{"id":4495,"date":"2024-05-31T00:12:00","date_gmt":"2024-05-30T22:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4495"},"modified":"2024-05-31T13:30:19","modified_gmt":"2024-05-31T11:30:19","slug":"die-fuenf-w-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lambdanachrichten.at\/?p=4495","title":{"rendered":"Die f\u00fcnf W-Fragen"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein Ratgeber zum Coming-out<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap\">Es ist eine Sache, zu wissen, wer ich bin. Es ist eine andere, das auch zu kommunizieren. Was bzw. wieviel erz\u00e4hle ich wem, wann und wie? Was, wenn ich mich gar nicht outen will? Berechtigte Fragen, die sich jede*r vor einem Coming-out stellen k\u00f6nnen sollte. Genau deshalb ist es so schwerwiegend, wenn man von einer anderen Person geoutet wird \u2013 es ist ein Kontrollverlust. Kontrolle \u00fcber das Was, Wieviel, Wem, Wann und Wie. Habe ich allerdings die M\u00f6glichkeit selbst zu entscheiden, kann ich mir meine eigenen Gedanken und W\u00fcnsche \u00fcberlegen, wie mein Coming-out bestenfalls ablaufen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Folgender Ratgeber basiert g\u00e4nzlich auf eigenen Erfahrungen und kann von Person zu Person abweichen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WAS <\/h3>\n\n\n\n<p>Zuallererst kann ich f\u00fcr mich selbst entscheiden, ob ich mich \u00fcberhaupt in meinem sozialen Umfeld outen m\u00f6chte bzw. ob ich (momentan) in der Lage bin, so einen wichtigen Teil von mir selbst zu kommunizieren. Selbst wenn ich mir sicher bin, keine negativen Konsequenzen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, kann es trotzdem ein wahnsinnig schwieriges Vorhaben sein und viel \u00dcberwindung kosten. Sollte ich mir unsicher sein, ob Personen positiv reagieren w\u00fcrden, sollte ich absch\u00e4tzen, wie wichtig es mir ist, dass diese bestimmte Person davon Bescheid wei\u00df und ob es die Energie und den Stress wert w\u00e4ren. Vor allem bei Minderj\u00e4hrigen bzw. Personen, die noch bei Eltern\/Erziehungsberechtigten wohnen, ist Achtsamkeit geboten. Sind diese Bezugspersonen schon im Vorhinein queerfeindlich, w\u00e4re es besser, so lange auf ein Outing zu verzichten, bis ein eigenes Zuhause besteht. Der Bedarf nach einem Coming-out kann sehr gro\u00df sein, aber die eigene Sicherheit und Unterkunft muss immer an erster Stelle stehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WIEVIEL<\/h3>\n\n\n\n<p>Habe ich mich dazu entschieden, mich aktiv zu outen, kann ich \u00fcberlegen, was ich denn genau kommunizieren m\u00f6chte. Habe ich ein bestimmtes Label, oder reicht es, wenn die Person den \u00dcberbegriff (wie z.B. \u201ehomosexuell\u201c) wei\u00df? Wenn ich mehrere Labels bzw. mehrere queere Identit\u00e4ten habe, m\u00f6chte ich alle oder nur bestimmte kommunizieren? Manchmal ist es besser, nur so viel wie n\u00f6tig von sich preiszugeben, bzw. einfacher, einen \u00dcberbegriff zu nennen, anstatt die gegebenenfalls nicht allgemein bekannte Identit\u00e4t (wie z.B. Pansexualit\u00e4t) zu erkl\u00e4ren. Au\u00dferdem kann ich mir \u00fcberlegen, ob ich im Zusammenhang mit der Kommunikation meines Labels auch bestimmte Erwartungen vermitteln m\u00f6chte (z.B. das Verwenden von korrekten Pronomen\/Namen). Dar\u00fcber hinaus ist die Offenbarung einer queeren Partnerschaft ein anderes Gebiet als die Kommunikation eines Labels. Ein Label kann m\u00f6glicherweise noch eher akzeptiert werden als die Realit\u00e4t einer tats\u00e4chlichen queeren Beziehung, daher ist Achtsamkeit geboten, nicht nur f\u00fcr das eigene Wohl, sondern auch das der Partner*in(nen). <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WEM<\/h3>\n\n\n\n<p>Nachdem ich mich dazu entschieden habe, dass ich etwas kommunizieren m\u00f6chte, sollte ich mir Gedanken machen, wer denn \u00fcberhaupt Bescheid wissen soll. Habe ich Freund*innen, denen ich meine Identit\u00e4t anvertrauen kann? Kann ich mich darauf verlassen, dass meine Eltern mich akzeptieren, ohne Konsequenzen zu bef\u00fcrchten (vor allem als Minderj\u00e4hrige*r)? Kann ich in der Arbeit von meiner Partnerschaft erz\u00e4hlen und weiterhin eine gute Beziehung zu meinen Kolleg*innen f\u00fchren? Gerade am Arbeitsplatz ist viel Umsicht geboten. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es ideal, nicht nur im privaten Milieu authentisch sein zu k\u00f6nnen, allerdings ist es deutlich schwieriger, queerfeindliche Situationen im Arbeitsalltag zu bew\u00e4ltigen, da man sich aus diesem Umfeld nicht einfach entfernen kann. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine niederschwellige M\u00f6glichkeit herauszufinden, ob eine Person queerfreundlich ist bzw. positiv auf ein Coming-out reagieren w\u00fcrde, ist es, ein queeres Thema (ganz nebens\u00e4chlich) in eine Konversation einzubauen. Beispiele daf\u00fcr w\u00e4ren \u201aein Bekannter von mir hat jetzt seinen Freund geheiratet\u2018 oder \u201abald ist wieder die Regenbogenparade am Ring\u2018. Wie eine Person auf solche Themen reagiert, sagt viel dar\u00fcber aus, wie diese Person mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das eigene Coming-out reagieren w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WANN <\/h3>\n\n\n\n<p>Den \u201arichtigen Zeitpunkt\u2018 f\u00fcr ein Coming-out gibt es meistens nicht. Es gibt kein richtiges Alter und vor allem kein \u201azu sp\u00e4t\u2018. Jede*r hat eine eigene Geschwindigkeit, zu sich selbst zu finden, manche fr\u00fcher, manche sp\u00e4ter, aber ein fortgeschrittenes Alter sollte nicht davon abhalten, sich im sozialen Umfeld offenbaren zu k\u00f6nnen. Es muss auch nicht abgewartet werden, ob das aktuelle Label das \u201arichtige\u2018 ist. Labels k\u00f6nnen sich, genau wie andere Facetten eines Menschen auch, jederzeit und wiederholt ver\u00e4ndern. Es ist somit absolut kein Fehler, sich mit einem Label zu outen und kurze oder lange Zeit sp\u00e4ter ein oder mehrere andere Labels zu verwenden. Sobald das Bed\u00fcrfnis nach Kommunikation der eigenen Identit\u00e4t entsteht, wird sich ein geeigneter Moment finden, egal ob dieser Moment Tage, Monate oder Jahre in der Zukunft liegt. <\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">WIE<\/h3>\n\n\n\n<p>Schlussendlich kann ich \u00fcberlegen, auf welche Art ich mich oute, wie zum Beispiel verbal oder nonverbal. Ein nonverbales Outing k\u00f6nnte etwa sein, dass ich einen Regenbogen-Pin an meiner Kleidung trage, oder auf meinen sozialen Medien bestimmte Inhalte teile. Ein nonverbales Outing hat den Vorteil, eigene Identit\u00e4ten bzw. einen engen Bezug zu LGBTIQ-Themen nicht aktiv kommunizieren zu m\u00fcssen, allerdings zieht dies m\u00f6glicherweise invasive Nachfragen mit sich. Ein verbales Outing geht aktiv von der betroffenen Person aus, und kann schriftlich \u00fcber Handynachricht\/Mail erfolgen oder durch ein Telefonat bzw. pers\u00f6nlich. Die pers\u00f6nliche Variante des Coming-out ist wahrscheinlich die stressigste, kann aber auch die am schnellsten zufriedenstellende Variante sein, wenn ich direkt positives Feedback erhalte. <\/p>\n\n\n\n<p>Alles in allem ist das Coming-out wahrscheinlich eines der schwierigsten und komplexesten Themen im Zusammenhang mit queerer Identit\u00e4t, dessen Bedeutung nicht untersch\u00e4tzt werden darf. Muss ich zwingend meinen Mitmenschen Bescheid geben? Absolut nicht. Sollte ich allen Bescheid geben k\u00f6nnen, wenn ich das m\u00f6chte, ohne Konsequenzen zu f\u00fcrchten? Definitiv schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Ratgeber zum Coming-out Es ist eine Sache, zu wissen, wer ich bin. Es ist eine andere, das auch zu kommunizieren. Was bzw. wieviel erz\u00e4hle ich wem, wann und wie? Was, wenn ich mich gar nicht outen will? Berechtigte Fragen, die sich jede*r vor einem Coming-out stellen k\u00f6nnen sollte. 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