{"id":4531,"date":"2024-05-31T00:21:00","date_gmt":"2024-05-30T22:21:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4531"},"modified":"2024-05-31T13:29:34","modified_gmt":"2024-05-31T11:29:34","slug":"come-out-in-solidarity","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4531","title":{"rendered":"Come out in solidarity"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Pride is a demonstration for trans rights!<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Der Begriff Coming-out bedeutet ungef\u00e4hr, etwas \u00f6ffentlich zu machen, meistens geht es dabei um die eigene sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t. F\u00fcr viele LGBTIQ-Personen ist das eigene Coming-out eine einschneidende Erfahrung, egal wie gut oder schlecht es verl\u00e4uft. Ein Coming-out ist kein abgeschlossener Prozess, sondern muss in neuen Kontexten und mit neuen Bekanntschaften immer wieder unternommen werden. Auch ist das Coming-out nicht immer dasselbe, da sich bspw. die sexuelle Orientierung im Laufe des Lebens \u00e4ndern kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Ohne den Prozess des Coming-outs als LGBTIQ-Person mit einer politischen Haltung gleichsetzen zu wollen, so m\u00f6chte ich diesen Begriff auch f\u00fcr einen anderen Kontext bem\u00fchen. Die Debatten innerhalb und au\u00dferhalb unserer Community dar\u00fcber, wer die richtige Haltung in Bezug auf unsere Themen hat und wer wen ein- oder ausschlie\u00dfen will, schlagen seit langer Zeit immer wieder gro\u00dfe Wellen, in denen auch der Existenzgrund f\u00fcr den Lesben*Rat liegt. Es geht um nichts weniger als die Frage, ob und wie trans* inklusiv eine Bewegung ist, die sich seit Jahrzehnten f\u00fcr die Akzeptanz der eigenen Sexualit\u00e4t und (Geschlechts)Identit\u00e4t einsetzt. Ich w\u00fcnsche mir ein Coming-out in Solidarit\u00e4t mit unserer gesamten Community. Es geht darum, dass Lesben mehr sind als zwei cis Frauen, die eine normative Sexualit\u00e4t teilen, es geht darum, dass queere Frauen mehr verbindet als ihr Begehren, und es geht darum, dass die lesbische Identit\u00e4t eine inklusive und vielf\u00e4ltige sein muss, denn sonst verraten wir nicht nur unsere trans* und nicht-bin\u00e4ren Geschwister, sondern auch all die schwarzen Aktivist*innen und Lesben of Colour, die f\u00fcr die Dekonstruktion der wei\u00dfen Heteronormativit\u00e4t gek\u00e4mpft haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Kern der Debatte ist einfach erkl\u00e4rt: Einigen Menschen scheint es schwerzufallen, zu akzeptieren, dass sich nicht alle Menschen mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeordnet wurde. Sie berufen sich auf vermeintliche biologische Fakten (\u201eEs gibt nur zwei biologische Geschlechter\u201c) und versuchen, die Transidentit\u00e4t von Menschen als ein individuelles Problem zu stilisieren, das keine Konsequenzen f\u00fcr die herrschende Geschlechterordnung und, in der Folge, f\u00fcr rechtliche und politische Gegebenheiten h\u00e4tte. Indem sie den Kampf um Rechte f\u00fcr trans* Personen (und, weniger prominent doch genauso dr\u00e4ngend, den Kampf um Rechte f\u00fcr intergeschlechtliche Personen) als \u201eGenderwahn\u201c bezeichnen, erwecken sie den Anschein, es handle sich hier um eine im wahrsten Sinne des Wortes wahnsinnige Minderheit. Gibt man dann noch eine gute Dosis Angstmacherei \u00e0 la \u201eM\u00e4nner in Frauenkleider bel\u00e4stigen Frauen\u201c und \u201etrans Rechte gef\u00e4hrden Frauenrechte\u201c hinzu, ist ein toxische Mischung erreicht, angesichts deren Spaltungskraft sich die Feinde aller Frauen und LGBTIQ-Personen die H\u00e4nde reiben. Das Spiel ist einfach: Minderheit wird gegen patriarchal Unterdr\u00fcckte ausgespielt, gewinnen tun am Ende rechte und rechtskonservative Gruppierungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, wie vielf\u00e4ltig Geschlecht ist \u2013 nicht nur im biologischen, sondern auch im sozialen oder kulturellen Sinne \u2013 ist eigentlich in der DNA unserer Bewegung verankert: Seit jeher k\u00e4mpfen Lesben daf\u00fcr, dass ihnen das Frau-Sein auch dann nicht abgesprochen wird, wenn sie sich maskulin\/burschikos\/m\u00e4nnlich pr\u00e4sentieren, schon immer werden Schwule, die feminin auftreten, daf\u00fcr angefeindet. Warum regt es manche Menschen so sehr auf, dass manche die \u201eGeschlechtergrenzen\u201c anders \u00fcberwinden (m\u00fcssen) als sie selbst? Dass die eigene Identit\u00e4t von der Au\u00dfenwelt anerkannt und akzeptiert wird, war schon immer ein Teil der LGBTIQ-Bewegung. Denn das Sein verwirklicht sich ja auch im Spiegel der Gesellschaft. Ziel ist es, das wahre Ich voll und ganz zu leben. Manche haben das Privileg, dass der Spiegel der Gesellschaft von Geburt an dieses Sein best\u00e4tigt, andere m\u00fcssen um ihre Identit\u00e4t k\u00e4mpfen, da sie von der Au\u00dfenwelt nicht sofort erkannt wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Unf\u00e4higkeit zur Empathie derjenigen, die durch ihre pers\u00f6nliche Meinung die Existenz von Menschen in Frage stellen und ihren Kampf um Rechte abtun, widert mich an. Die Entgegnung, dass man ja nur eine Meinung \u00e4u\u00dfere und das noch lange kein Hass sei, h\u00f6rt man oft. Schockierend, dass ausgerechnet gebildete, oft sogar intellektuelle Menschen, die bereits in zivilgesellschaftlichen Bewegungen um gleiche Rechte aktiv waren, mit dieser Argumentation aufwarten. Gerade denen sollte doch der Zusammenhang zwischen Sprache und Handeln auf einer strukturell-gesellschaftlichen Ebene bewusst sein. Dass sich Gruppen f\u00fcr ihre Ablehnung von trans* Personen sogar mit offen rechten Akteur*innen \u2013 wie bspw. bei einer Veranstaltung mit der transfeindlichen Aktivistin Posie Parker 2023 in Wien \u2013 gemein machen, ist ebenfalls ein Schlag ins Gesicht von jahrzehntelanger Community-Arbeit gegen den uns verachtenden rechten Rand.<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier sind wir bei einem Problem, das unabh\u00e4ngig von der individuell gezeigten notwendigen Solidarit\u00e4t mit trans* und inter* Personen alle Teile der LGBTIQ-Community zutiefst besorgen sollte: Wir k\u00f6nnen es uns schlichtweg nicht leisten, uns in Zeiten eines nationalen und europ\u00e4ischen Rechtsrucks mit Schwurbler*innen in den eigenen Reihen zu besch\u00e4ftigen. Die Angriffe der Rechten sind l\u00e4ngst in vollem Gange, egal ob sie regieren oder nicht. W\u00e4hrend sie in Brandenburg Pl\u00e4ne schmieden, Unerw\u00fcnschte \u2013 und dazu wird unsere Community in jedem Fall dazu geh\u00f6ren \u2013 zu vertreiben, Kickl in \u00d6sterreich von Fahndungslisten schwafelt und die FP\u00d6 in fast allen Umfragen bei knapp 30% steht, besch\u00e4ftigen wir uns mit der Frage, wer wen gerade \u201emundtot\u201c macht. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass alle, die sich mundtot gemacht f\u00fchlen, nat\u00fcrlich trotzdem gen\u00fcgend Plattformen finden, um ihre Meinung (und manchmal sehr konkret ihren Hass) zu verbreiten \u2013 Social Media sei Dank, und das gilt f\u00fcr alle Seiten des Konflikts. Was man aber nicht vergessen darf ist die Tatsache, dass trans* Personen nicht nur in unserer Community, sondern gesamtgesellschaftlich angegriffen werden. Deshalb sind ihre Sprecher*innen-Positionen andere und insbesondere vulnerablere, denn sie m\u00fcssen sich f\u00fcr ihre eigenen Rechte einsetzen \u2013 es geht um ihr Leben und \u00dcberleben, w\u00e4hrend diejenigen, die mit \u201eGenderwahn\u201c-Rufen vom eigentlichen Problem (fehlenden Rechten f\u00fcr unsere Community) ablenken, aber dabei gar nicht konkret um ihre eigenen Rechte k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Debatte ist wichtig und Diskurs ist notwendig \u2013 man muss nicht einer Meinung sein. Aber es muss eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit sein, dass man sich niemals mit der Rhetorik und den Argumenten Rechter, die unser alle Rechte umfassend ablehnen, gemein macht. Es ist mir egal, ob ein Mensch an zwei Geschlechter oder an 27 glaubt \u2013 aber ich will mich darauf verlassen k\u00f6nnen, dass Menschen, die diese K\u00e4mpfe mit mir austragen, sich kompromisslos und zu jedem Zeitpunkt auf die Seite UNSERER Community stellen \u2013 und zwar auf die Seite jeder einzelnen Person in dieser Community. Alle Rechte allen Menschen \u2013 solange wir diese Position teilen, m\u00fcssen wir in nichts anderem einer Meinung sein, ob nun pers\u00f6nliche Meinungen oder wissenschaftliche Fakten das Geschlecht definieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die diesj\u00e4hrige Regenbogenparade steht unter dem Motto \u201ePride is a demonstration\u201c \u2013 sie ist eine Demonstration f\u00fcr LGBTIQ-Rechte, Akzeptanz und Respekt. Feiern wir am 8. Juni ein (weiteres) Coming-out \u2013 in Solidarit\u00e4t mit allen Menschen unserer Community!<\/p>\n\n\n\n<p>Come out in solidarity \u2013 Pride is a demonstration for trans rights!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pride is a demonstration for trans rights! Der Begriff Coming-out bedeutet ungef\u00e4hr, etwas \u00f6ffentlich zu machen, meistens geht es dabei um die eigene sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t. F\u00fcr viele LGBTIQ-Personen ist das eigene Coming-out eine einschneidende Erfahrung, egal wie gut oder schlecht es verl\u00e4uft. 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