{"id":4506,"date":"2024-05-31T00:14:00","date_gmt":"2024-05-30T22:14:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4506"},"modified":"2024-05-31T13:30:09","modified_gmt":"2024-05-31T11:30:09","slug":"coming-out-in-filmen-und-serien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4506","title":{"rendered":"Coming-out in Filmen und Serien"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap\">Wenn sich eine Person der LGBTIQ+ Gemeinschaft entscheidet sich jemandem gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen, kann das eine bedeutungsvolle Situation im Leben sein. Auch in Filmen und Serien sind Coming-outs bedeutungsvoll und h\u00e4ufig emotional.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch warum sind sie so wichtig?<\/p>\n\n\n\n<p>Zum einen kann positive Repr\u00e4sentation in den Medien zu mehr Akzeptanz in der Gesellschaft f\u00fchren, denn Menschen au\u00dferhalb der LGBTIQ+ Gemeinschaft kommen durch die Medien mit queeren Charakteren in Kontakt und setzen sich mit queeren Themen auseinander. Gerade in fiktionalen Geschichten versetzen sich Zuschauer*innen in die Charaktere hinein und entwickeln Empathie.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum anderen profitieren queere Menschen auch direkt von positiver Repr\u00e4sentation, denn es zeigt, dass queere Menschen sich nicht verstecken m\u00fcssen, dass sie nicht allein in ihrer Situation sind. Es kreiert au\u00dferdem Perspektive, denn wenn Zuschauer*innen Coming-outs in den Medien sehen, kann es sie ermutigen sich ebenfalls jemandem anzuvertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Vergangenheit war die Darstellung von queeren Menschen in den Medien, wenn vorhanden, h\u00e4ufig stereotypisch und negativ. Oft wurden sie aber einfach \u00fcbergangen und kamen nicht vor oder wurden nicht explizit erkenntlich gemacht. Daraus entwickelten sich Begriffe wie Queer-baiting, einer Marketingtechnik, bei der zum Beispiel gleichgeschlechtliche Romanzen angedeutet, aber nie wirklich dargestellt werden. Somit sollen queere Menschen als Zielgruppe angelockt werden, w\u00e4hrend ein konservatives oder homophobes Publikum nicht verloren geht. Eine Serie, die in der Vergangenheit wegen Queer-baiting kritisiert wurde ist zum Beispiel \u201eSherlock\u201c. Die Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren Sherlock Holmes und John Watson wird von vielen Fans aufgrund von Andeutungen innerhalb der Serie als romantisch aufgefasst. Dies wurde von den Filmemacher*innen allerdings nie best\u00e4tigt.<\/p>\n\n\n\n<p>In den letzten Jahrzehnten gab es jedoch eine Bewegung in Richtung positiver und vor allem authentischerer Repr\u00e4sentation von queeren Charakteren und Lebenssituationen. W\u00e4hrend vor erst zehn bis zwanzig Jahren wenige schwule oder lesbische Charaktere auftraten und bisexuelle oder trans Personen fast gar nicht dargestellt wurden, gibt es heute LGBTIQ+ Repr\u00e4sentation in vielen verschiedene Genres.<\/p>\n\n\n\n<p>In Serien wie \u201eBrooklyn 99\u201c, \u201eHeartstopper\u201c, \u201eUmbrella Academy\u201c oder \u201eStranger things\u201c zeigt sich, dass queere Charaktere und Storylines nicht auf bestimmte Genres oder Ziel- beziehungsweise Altersgruppen beschr\u00e4nkt sein m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch in welchen Situationen kommen Coming-outs vor und welche Rollen spielen sie in Serien und Filmen? Dieser Artikel gibt ein paar Beispiele und ihre Bedeutung. Es sind Spoiler enthalten, als Warnung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Stranger Things \u2013 Freundschaft<\/h3>\n\n\n\n<p>Die erste Coming-out Szene stammt aus der Science-fiction-serie Stranger things, die in den 80ern spielt. In der Szene outet sich Robin ihrem besten Freund Steve gegen\u00fcber. Die beiden sitzen in einer Toilettenkabine, nach einer Konfrontation mit russischen Spionen und Steve gesteht Robin seine Gef\u00fchle ihr gegen\u00fcber. Unerwarteterweise erwidert sie seine Gef\u00fchle jedoch nicht und erz\u00e4hlt ihm \u00fcber ihren Crush auf eine Mitsch\u00fclerin. Da queere Menschen in den 80ern noch weniger akzeptiert wurden als heutzutage stellt das Gespr\u00e4ch zwischen den beiden einen gro\u00dfen Vertrauensbeweis dar. Obwohl ein Coming-out, gerade zu der damaligen Zeit, mit Risiken der Diskriminierung oder Ausgrenzung verbunden ist, zeigt dieses Beispiel den positiven Effekt sich seinen Freund*innen zu \u00f6ffnen, denn Steve akzeptiert sie so wie sie ist. Auch in der folgenden Staffel sind die beiden noch befreundet und Robin braucht sich ihm gegen\u00fcber nicht mehr zu verstellen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Heartstopper \u2013 erstes Coming-out<\/h3>\n\n\n\n<p>Leider l\u00e4uft ein Coming-out nicht immer so gut. Obwohl sich das Weltbild seit den 80ern positiv weiterentwickelt hat, gibt es auch heutzutage noch Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf geht unter anderem die Serie \u201eHeartstopper\u201c ein. In der Netflix-serie, welche auf einer Comicreihe von Alice Oseman basiert, geht es um Nick und Charlie, die zusammen zur Highschool gehen und sich in der ersten Staffel verlieben. Thematisiert werden aber auch die Schwierigkeiten vom Coming-out. Charlie, als Hauptfigur, wurde vor Beginn der Geschichte unfreiwillig bei seinen Mitsch\u00fcler*innen als schwul geoutet und hatte daraufhin mit Ausgrenzung und Mobbing zu k\u00e4mpfen. Die Auswirkungen dessen machen sich bei ihm sp\u00e4ter sogar in einer Essst\u00f6rung deutlich. Unterst\u00fctzung findet er bei seinen Freund*innen, in seiner Beziehung, in seiner Familie und in der Schule.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Nick ist mit seinem Coming-out etwas \u00fcberfordert. Als er Charlie kennenlernt, stellt er fest, dass er bi ist. Doch als Rugby-spieler passt er nicht in den Stereotyp und bef\u00fcrchtet, dass seine Freund*innen nicht so akzeptierend sein werden wie Charlies.<\/p>\n\n\n\n<p>Gerade j\u00fcngere queere Personen k\u00f6nnen sich mit diesen Charakteren identifizieren, sollten sie zum Beispiel \u00e4hnliche Probleme in der Schule haben. Doch auch \u00e4ltere Personen k\u00f6nnen sich an ihre eigene Schulzeit erinnern oder sich zu ihren ersten Coming-out-Erfahrungen zur\u00fcckversetzen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">All of us strangers \u2013 Familie<\/h3>\n\n\n\n<p>Gerade wenn es um Eltern geht, k\u00f6nnen Coming-outs unangenehme Gespr\u00e4che sein. Ein kurioses Beispiel daf\u00fcr zeigt der Film \u201eAll of us strangers\u201c, der dieses Jahr mit Andrew Scott und Paul Mescal in den Hauptrollen erschien. Er handelt von einem etwas einsamen Autoren, Adam, und seinem Nachbarn Harry. Im Laufe des Filmes kehrt Adam zu seinem Kindheitshaus zur\u00fcck und trifft dort seine verstorbenen Eltern wieder, die er mit elf Jahren in einem Autounfall verloren hatte. Sie sind seit den 80ern nicht gealtert und scheinen auch nichts von der Welt seitdem mitbekommen zu haben. So kommt es zu einem Gespr\u00e4ch zwischen dem um die 40 Jahre alten Adam und seiner Mutter, in dem er ihr erz\u00e4hlt, dass er schwul ist. Obwohl sie unbestreitlich f\u00fcrsorglich und liebend ist, reagiert sie doch erst betroffen. Ihre Sorgen, dass er beispielsweise keine Arbeit finden w\u00fcrde, zeigen, wie sich das Weltbild seit den 80ern weiterentwickelt hat. Au\u00dferdem wird klar, wie emotional das Thema ist, denn selbst Adam, der komfortabel in seiner Identit\u00e4t wirkt, scheint unwohl und nerv\u00f6s, was zeigt wie wichtig es ist von der eigenen Familie akzeptiert zu werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Umbrella Academy \u2013 Transrepr\u00e4sentation<\/h3>\n\n\n\n<p>Das letzte Beispiel stammt aus \u201eUmbrella Academy\u201c und wurde besonders positiv von Fans aufgenommen. In der dritten Staffel der Superhelden-serie outet sich Viktor Hargreeves als trans Mann, nachdem dessen Schauspieler Elliot Page Ende 2020 ebenfalls sein Coming-out als trans Mann bekannt gegeben hatte. In der zweiten Folge tritt Viktor mit Kurzhaarfrisur auf und erkl\u00e4rt seiner Familie, dass er Viktor sei und dieser auch schon immer gewesen ist. F\u00fcr keinen seiner Familienmitglieder ist das ein Problem und er wird im weiteren Verlauf der Staffel von ihnen unterst\u00fctzt. In einem Interview berichtet Elliot Page, dass der Showrunner von Umbrella Academy, Steven Blackman, sehr unterst\u00fctzend war. Um das Coming-out authentisch darzustellen und in die Handlung der Serie zu integrieren, hatte au\u00dferdem Autor, Journalist und ebenfalls trans* Mann Thomas Page McBee beim Skript geholfen. Zusammen erarbeiteten sie Viktors Charakterentwicklung, die sehr gut in den Kontext der Serie und Viktors Charakter der letzten Staffeln passt.<\/p>\n\n\n\n<p>Elliot Pages eigenes Coming-out war nicht ganz so simpel, wie in seiner Autobiografie \u201ePageboy\u201c deutlich wird. Obwohl er sich schon als Kind bewusst war ein Junge zu sein, wurde er durch seine T\u00e4tigkeit als Schauspieler und der miteinhergehenden Ber\u00fchmtheit eingeschr\u00e4nkt, sich so zu pr\u00e4sentieren wie er wollte. Sein Auftritt in Umbrella Academy gibt jedoch Hoffnung auf noch mehr Akzeptanz gegen\u00fcber trans* Personen in der Zukunft der Filmindustrie.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Beispiele stellen nur einen kleinen Teil der Filme und Serien dar, die Coming-outs thematisieren, die helfen, dass sich queere Menschen gesehen f\u00fchlen und zeigen, wie vielf\u00e4ltig die individuellen Erfahrungen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn sich eine Person der LGBTIQ+ Gemeinschaft entscheidet sich jemandem gegen\u00fcber zu \u00f6ffnen, kann das eine bedeutungsvolle Situation im Leben sein. Auch in Filmen und Serien sind Coming-outs bedeutungsvoll und h\u00e4ufig emotional. Doch warum sind sie so wichtig? 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