{"id":479,"date":"2021-03-12T00:43:36","date_gmt":"2021-03-12T00:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/staging.lambdanachrichten.at\/?p=479"},"modified":"2021-05-09T13:32:15","modified_gmt":"2021-05-09T13:32:15","slug":"biphobie%e2%80%a9-innerhalb-der-%e2%80%a9lgbtiq%e2%80%a8-community","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=479","title":{"rendered":"Biphobie innerhalb der LGBTIQ* Community"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bisexualit\u00e4t au\u00dferhalb der LGBTIQ*-community<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">\u00dcber Bisexualit\u00e4t gibt es au\u00dferhalb der Community viele Vorurteile. Gerade heterosexuelle M\u00e4nner sehen queere Frauen, darunter auch bisexuelle Frauen, oft als Lustobjekt. Da bisexuelle Frauen M\u00e4nner und Frauen attraktiv finden, wird hier ein potenzieller Dreier manchmal als selbstverst\u00e4ndlich gesehen. Wenn ich mit meiner Partnerin auf Partys gewesen bin, haben wir \u00f6fter als einmal aus dem nichts kommende Vorschl\u00e4ge f\u00fcr Dreier von heterosexuellen M\u00e4nnern, die wir kaum kennen, bekommen. Die Bisexualit\u00e4t von Frauen wird somit oft nicht ernst genommen, denn heterosexuelle M\u00e4nner setzen voraus, dass der Mann in der Beziehung fehlt. Bei bisexuellen M\u00e4nnern hingegen ist das Gegenteil der Fall. Viele bisexuellen M\u00e4nnern haben mir erz\u00e4hlt, dass Frauen, mit denen sie sich romantisch getroffen hatten, nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollten, nachdem sie von der Bisexualit\u00e4t ihrer Dates erfahren hatten. Begr\u00fcndung daf\u00fcr seien oft ein Ekel vor Analverkehr zwischen M\u00e4nnern gewesen. W\u00e4hrend weibliche Bisexualit\u00e4t von heterosexuellen Menschen also fetischisiert wird, wird jene von M\u00e4nnern von Homophobie \u00fcberlagert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bisexualit\u00e4t innerhalb der LGBTIQ*-community<\/h3>\n\n\n\n<p>Umso wichtiger ist es, dass auch bisexuelle Personen einen Safe Space haben, in dem sie ohne Angst vor Diskriminierung Zeit verbringen k\u00f6nnen. Das sollten im Idealfall LGBTIQ*-Lokale und -Veranstaltungen sein. Doch obwohl Bisexuelle laut einer gro\u00dfen Meta-Analyse des Robert Koch Instituts aus dem Jahr 2020 die gr\u00f6\u00dfte Gruppe innerhalb der Community sind, werden sie dennoch schwer anerkannt und akzeptiert. Das ist besonders schade, da gerade Personen der LGBTIQ*-community aufgrund der eigenen Diskriminierungserfahrungen aufgeschlossener sein sollten.<\/p>\n\n\n\n<p>Immer wieder h\u00f6re ich von Personen aus der Community, dass Bisexuelle eigentlich homosexuell sind und nur heterosexuelle Privilegien genie\u00dfen wollen, beziehungsweise, dass Bisexuelle zu feige sind, sich \u201evollst\u00e4ndig zu outen\u201c. Manchmal wird Bisexualit\u00e4t also als Vorstufe zur Homosexualit\u00e4t anstatt als eigenst\u00e4ndige sexuelle Orientierung gesehen. Oft geht das Vorurteil auch in die andere Richtung und es wird geglaubt, dass Bisexuelle in Wirklichkeit heterosexuell sind und ihre Neugierde nur f\u00fcr kurze Zeit ausleben wollen. So l\u00e4sst sich eventuell auch das oftmalige Misstrauen erkl\u00e4ren, mit dem viele bisexuellen Personen aus meinem Bekanntenkreis konfrontiert werden. Denn immer wieder gibt es in der Community auch das Vorurteil, dass Bisexuelle sowieso wieder zum anderen Geschlecht zur\u00fcckgehen und sich eine Beziehung deshalb gar nicht lohne. In diesem Zusammenhang wird Bisexualit\u00e4t als Phase abgetan und als vor\u00fcbergehende Abweichung der Heterosexualit\u00e4t gesehen. Wenn bisexuelle Freunde oder ich interessiert nachfragen, woher diese Vorurteile kommen, stellt sich oft heraus, dass solche Personen in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Bisexuellen gemacht haben und diese schlechten Erfahrungen nun generalisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was all diese Vorurteile, sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb der LGBTIQ*-community gemein haben, ist die \u00dcberzeugung, dass Bisexualit\u00e4t in Wahrheit nicht existiert. Denn es ist nat\u00fcrlich so, dass man Bisexualit\u00e4t nicht mit freiem Auge sieht. Wer mit jemanden des gleichen Geschlechtes in einer Beziehung ist, wird als homosexuell wahrgenommen, und wer mit jemanden des anderen Geschlechtes in einer Beziehung ist, wird in der Community als heterosexuell beziehungsweise als straight ally wahrgenommen. Bisexualit\u00e4t bleibt unsichtbar, bis man sich aktiv als bisexuell outet.<\/p>\n\n\n\n<p>Sich aktiv als bisexuell zu outen birgt jedoch ganz eigene Probleme. Denn mit Bisexualit\u00e4t kommt relativ oft auch das Thema Promiskuit\u00e4t auf. Nach einem Outing gegen\u00fcber einem neuen Partner \/ einer neuen Partnerin wurde ich schon unz\u00e4hlige Male nach einer offenen Beziehung oder einem Dreier gefragt. Irgendwie scheint es noch immer in den K\u00f6pfen der Menschen verankert zu sein, dass bisexuelle Menschen nicht in einer gl\u00fccklichen monogamen Beziehung leben k\u00f6nnen \/ wollen und zwingend beide Geschlechter brauchen, um gl\u00fccklich zu sein. Als Grund daf\u00fcr wurde Bekannten und mir bereist \u00f6fters das Vorurteil genannt, dass Bisexuelle ihre Partner*innen sowieso fr\u00fcher oder sp\u00e4ter betr\u00fcgen, da bisexuelle Personen einfach nicht treu sein k\u00f6nnten. Dass die F\u00e4higkeit, mehr als ein Geschlecht zu lieben (=Bisexualit\u00e4t) und mehrere Sexualpartner zu haben (=Promiskuit\u00e4t) zwei komplett verschiedene Dinge sind, wird leicht vergessen. Trotzdem ist dies nicht die schlimmste Reaktion, die bisexuelle Personen nach einem Outing bekommen k\u00f6nnen. Es passiert zwar zum Gl\u00fcck relativ selten, aber trotzdem haben vereinzelt bisexuelle Personen in meinem Bekanntenkreis nach einem Outing gegen\u00fcber einer*einem potenziellen Partner*in schon einmal den Satz \u201eOh, ich date keine Bisexuellen\u201c geh\u00f6rt. Das passiert bei weitem \u00f6fter innerhalb der Community als au\u00dferhalb. Manche homosexuellen Personen haben Bisexualit\u00e4t noch immer als Ausschlusskriterium f\u00fcr potenzielle Partner*innen in ihren K\u00f6pfen verankert, was nat\u00fcrlich sehr verletzend f\u00fcr Betroffene ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Internalisierte Biphobie und ihre Auswirkungen<\/h3>\n\n\n\n<p>Doch Bisexualit\u00e4t kann nicht nur beim Dating ein gro\u00dfes Thema werden. Die vielen Vorurteile, denen Bisexuelle konstant ausgesetzt sind, k\u00f6nnen sich mitunter negativ auf die psychische Gesundheit auswirken. Aufgrund der eigenen internalisierten Biphobie f\u00e4llt es Bisexuellen gerade zu Beginn oft schwer, ihre Bisexualit\u00e4t zu akzeptieren. Viele Bisexuelle in meinem Bekanntenkreis berichten, dass sie lange zwischen den Identit\u00e4ten \u201ehomosexuell\u201c und \u201eheterosexuell\u201c geschwankt seien, je nachdem, mit wem sie gerade ausgingen, weil es einfach so viele Vorurteile gegen\u00fcber der bisexuellen Identit\u00e4t gibt. Das Robert Koch Institut hat 2020 hat eine gro\u00dfe Meta-Analyse zum Thema \u201eLGBTIQ* und psychische Gesundheit\u201c gemacht und laut dieser haben Bisexuelle h\u00e4ufiger als Heterosexuelle und gleich oft wie Homosexuelle psychische Probleme, wie beispielsweise Depressionen, Angstst\u00f6rungen oder Suchterkrankungen. Dies wurde in der Meta-Analyse auf die internalisierte Biphobie zur\u00fcckgef\u00fchrt, was ich auch in meinem Bekanntenkreis beobachte.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Label Bisexualit\u00e4t angekommen ist der Prozess der Selbstakzeptanz oft noch nicht vorbei. Viele Bisexuelle in meinem Bekanntenkreis sind sich auch nach vielen Jahren immer wieder mal unsicher bez\u00fcglich ihrer sexuellen Identit\u00e4t und fragen sich, ob das Label denn wirklich das richtige f\u00fcr sie ist, vor allem, wenn sie in Langzeitbeziehungen leben. Gerade wegen der st\u00e4ndigen Herabw\u00fcrdigung der Gesellschaft, sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb der Community, f\u00fchlen sich Bisexuelle verunsichert und unter st\u00e4ndigem Druck, sich beweisen zu m\u00fcssen oder \u201eeine Seite zu w\u00e4hlen\u201c. Bin ich immer noch bisexuell, wenn ich mich eine Weile nur zu einem Geschlecht hingezogen f\u00fchle? Was, wenn die Gesellschaft Recht hatte und es wirklich nur eine Phase war? Vielleicht sollte ich mich lieber nicht outen, um unangenehmen Fragen auszuweichen? Dies sind nur einige Beispiele f\u00fcr Fragen, die sich Bisexuelle im Laufe ihres Lebens oft immer wieder stellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Was ich mir als bisexuelle Frau von der LGBTIQ*-community w\u00fcnsche<\/h3>\n\n\n\n<p>Eigentlich w\u00fcnsche ich mir nur eines von der Community: dieselbe Akzeptanz bez\u00fcglich meiner sexuellen Orientierung, die auch Homosexuelle so selbstverst\u00e4ndlich empfangen. Ich will mich nicht dauernd rechtfertigen m\u00fcssen, sondern f\u00fchlen, dass ich innerhalb der Community willkommen bin und auch hierhergeh\u00f6re. Ich m\u00f6chte nicht je nach Partner*in in die Schublade \u201ehomosexuell\u201c oder \u201eheterosexuell\u201c gesteckt werden, sondern erreichen, dass auch bisexuell als eigenst\u00e4ndige Kategorie infrage kommt. Ich m\u00f6chte nicht st\u00e4ndig \u00fcber alle m\u00f6glichen Vorurteile diskutieren, sondern als Individuum gesehen und akzeptiert werden. Denn Bisexualit\u00e4t ist weder eine Vorstufe zur Homosexualit\u00e4t noch eine Phase innerhalb der Heterosexualit\u00e4t. Bisexualit\u00e4t ist eine vollst\u00e4ndige und eigenst\u00e4ndige sexuelle Orientierung, die akzeptiert und ernst genommen werden sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisexualit\u00e4t au\u00dferhalb der LGBTIQ*-community \u00dcber Bisexualit\u00e4t gibt es au\u00dferhalb der Community viele Vorurteile. 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