{"id":4830,"date":"2024-09-06T00:06:47","date_gmt":"2024-09-05T22:06:47","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4830"},"modified":"2024-09-05T21:36:11","modified_gmt":"2024-09-05T19:36:11","slug":"menschen-ohne-geschichte-sind-staub","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4830","title":{"rendered":"Menschen ohne Geschichte sind Staub"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Anna H\u00e1jkov\u00e1 ist Historikerin mit dem Schwerpunkt europ\u00e4ische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie forscht und publiziert zur j\u00fcdischen Alltagsgeschichte und zur queeren Geschichte des Holocaust. Sie lehrt Modern Continental European History an der Universit\u00e4t Warwick und forscht \u00fcber die Geschichte des Holocaust; zuletzt erschienen: \u201eMenschen ohne Geschichte sind Staub. Homophobie und Holocaust\u201c (2021), 2. erweiterte Auflage 2024, mit einem Vorwort von Tessa Ganserer (Bundestagsabgeordnete \u2013 B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen), erschienen im Wallsteinverlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Titel des Buches, den ich pers\u00f6nlich sehr poetisch empfinde, ist laut H\u00e1jkov\u00e1 dem Zitat eines KZ-\u00dcberlebenden zu verdanken. Er wird auch dem Inhalt des Buches voll und ganz gerecht, denn H\u00e1jkov\u00e1 schafft es tats\u00e4chlich, den von ihr beschriebenen Menschen ein Gesicht zu geben und sie aus der historischen Dunkelheit ins Licht unserer queeren Gegenwart zu holen. Sie erkl\u00e4rt eingehendst wie es dazu kam, dass die Geschichten gleichgeschlechtlicher Liebe in den Konzentrations\/Vernichtungslagern der NS Schreckensherrschaft retuschiert worden sind. So etwa auf Seite 27\/28: \u201eEine spezifische Form der queeren Ausradierung kann man an dem Interview von Irene Miller erkennen, einer \u201ehalbj\u00fcdischen\u201c lesbischen Widerstandsk\u00e4mpferin aus Prag\u2026..das ganze Interview hindurch bem\u00fchte sich Miller, ihre sexuelle Orientierung und ihre Partnerin zur Sprache zu bringen, die tat es auf die Art wie jemand ihrer Sozialisation und Generation getan h\u00e4tte: sie sprach von \u201eMitbewohnerin\u201c. Der Interviewer jedoch lie\u00df es nicht zu \u2013 er erkannte nicht was Miller ihm zu sagen versuchte, vielleicht auch weil Homosexualit\u00e4t f\u00fcr ihn in seiner heteronormative Denkweise gar nicht vorkam.\u201c Laut H\u00e1jkov\u00e1 reagieren Interviewende sehr oft mit lenkenden Fragen sobald queere Themen zur Sprache kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich besonders interessant an diesem Buch finde ist, dass sie hier ganz offen von den gelebten Sexualit\u00e4ten in den Konzentrationslagern erz\u00e4hlt und dabei auch nichts besch\u00f6nigt und auch die Opfer in all ihrer Ambiguit\u00e4t und ohne Kitsch beschreibt.<\/p>\n\n\n\n<p>So schreibt sie auch auf Seite 39: \u201eWenn wir eine inklusivere Geschichte anstreben, sollten wir uns den ambivalenten Geschichten annehmen\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Basierend auf umfassender Archivforschung und Oral History bietet die zweite erweiterte Auflage des Klassikers \u201eMenschen ohne Geschichte sind Staub\u201c einen pr\u00e4gnanten Einblick in queere Geschichte des Holocaust f\u00fcr Anf\u00e4nger*\/Innen und Fortgeschrittene. Die zahlreichen Fu\u00dfnoten sind vor allem auch f\u00fcr jene Leser*\/Innen von Interesse, die sich intensiver mit dieser Thematik auseinandersetzen m\u00f6chten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anna H\u00e1jkov\u00e1 ist Historikerin mit dem Schwerpunkt europ\u00e4ische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie forscht und publiziert zur j\u00fcdischen Alltagsgeschichte und zur queeren Geschichte des Holocaust. Sie lehrt Modern Continental European History an der Universit\u00e4t Warwick und forscht \u00fcber die Geschichte des Holocaust; zuletzt erschienen: \u201eMenschen ohne Geschichte sind Staub. 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