{"id":4836,"date":"2024-09-06T00:08:47","date_gmt":"2024-09-05T22:08:47","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4836"},"modified":"2024-09-05T21:36:46","modified_gmt":"2024-09-05T19:36:46","slug":"its-gonna-be-louder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4836","title":{"rendered":"It&#8217;s gonna be &#8230;. LOUDER"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Die Nachricht verwunderte uns alle, als mit Ende Juni der schwule Chor der Uni Wien \u201edie M\u00e4nnersache\u201c aufgel\u00f6st wurde. Die begeisterte Gruppe hat aber beschlossen ihn weiterzuf\u00fchren: Sie haben einen Verein gegr\u00fcndet und dadurch ist der Vienna Gay Men\u2019s Chorus entstanden. Aus diesem Anlass wurde der Chorleiter Dr. Casey J. Hayes interviewt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"370\" height=\"370\" src=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes.jpg\" alt=\"Casey Hayes\" class=\"wp-image-4842\" srcset=\"https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes.jpg 370w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes-300x300.jpg 300w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes-150x150.jpg 150w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes-24x24.jpg 24w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes-48x48.jpg 48w, https:\/\/lambdanachrichten.at\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/Casey-Hayes-96x96.jpg 96w\" sizes=\"auto, (max-width: 370px) 100vw, 370px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Casey Hayes<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Erz\u00e4hl \u00fcber dich: Wie hast du mit LGBTIQ+ Ch\u00f6ren in den USA angefangen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte mein Coming-out vor meinen Eltern, als ich neun war. Ihre Reaktion war sehr ruhig: Wir wissen das schon seit du sieben warst. Ich war immer ein offen schwuler Mann, und habe nie schreckliche Coming-out Geschichten erlebt. Mein Leben war normal und akzeptiert von den meisten: Ich war also bereit, mit klaren Gef\u00fchlen und Selbstbewusstsein in die LGBTIQ+ Gemeinschaft einzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>J\u00e4nner 2000 trat ich meinem ersten Schwulenchor bei. Damals lebte ich in Seattle, zog aber nach Indianapolis zur\u00fcck. Ich war auf der Suche nach Gesellschaft. Der Indianapolis Men\u2019s Chorus war die perfekte Entscheidung: Als Musiklehrer in einem Gymnasium wurde ich Begleiter und stellvertretender Leiter dieses Chors, bevor ich mit meinem Mann nach New York zog, um in Musikp\u00e4dagogik zu promovieren. In meiner Dissertation konzentrierte ich mich auf die p\u00e4dagogische Arbeit in schwulen M\u00e4nnerch\u00f6ren in Zusammenhang mit ihrer einzigartigen Geschichte, K\u00e4mpfen und Kultur.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend meines Aufenthalts in New York wurde ich der musikalische Leiter des New York City Gay Men\u2019s Chorus, des bekanntesten und \u00e4ltesten schwulen M\u00e4nnerchors der Welt. Das hat mein ganzes Leben ver\u00e4ndert! Hier wurde mir klar: obwohl die Gesellschaft dazu neigt, die Teile unserer Gemeinschaft [LGBTIQ+] zu verbinden und vermischen, sind wir historisch, sozial und kulturell recht unterschiedlich. Wir haben mit \u00e4hnlichen Problemen zu k\u00e4mpfen, aber unterscheiden uns in unserem Wachstum und unserer Entwicklung als eigenst\u00e4ndige Gemeinschaften.<\/p>\n\n\n\n<p>Als unsere Eltern krank wurden, zogen wir zur\u00fcck nach Indiana und ich \u00fcbernahm den Cincinnati Men\u2019s Chorus, ein Schwulenchor, den ich innerhalb von sechs Jahren von knapp 30 auf 80 S\u00e4nger vergr\u00f6\u00dfert habe. Wegen der Entfernung \u00fcbernahm ich dann einen Chor in Bloomington, Indiana der viel n\u00e4her an meinem Wohnort lag, wo ich bis zu meinem Umzug nach Wien blieb.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind deine positiven oder negativen Erfahrungen? Was unterscheidet euch von einem Hetero-Chor?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meiner Meinung nach ist der gr\u00f6\u00dfte Unterschied die Mission des Chors: Wenn ein LGBTIQ+ Chor die B\u00fchne betritt, noch bevor die S\u00e4nger*innen einen einzigen Ton gesungen haben, gibt er eine politische, soziale und kulturelle Erkl\u00e4rung ab. Er repr\u00e4sentiert eine gr\u00f6\u00dfere Gemeinschaft und nicht nur sich selbst! Das bedeutet eine riesige Verantwortung! Deshalb glaube ich, dass die Musik tadellos und das Aussehen des Ensembles so einheitlich und makellos wie m\u00f6glich sein m\u00fcssen. Die Menschen kritisieren gerne, aber das ist viel schwieriger, wenn die Musik kraftvoll und das Aussehen professionell sind. Das beschr\u00e4nkt sich aber nicht nur auf schwule Ch\u00f6re oder andere Ch\u00f6re mit \u00e4hnlichen Zielen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum glaubst du, dass es wichtig ist, so einen Chor (oder mehrere Ch\u00f6re) der LGBTIQ+-Community in Wien zu haben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist kein Alleinstellungsmerkmal, einen solchen Chor in Wien zu haben: Es gab schon seit langem einen schwulen Chor in Wien, der erst vor kurzem aufgel\u00f6st wurde. Aber Wien ist eine Weltstadt der Kultur! Warum sollte es denn ein solches Ensemble NICHT geben?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich w\u00e4re der Gl\u00fccklichste, wenn es einen Lesbenchor, einen Queer-Chor, einen Trans-Chor g\u00e4be. Jeder Buchstabe von LGBTIQ+ steht f\u00fcr eine eigene Kultur, und bei jeder Kultur gibt es eine Verantwortung, die \u00d6ffentlichkeit aufzukl\u00e4ren. Meiner Meinung nach ist die Musik der am wenigsten bedrohliche Weg daf\u00fcr. Es gibt viele Ch\u00f6re auf der Welt, die als kulturelle Botschafter f\u00fcr die schwulen, lesbischen, trans, usw. Communities dienen. Ich werde den Tag begr\u00fc\u00dfen, an dem solche Ensembles auch in Wien gegr\u00fcndet werden. Aber bis dahin konzentriere ich mich auf meine Aufgabe: schwule M\u00e4nnerch\u00f6re zu dirigieren und dadurch unsere Mission zu erf\u00fcllen, Br\u00fccken zu bauen durch Gesang. Aber ich werde jederzeit allen helfen, mit Ermutigung und Unterst\u00fctzung, die ein Ensemble mit solchem Ziel gr\u00fcnden wollen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was hat euch motiviert, einen eigenen Chor zu gr\u00fcnden?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Meine Motivation war, einen harten Kern von S\u00e4ngern zu versammeln auf Grund meiner fr\u00fcheren Erfahrungen als S\u00e4nger im schwulen M\u00e4nnerchor hier in Wien. 2021 kam ich nach Wien als Fulbright Stipendiat: Covid war noch hier! Ich wandte mich an den damaligen Dirigenten; ich erinnere mich noch daran, wie wir in dicke M\u00e4ntel eingemummelt bei kaltem Wetter im Arkadenhof der Uni probten. Dort lernte ich einige meiner besten Freunde kennen. Sie sangen gerne, verbrachten die Zeit gerne zusammen und glaubten an die Mission eines schwulen M\u00e4nnerchors. Als sich der Chor aufl\u00f6ste, beschlossen wir, dass wir noch immer einen Chor haben wollen, der betont schwul ist, Musik singt geschrieben direkt f\u00fcr traditionelle M\u00e4nnerch\u00f6re, aber unsere Geschichte, Kultur und Kameradschaft repr\u00e4sentiert. Die Gr\u00fcndung dieses Chors ist wirklich eine Teamleistung! Ich bin nur der Dirigent, nicht wichtiger als alle anderen, die auf der B\u00fchne stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie definiert ihr den Chor? Warum gerade ein schwuler M\u00e4nnerchor? Habt ihr auch an einen offenen Queer-Chor mit allen Stimmlagen gedacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Der Vienna Gay Men\u2019s Chorus ist ein Ensemble, das Br\u00fccken zwischen der schwulen Gemeinschaft und den nicht-schwulen Gemeinschaften Wiens baut: Wir feiern und teilen durch die Musik unsere einzigartige Geschichte, Kultur, K\u00e4mpfe und Triumphe. Alle k\u00f6nnen mitmachen, die \u00fcber die entsprechenden musikalischen F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen (d.h. in der Stimmlage eines traditionellen M\u00e4nnerchors zu singen, wie Tenor 1-2, Bass 1-2) und die Leidenschaft haben, musikalische und kulturelle Repr\u00e4sentanten der schwulen Gemeinschaft zu sein. Warum ein \u201eGay\u201c Chor? Weil das ist, was ich kenne, wor\u00fcber ich recherchiere, schreibe und, was am wichtigsten ist, wer ich bin! Meiner Meinung nach w\u00e4re es unaufrichtig von mir ein Ensemble zu leiten, das eine Kulturgemeinschaft repr\u00e4sentiert, die nicht zu meinem Fachgebiet geh\u00f6rt. Meine Lebenserfahrungen formten meine kreative Stimme und als schwuler Mann mit einem starken Identit\u00e4tsgef\u00fchl muss ich dem treu bleiben, was ich bin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sind eure Pl\u00e4ne f\u00fcr die n\u00e4here und fernere Zukunft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da wir gerade den Verein gegr\u00fcndet haben, werden wir noch im August ein Treffen f\u00fcr unsere Kerns\u00e4nger*innen abhalten und sofort danach damit beginnen Sponsor*innen zu suchen. Unser Marketing-Material ist entworfen und ist ERSTAUNLICH! Das Vorsingen wird im September sein! Haltet alle die Augen nach Plakaten f\u00fcr weitere Informationen offen! Die Proben finden dienstagabends von 19:00 bis 21:30 Uhr statt und werden sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch abgehalten. Ich plane ein Konzert im Dezember und ein Pride-Konzert in Juni. Der genaue Kalender vom VGMC wird im Laufe des Sommers noch von unserer Gruppe entwickelt. Ich werde erst zufrieden sein, wenn wir auf der B\u00fchne der Vienna Pride singen d\u00fcrfen! In der ferneren Zukunft werden wir uns dem Gala-Netzwerk von LGBTIQ+ Ch\u00f6ren der Welt anschlie\u00dfen, zu ihrem viermal im Jahr stattfindenden Festival reisen und dort als die Stimme der schwulen Community Wiens auftreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie kann ich mich bei euch bewerben?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Alle, die Interesse haben, dem Vienna Gay Men\u2019s Chorus beizutreten, sollten mir, Dr. Casey J. Hayes, eine E-Mail an cjhayesphd@gmail.com senden. Ich werde mit allen den Kontakt aufnehmen und alle Informationen zum Vorsingen und Proben vor Beginn der Proben im September mitteilen. Wir m\u00fcssen als Gemeinschaft sichtbar und laut sein\u2026 Also: Make it LOUDER!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Nachricht verwunderte uns alle, als mit Ende Juni der schwule Chor der Uni Wien \u201edie M\u00e4nnersache\u201c aufgel\u00f6st wurde. 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