{"id":4973,"date":"2024-12-06T00:16:00","date_gmt":"2024-12-05T23:16:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4973"},"modified":"2025-06-04T21:29:45","modified_gmt":"2025-06-04T19:29:45","slug":"diskriminierung-im-gesundheitssystem-aufgrund-des-koerpergewichts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4973","title":{"rendered":"Diskriminierung im Gesundheitssystem aufgrund des K\u00f6rpergewichts"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Es ist leider nicht selten, dass \u00fcbergewichtigen Menschen aufgrund ihres Gewichts nicht die gleiche medizinische Behandlung zuteil wird wie normalgewichtigen Menschen. Dies f\u00e4ngt an, wenn jemand wegen R\u00fccken- oder Gelenksschmerzen in die Praxis geht und anstatt einer ausf\u00fchrlichen Diagnostik und Anamnese nur gesagt bekommt, abzunehmen. Es geht weiter bei konkreten Fragen zur Kosten\u00fcbernahme bestimmter operativer Eingriffe durch die Krankenkasse, die nicht zwangsl\u00e4ufig mit einem zu hohen Gewicht zusammenh\u00e4ngen, aber dennoch davon abh\u00e4ngig gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Hierzu ein kleines Beispiel:<\/h3>\n\n\n\n<p>Die \u00d6sterreichische Gesundheitskasse \u00fcbernimmt in gewissen F\u00e4llen die Kosten f\u00fcr eine Brustreduktion. Daf\u00fcr m\u00fcssen allerdings strenge Kriterien erf\u00fcllt sein, die es f\u00fcr viele unm\u00f6glich machen, die Kosten \u00fcbernommen zu bekommen: die Person muss einen BMI von unter 25 haben (also normalgewichtig sein) und die Brust muss pro Seite um mehr als 500g reduziert werden. Wenn man bedenkt, dass auch das \u00fcbersch\u00fcssige Brustgewebe den BMI erh\u00f6ht, wenn auch nur geringf\u00fcgig, wirken diese Kriterien besonders streng.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass man auch mit einem BMI, der h\u00f6her ist als 25, eine v\u00f6llig \u00fcberproportional gro\u00dfe Brust haben kann, wird dabei komplett au\u00dfer Acht gelassen. Ebenso spielt es keine Rolle, dass Sport, und somit auch die Gewichtsabnahme, mit einer zu gro\u00dfen Brust zus\u00e4tzlich erschwert wird und nicht selten auch Schmerzen bereitet. Hat nicht jeder Mensch Anrecht auf eine medizinisch notwendige Behandlung, ungeachtet des Gewichts, wenn diese dazu beitragen w\u00fcrde Schmerzen zu reduzieren, Infektionen vorzubeugen (etwa bei Infektionen in den Brustfalten aufgrund von gestauter Feuchtigkeit durch Schwitzen) und das Selbstwertgef\u00fchl erheblich zu steigern?<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenfalls diskussionsw\u00fcrdig ist der BMI selbst. Der Body-Mass-Index wird berechnet, indem das K\u00f6rpergewicht in kg durch das Quadrat der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe in m geteilt wird. Keinerlei Einfluss in die Berechnung haben dabei die Gewichtsverteilung (das viszerale Fett, also das Fett in der Bauchh\u00f6he, ist um einiges sch\u00e4dlicher als Fetteinlagerungen in anderen Bereichen im K\u00f6rper), der Anteil der Muskelmasse oder Fettmasse und die genetische Veranlagung (die z.B. die Knochendichte beeinflusst, die wiederum das Gewicht beeinflusst). Ebenso l\u00e4sst sich beobachten, dass evolution\u00e4r gesehen Menschen von verschiedenen Kontinenten verschieden viel Fettmasse brauchten, um sich in kalten Zeiten warm zu halten, weshalb f\u00fcr manche ein etwas h\u00f6herer, oder eben ein niedrigerer K\u00f6rperfettanteil \u201enormal\u201c ist. Es kann genauso gut der Fall sein, dass eine schlanke Person einen deutlich unges\u00fcnderen Lebensstil verfolgt als eine Person, die laut BMI \u00fcbergewichtig ist, aber regelm\u00e4\u00dfig Sport treibt, nicht raucht und auf eine ausgewogene Ern\u00e4hrung achtet. Aus diesem Grund sollte der BMI als zus\u00e4tzliches, aber keinesfalls als alleiniges Instrument zur Beurteilung der Gesundheit einer Person herangezogen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiters sollte bedacht werden, dass Fettleibigkeit bzw. Adipositas viele potentielle Ursachen hat, wie etwa eine hormonelle Dysbalance (z.B. bei schlecht eingestellter Schilddr\u00fcsenunterfunktion), ein gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zum Essen\/eine Essst\u00f6rung oder aber auch genetische Veranlagung. Oftmals werden \u00fcbergewichtige Menschen dennoch als \u201efaul\u201c \u00fcber einen Kamm geschert, was im klinischen Alltag nicht selten zum nicht-Ernstnehmen von Symptomen oder dem Herunterspielen dieser f\u00fchrt. Wenn jemand mit starken R\u00fcckenschmerzen in die haus\u00e4rztliche Praxis kommt hilft es nicht gesagt zu bekommen, dass man abnehmen sollte \u2013 die Person hat diesen Satz sicher schon viele Male von \u00c4rztInnen* geh\u00f6rt. Dennoch haben \u00c4rztInnen* eine Behandlungspflicht gegen\u00fcber ihren PatientInnen*. Symptome m\u00fcssen IMMER ernst genommen werden und deren Ursache auf den Grund gegangen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist leider nicht selten, dass \u00fcbergewichtigen Menschen aufgrund ihres Gewichts nicht die gleiche medizinische Behandlung zuteil wird wie normalgewichtigen Menschen. Dies f\u00e4ngt an, wenn jemand wegen R\u00fccken- oder Gelenksschmerzen in die Praxis geht und anstatt einer ausf\u00fchrlichen Diagnostik und Anamnese nur gesagt bekommt, abzunehmen. 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