaces. Diese gesch\u00fctzten Orte oder (virtuellen) R\u00e4ume dienen dazu, Menschen ein Gef\u00fchl von Sicherheit zu geben, sich frei zu f\u00fchlen und Meinungen und Erfahrungen zu teilen. Gerade in Safe Spaces f\u00fcr queere Menschen ist Diversit\u00e4t in \u00e4u\u00dferlichen Merkmalen nicht nur willkommen, sondern wird oft sogar gefeiert (zB Drag Shows). Wir als queere Community werden noch immer systematisch diskriminiert, so dass wir solche R\u00e4ume brauchen, andererseits sind wir vergleichsweise privilegiert, dass wir diese R\u00e4ume \u00f6ffentlich leben d\u00fcrfen. Mitteleuropa hat in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht, aber wir d\u00fcrfen in Anbetracht des Rechtsrucks nicht vergessen, dass diese Fortschritte auch jederzeit wieder abgebaut werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Stehen wir also gemeinsam zu unserem Recht auf Ausdrucksfreiheit \u2013 laut und bunt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDer da hinten ist fix schwul, schau wie er ausschaut.\u201c \u201eIst das ein Junge oder ein M\u00e4dchen?\u201c \u201eDie hat kurze Haare, die steht sicher auf Weiber!\u201c Stereotype Vorstellungen \u00fcber das Aussehen queerer Personen gab es schon immer, haben sich mit der Zeit ver\u00e4ndert und wird es wahrscheinlich immer geben. 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